Mirela Halitzki
Bildkunst. Wortkunst.

In das Blau des Meeres gehüllt
Heute gibt es im Zirkus wieder Programm. Lärmend startet die Zirkusmaschinerie ihren vollen Betrieb. Laute Rufe scheuchen die noch schläfrig-lahmen Tiere auf.

Die Elefanten trompeten, ihr Morgenruf vertreibt die letzten Reste der Nachtruhe. Wie in einer Fabrikhalle startet auf Hochtouren das Leben neu. Artisten dehnen gekonnt ihre Körper. Im Sonnenschein prahlen sie mit ihren Muskeln, ästhetisch in die morgendliche Gymnastik vertieft. Ihre Augen blinzeln noch etwas verträumt, die Konzentration kommt schnell, das verlangt die Kunst am Trapez. Im provisorischen Büro klappert eine alte Olivetti - wenige Einladungen kommen zu den offenen Rechnungen dazu. Dringend brauchen die Tiere ihr Futter, die Artisten wieder Aufmerksamkeit, ein Echo des vermissten Applauses. Das Zelt braucht einen Besucheransturm, um die öde Leere zu bekämpfen, die finanzielle Not zu besiegen. Menschen brauchen das lebenswichtige Lachen, Unterhaltung, Begeisterung! Träume hängen am Trapez, wollen nicht fallen ins Nichts. Sie taumeln in sanftem Flug zu Boden, regen die Aufmerksamkeit der Zuschauer an. Helligkeit verbreitet sich im Zelt, drängt die Schatten in den Hintergrund. Netze aus Licht breiten sich wie schwebend leicht auf dem verstaubten Fußboden aus, überdecken die Spuren der vergangenen Show. Der Clown steckt noch im gleichen Pyjama, ein Lächeln noch müde über sein Mondgesicht huscht. Die Schminktöpfe wirken verlassen, aufgebraucht - man hat sich mit den Fingern bedient, die Farben grob rausgeholt. Heute darf das Kind für sich eine wichtige Aufgabe übernehmen. Es führt die Kinder durch die Tierschau, darf ihnen die neugeborenen Fohlen zeigen. Die kindliche Neugier lebt auf. Kinderlachen füllt die Tierzelte mit neuer Energie. Das Kind ist glücklich, ein Kind sein zu dürfen, die Welt der Erwachsenen für einen Augenblick zu verlassen. Ein scheues Lächeln huscht über sein Gesicht, die Augen strahlen wie in das Blau des Meeres gehüllt.


Pompons
Früh am Morgen steht die Sonne schräg über dem Zirkuszelt. Letzte Nachtfetzen dunkeln noch auf einem gebatikten Himmel. Wolken reihen sich wie an einer weißen Kordel. Tutu-Röckchen ähnliche Himmels-Formationen tanzen Cancan, wogen hin und her auf dem blauen Hintergrund, wirken andeutungsweise erotisch. Bilder fluten vor dem Aufwachen. Das Kopf-Kino des Kindes ist schon geöffnet, Bilder flimmern in perspektivischem Denken. Die Vorstellungskraft ist mächtiger als der getackerte Plan in der Garderobe. Wünsche hängt man nicht an die Pinnwand, sonst erstarren sie. Wünsche lässt man frei in die Gedankenwelt, damit sie sich austoben können in ihrer Wildheit.

Im Bühnenbild spielen Licht und Dunkelheit vorsichtig Verstecken. Hinter dem schweren, halboffenen Vorhang werden Kostüme probiert, daran noch genäht, weiter geändert und wieder genäht. Das große Ballett des Zirkus wird heute begeistern. Das Zirkusprogramm, durch Show-Einlagen und Raffinement der Bewegung vielfältig gestaltet, ist eher modernistisch, verwendet aber auch sehr klassische Elemente: Cancan. Ein tanzendes Girl… eine Spur von Paris, ein Hauch von verschwundener Traumwelt.  Ersehnter Ruhm durchzieht die leicht verruchte Inszenierung. Die Artisten proben schon das heutige Programm.  Das Kind streift über das Gelände, schaut nach den Löwen. Die schlafen noch fest in ihren Käfigen, schnurren. Fast harmlos wirken die Wildkatzen. Sie träumen immer von ihrer Wildbahn. Zärtlichkeit steht in den Augen des Kindes, es testet die Brunnen-Tiefe seiner Weltanschauung aus. Seine kleinen Schritte entfernen sich federnd von den schlummernden Löwen. Riesig wirkt das Zelt, nur scheinbar in Morgenruhe gehüllt. Das Kind bleibt am Eingang stehen, atmet tief, bevor es die Eindrücke von den Pirouetten fotografisch in seinem Kopf-Kino speichert. Beeindruckt von Geschwindigkeit und Spannkraft, den Rotationen auf der flachen Bühne, hält es sich kurz fest am Pfosten des Eingangs, versucht das Gefühl des Schwindels zu bekämpfen und seine Emotionalität. Mit seinem Blick fixiert das Kind ein Plakat. Farbenfroh tanzen die Buchstaben vor seinen Augen, reihen sich, zu Worten bereit. Die Worte verhärten sich, nageln die Illusionen fest. Sie lassen sie nicht einfach gehen, sondern verstreuen sie beim Lesen gewollt. Im Plakat befindet sich eine Anspielung an das Moulin Rouge, nostalgisch vibrierend, nicht auffallend. Aber gewollt. Am Rande der Welt sucht Henri de Toulouse-Lautrec einen Nachfolger. Das Kind träumt seinen realen Traum: Wie ein Baumeister gekonnt alles, was es zu entwerfen gibt, entwirft. Auf der Bühne bewegen sich Wolken von Tüll. In rasendem Tempo wirbeln die Tänzerinnen ihre zarten, weißen Röcke durch die Luft, werfen die Beine in schwindelerregende Höhe. Eine Zauberwelt wie aus Tausend Pompons!
Das Kind erlebt in seinem Kopfkino seinen schönsten Traum – und tanzt auf der Weltbühne.

 

Zauberstab und Glockenstimme
Der Zauberer wird laut angekündigt. Die Stimme des Ansagers klingt wie eine Glocke, ein kristallklarer Ton. Mit sorgfältig gewählter Wortwahl, um den Ansprüchen der Unterhaltungswelt zu genügen. Durch die Zuschauerreihen ziehen Bewegungen im Takt weite Bahnen, eine La-ola -Welle bewegt die Gemüter. Wie ein Akkordeon bewegen sich die eng-beieinandersitzenden Menschen, ihre Aufregung ist deutlich spürbar.

In ihrer intuitiven Bewegung verlieren ihre Körper die Zurückhaltung, die Stimmung entspannt sich. Zufällige Berührungen werden kaum noch wahrgenommen. Es geht um die Show, um das Betreten der Bühne und nicht darum, Gedanken nachgehen.Kinderstimmen werden deutlicher, manche sind noch verträumt, fast abwesend, andere dagegen lebhaft, fast schrill in ihrer hohen Tonlage.
Die Zirkuskuppel nimmt die Geräusche auf, reflektiert sie und lässt sie im Echo anders klingen, wie Instrumental-Musik am Pult der Zeit, nur neu gemischt.

Das Kind betritt schüchtern die Bühne. Paar Schritte hinter den großen Zauberer, der in seinem eng liegenden schwarzen Anzug selbstsicher voran streitet, wirkt es etwas verloren. Heute darf es assistieren, den Zauberer aus der Nähe betrachten, vielleicht seine Kunst der Zauberei enträtseln oder sogar neu erfinden.
Tauben fliegen aus einem auf Glanz polierten Zylinder. Das Kind erschreckt sich leicht, es zuckt zusammen. Fühlt das Flatterhafte, die Seelenaktivität misst er mir seiner hohen Sensibilität.Zauberhaft sind seine tapsigen Bewegungen. Sein Blick folgt fasziniert den paddelnden Flügeln.
Die Zuschauer klatschen laut, Eltern schauen ihre Kinder an. Aus dem Ärmel zieht der Zauberer ein Meer aus bunt-gebatikten Tüchern. Die Farben mischen sich, in ihre Pastelltöne marmoriert erscheinend, sanft im Flug taumelig fallend.
Das Kind gibt sich in der Hypnose der Bewegung, läuft den luftigen Schaukeln hinterher, sie dabei fast von der Bühne stürzt. Die Hand des Magiers es fest hält, vor dem Sturz bewahrt. Kinder brauchen halt schützende Hände. Weiße Häschen laufen frei, aus dem Zylinder der Reihe nach purzelnd, wie Schneeflocken aus der Winterzeit, kommend, um die Bühne zu erhellen Das Kind springt mutig hinterher. Die Kinder in dem Zuschauerraum schauen sich die Szenerie mit großen neugierigen Augen an, staunen groß. In ihrer Welt ist die Fantasie lebhaft und Bestandteil des alltäglichen Lebens. Jedes Kind trägt ein Zauberstab mit sich herum.
Jedes Kind darf Kind sein.

 

Ikarus, oder der Traum vom Fliegen
Heute gibt es mehr Sprünge und Saltos auf dem Zirkusprogramm. Das Ikarus-Duo bezwingt die Grenzen des Möglichen, bricht mit noch mehr Saltos die eigenen Rekorde. Es zeigt überhaupt noch mehr doppelte Saltos als alle anderen Artisten der Welt. Das Zirkusfieber ist deutlich zu spüren, die Tickets sind heute ausverkauft. Das Telefon steht nicht mehr still, die Nachfrage ist nicht mehr zu bewältigen.

Leider ist es eine einmalige Gelegenheit, denn dem Zirkus geht es finanziell nicht gut und das Duo kommt einem alten Freundschaftsversprechen nach. Die Nummer fällt durch eine außergewöhnliche Inszenierung auf, die aus der pulsierenden Dynamik lebt. Die Artisten werden mit der Zeit süchtig nach mehr Geschwindigkeit, nach mehr Applaus. Lange vor der Vorstellung belagern die Besucher schon den Platz vor dem Zirkus. Familien picknicken auf der Wiese, Kinder laufen fröhlich herum, das Gras zertrampelnd, Fangen spielen. Circus Menschen verteilen Getränke, denn die Hitze des Sommers knallt gnadenlos vom Himmel. Serotonin wird massenweise auf die Menschen ausgeschüttet.
Die Erde riecht nach trockenem Staub, Wüsten-Gerüche hängen würzig in der heißen Luft. Eukalyptus, Myrrhe… Zikaden fangen an ihr Hauskonzert. Wildblumen trotzen der Hitzewelle, warten sehnsüchtig auf die erste Erfrischung, die erste Föhnbewegung des Windes lässt auf sich warten. Die Kraft der Sonne ist übermächtig, keiner kann ihrer Gewalt trotzen; man lässt ihre Laune gelten, ihre strahlende Helligkeit ist mit der Notwendigkeit verbunden, die Existenz des Lebens zu garantieren. Goldenes Licht blendet das Kind das an einem Baum gelehnt, beobachtet die lebendige Szenerie.
Es träumt vom einsamen Schwimmen auf einer illusorischen Insel - und von einer kühlen Limonade.
Im Zelt wärmen die Artisten ihre Muskulatur, schnell werden geschmeidig die Körper, um die Monotonie des Schicksals zu vertreiben. In der Luft zaubern sie gekonnt bewegliche Arkaden. Die mitreißende Musik heizt schon die Stimmung auf. Am Himmelsrand hängen zwei Miniatur-Wolken an einem fast unsichtbaren Faden, treiben daran ein ikarisches Spiel. Das Kind hängt seinen Gedanken nach. Ein Gefühl von Verlust es spürt, von seiner Heimat es träumt, von einem leichten, frischen Wind, der die geordneten Birkenbäume am Ortsrand zerzaust.
Am Himmel flackert plötzlich eine Art Licht, das nur die Enthusiasten kennen - das Ikarus-Licht. Das Kind träumt vom Fliegen.

 

Nomadenleben
Heute erreicht der Zirkus einen Besucherstrom.
Das sonst ruhige Leben in dem kleinen Ort verliert auf einmal seine Lethargie. Wie ein Funke verbreitet sich der Nachricht, der Zirkus Wagen gastiert an einer Nebenstraße, Artisten machen sich schon bereit für das heutige Programm. Zwei Harlequine laufen mit einem Megafon durch die Gegend, verkünden die heutigen Show, willkommen heißend. Der spontane Zirkusbesuch stellt die Gleise für das Alltagsdenken neu, Impulse weiter er trägt. Menschen sind plötzlich bereit, ihre Werkzeuge ruhen zu lassen, die Bücherei schließt heute früher. Die Bücher ruhen fast unberührt, seit langen ging das Interesse an der Literatur verloren, nach den Kinderbüchern wird aber öfter nachgefragt. Der Lesesaal ist meistens leer, er hortet Zeit, die für unwichtige Sachen verloren geht. Nur die Sonne treibt durch die große Glasscheibe optische Spiele, den Staub sichtbar macht.  Nur die Sonne treibt durch die große Glasscheibe optische Spiele, den Staub sichtbar macht. Der Bademeister bleibt auf seinem Posten sitzen, dass man ist sich nicht sicher ob die Schwimmflügel ihre Funktion gemäß erfüllen.

Die Kinder brauchen Schutzraum, um sich zu entwickeln, wachende Augen, Hände, die halten können. Die Verantwortung lässt einen nicht so schnell los. Obwohl im Freibad kein Kind zu sehen ist, laufen alle zum Ereignis des Tages: dem Zirkus. Zu viel passiert sonst nicht in dem verschlafenen Ort.
Nicht nur die Hitze erlahmt die Betriebsamkeit, sondern die Gewohnheit, der Alltag scheint hier sich wohl zu fühlen, keine Wendung erträgt. Das Zelt ist schon gebaut, die Artisten sind in ihrem Nomadenleben schon routiniert was die Alltagsgriffe betrifft. Am Eingang wird eine Kinderstation errichtet, Schminke und Buntstifte lagern schon auf dem mit Farben befleckten Holztische. Getränke werden vorsorglich gekühlt, Äpfeln ruhen in geflochtenen Schalen in den schattigen Ecken des Empfangs. Der Dompteur lässt noch einmal die Wiese mit dem Wasserschlauch erfrischen. Fröhlich sprudelt das Wasser, immer wieder die Kollateralschäden am Schlauch ausnützt und in alle Richtungen spritzt. Kinder spielen unbefangen, die Kleinen halten sich an den Eltern fest, mit staunenden Augen alles in sich aufnehmen, Eindrücke ununterbrochen speichern.
Ein Jongleur spielt spontan seine Nummer, er bewegt kleine Bälle seit einer gefühlten Ewigkeit in der Luft. Die Kinderaugen werden müde, mal wieder schläft ein Kleinkind ein, sich an seiner Mutter klammernd. Der Krankenhausclown ist heute da, er brachte zwei Jugendlichen mit und versucht sie bei Laune zu halten. Einem geht es nicht so gut, er wollte unbedingt heute noch kommen, morgen ist ihm alles zu ungewiss. Der Andere wirkt stabil, von der lebendigen Atmosphäre berauscht, lebenssüchtig atmet er alles war er wahrnimmt in tiefen Zügen ein. Zirkus lebt im jetzt und heute, wie das Leben auch das heute in dem Zirkuszelt gastiert. Was heute passiert ist wird sich nicht wiederholen, der Zauber des Augenblicks lebt von seiner Kurzlebigkeit.
Aus einem Zirkusprogrammheft bastelt ein Vater kleine Papierboote, seine Jungs laufen hin und her, schweben fast wellenartig in die vorgegebene Traumvorlage, die eingeflüsterte Fantasie ermöglicht den Zugang zu dem perspektivischen Denken. Der Vater lebt noch einmal seinen Kindheitstraum, in seinen Kindern darf er wieder das Sein was er schon mal war bevor der wiederkehrende Tsunami kam, und sein Leben umgesiedelt wurde.
Kleine Kinder werden auch mal erwachsen, wenn die Voraussetzungen stimmen, der Preis dafür ist hoch und nicht vermeidbar, gehört zu dem Fluss des Lebens, zu ihrer Vergänglichkeit. Der Zirkusdirektor lässt heute das Kind an das Megafon. Aufgeregt, mit leiser Stimme kündigt er die heutige Show an. Heute ist der Eintritt frei.


Regiestuhl
Am Trapez erlahmen die Glieder der Akteure. Die Muskeln verkrampfen sich, lassen brennend spüren die steigenden Laktose -Werte. Die Finger krallen noch fest am Schleudersitz. Das Leben hängt an einem goldenen Faden. Trotzdem genießen die Artisten ihre Bestimmung: die Gefahr, die Sucht nach ultimativer Grenzerfahrung. An den Stirnen kleben die Haare. Die Luftreibung ist aufs Minimum reduziert. Die Gesichter wirken madonnenhaft still. Die Haltung, aufrecht - bedingt durch den augenblicklich empfundenen Stolz. Die Tränen hinterlassen in der Schminke Spuren, mischen sich mit dem warmen Sommerregen.Die Bilder drehen sich vor den Augen, immer schneller, immer bunter wirkt die Welt, durch die rasenden Wirbel verzerrt.

Die Horizonte lösen sich auf. Schmerzhaft verkrampfen die Finger, sie dürfen nicht loszulassen. Letzte Energie sickert noch aus den fast leeren Kraftreserven.
Ob am Ende der Wüste sich eine Oase der Ruhe über der Gedankenferne ausbreitet? Oder setzen sich immer nur die Halluzinationen durch? Behutsam zieren die Wahrnehmung dünne Linien am Horizont, zerlegen das Weltbild in faserige, kaum erkennbare Wortfetzen.
In den Augenwinkeln huscht noch eine leise Spur von Neugier. Ob die in der Zeitmaschine gefangene Zukunft zerschellt, verfällt wegen des überschrittenen Haltbarkeitsdatums? Artisten bleiben immer Kinder, obwohl das Erwachsenwerden sie auch mit reifer Erfahrung konfrontiert. Leicht schweben die Artisten durch die Lüfte. Ihr Hunger nach mehr Aufmerksamkeit hat sich kurzzeitig gelegt.
Leicht, wie Federn, schwingen sie über den Zelthimmel. Sie halten sich an die Bodyindex-Tabelle - wie die Normalos.  Ihre Körper sind ausgezehrt durch die Nahrungsdisziplin. Elfengleich schwingen sie hin und her, pendeln durch die Gefühlsleere, verbinden zwei konträre Koordinaten. Spröde Lippen, süchtig in der dunklen Stille ihrer Sehnsucht, ihre Bedürftigkeit nur durch Mimik erkennen lassen. Das Gesicht hält milde seinen Ausdruck im Griff, die Augen funkeln noch in tiefem Blau, senden ihre Morsesignale aus.
Das Kind rennt zum Brunnen, findet den Weg mit geschlossenen Augen. An seinen Füßen haftet der frische morgendliche Tau. Sorgenvoll schöpft es mit den Händchen Wasser, trägt es mit Vorsicht zum Zelt. Dabei bemüht es sich, nicht einen Tropfen zu verlieren. Die Lippen der Artisten werden von ihm mit Nässe befeuchtet. Ihr Leben kehrt zurück.
Mit neuer Flexibilität fügen sie sich von neuem in die Choreografie ihres Starregisseurs.
Das Kind ist erleichtert - so sehr, dass es sich unbemerkt in seine Welt zurückziehen kann.


Nach der Show ist vor der Show.
Das Kind hat sich gewagt. Den Vorhang leicht zur Seite gezogen, ein Blick von der Bühne in den Zuschauerraum geworfen. Am Eingang stehen mit weißen, gut gebügelten Tischdecken bedeckte Tische, mit schäumendem Champagner, das Kondenswasser perlt auf die klaren Gläser hinunter. Das aufregende Zischen übernimmt die Rolle von Punkt und Komma in den endlosen Sätzen der Unterhaltung.

Der Zirkus lebt in seiner Einzigartigkeit, bittet zum Gespräch, in der mit Adrenalin gefüllten Atmosphäre dampfen die lebhaften Köpfe. Das Leben ist spürbar, Sinneseindrücke kitzeln an den Fußsohlen, starten den Bewegungsdrang. In den Artistenkörper baut sich dir gekonnt eine Choreografie auf. Der Verstand pausiert aber, um sich eine Ruhepause vom Alltag zu erlauben.
Locker fließt die Unterhaltung, in den gewohnten Bahnen, salopp wird spaziert. Kinder rennen, sind laut, vergnügt, kichern. Die Eltern mahnen liebevoll, sie sollen sich benehmen. Gleichzeitig halten sie vorbildlichen Benehmens würdig ihre Champagnergläser, trinken kleine Schlucke. Alles ist eine Frage des bezahlten Preises, der Präsentation.

Ohne Netz riskieren die Artisten ihre Leben, aber sie lieben ihre Arbeit, das Risiko. Am Trapez trainieren sie noch ihre Emotionalität auf Höchstleistungs-Niveau.
Die Show kann bald beginnen.
Bevor die Show losgeht, mischen sich die Möglichkeiten - zwischen den Besuchermassen fällt hier und dort Konfetti, auf den Schuhsohlen klebend.
Die Gedanken des Kindes folgen nicht bekannten Wegen, Schwindel erregend die animiert es die Beobachtung.
Die Stimme des Moderators bricht die lebhafte Unterhaltung ab, ein Kind hat seine Eltern verloren, es wartet bei dem Infostand, macht sich Sorgen, weint. Ein Clown, der Clown, startet einen Versuch, ihn zu beruhigen, das Kind verliert seine Ängste, lacht. Die Welt wirkt auf es nicht mehr so unendlich groß. Niemand kann verloren gehen, jeder hinterlässt Spuren, jeder ist auf einer Art mehr oder weniger sichtbar.
Auch das Kind, das hinter dem Vorhang mehr sieht als jeder mit der teuersten Eintrittskarte. Ein klarer, tiefer Blick für das Geschehen ist garantiert, nicht aber mit teuren Karten.
Jeder sitzt lieber auf einem Platz. den das Leben zu Verfügung gestellt hat, weil jeder an seiner Sicherheit klebt. Das Kind lernt angstfrei zu sein.


Gebrüll der Löwen
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Wenn Sie Karten für unsere Show bestellt haben, haben Sie einen guten Platz sicher, Sicherheiten verkaufen wir trotzdem nicht, nicht in unserer Welt der Erwartungen. Gelingen und Misslingen - beides ist uns erlaubt. Unsere Zirkuswagen rollen nur auf den Schienen der Gefühlsebene und folgen keiner generell gültigen Zeitgeistregelung oder gesetzlichen Vorgabe. Nur der Starjongleur trägt einen Zylinder, die Besucher tragen heute, wie so oft: Mainstream. Auf dem Programm: Heute lassen wir unsere Pferde in der Manege laufen. Im Hippodrom der Gedanken bekommen sie freien Lauf, brechen die Zäune des allgemeinen menschlichen Kodex. Höflichkeiten werden neu definiert, Eitelkeiten werden zur Ausgangstür begleitet. Im Sattel sitzt aufrecht das Kind, hält fest die Zügel in der Hand, gibt seine Ängste nicht preis, sondern richtet stolz seinen Blick nach oben auf das Wesentliche, lässt sich Lasten nicht anmerken. In seinen Augen flackert die Begeisterung, das nötige Charisma badet im Augenblau, Vertiefung.

Einsamkeit malt Frieden im Blau, Picasso hat schließlich kein Patent auf seine Blau-Verliebtheit angemeldet. Niemand darf sich nähern, sonst kommt die Erschütterung, das Zittern. In den Mondschein eingepackt, geräuschvoll wie Schokoladenfolie, knistern Emotionen. Der Glanz verblasst, wechselhaft die charismatischen Züge ihr Image wechseln. Auf der Gefühlsebene galoppieren die Pferde wild, Herztöne füllen leerstehende Konzertsäle. Niemand nimmt von dem Galopp Kenntnis, niemand kann die Geschwindigkeit eindämpfen. Die Show heute, abgesagt? Das Pferd schleppt nicht die Ambitionen als Last, sondern das Kind trägt sie auf seiner Schulter. Bei der Übertragung der Aufgaben der Welt bekam seine Aufgabe, dazu die Verantwortung. Seine Schuhe sind zu groß, seine Haltung zu gewollt. Sein Lächeln bezaubernd, unschuldig. Sein Blick schweift, in seiner Tiefe, hält eine Spur von Traurigkeit verdeckt. Innerlich beben die Emotionen, treiben Spiele mit dem Kind, verunsichern es. „Wieso haftet an den Erwachsenen so viel von gewollter Blindheit“, fragt sich das Kind. Seine Wahrnehmung wird taub, unverarbeitet die Lebensereignisse nur Hemmungen hervorrufen. „Hauptsache die Fassade stimmt“, denkt sich die Mutter, der Vater will nicht sehen, was er auch nicht zu begreifen versucht. Symbole, Durchhalte-Parolen, „Du schaffst das schon“ wird automatisch wiederholt. Das Kind nimmt alles mit, saugt sich voll in seiner Suche, die Welt zu begreifen. „Gebt mir etwas, an dem ich mich festhalten kann“, wünscht es sich zu seinem Geburtstag, als es nach seinen Wünschen gefragt wird. Bunte Gedanken ersetzen die artistische Kordel bei der Akrobatik-Übung. Am Ende der Straße wohnt der Wahnsinn. Wo führt die Kreativität hin, wenn nicht zum Fenstersims, bei offenem Fenster den Duft der Freiheit einatmet? Kinder lässt man reifen, sonst stürzen sie naiv in dem Brunnen der Erwartungshaltung des Lebens, der von den Erwachsenen am Wegesrand gegraben wurde. Durst ist ein essenzielles Bedürfnis, ganz gleich, in welcher Form er seine Forderung ausübt. Aufmerksamkeit kann enorme Züge einnehmen, zerstörerisch wirken in ihrem wachsenden Bedürfnis, sich in der Mitte des Universums sich zu positionieren. Das Kind braucht weniger buntes Zeug, sondern mehr Liebe. Die Pferde werden ruhig, die Hyänen behalten doch lieber ihre Rolle in der „König der Löwen“, fühlen sich dadurch niveauvoller, respektvoller behandelt. Zirkus riecht intensiv nach Instinkten, nach Pheromonen, menschliches Verhalten zeigt immer noch Reste der animalischen Haltung. Die Kinder wissen, wieso die Löwen laut brüllen - nicht, weil sie stark sind.


Wenn Poesie und Akrobatik symbiotisch sich vereinen
H
och in der Kuppel, am Zirkushimmel trainieren die Luftakrobaten eine spezielle Performance, eine Sensationsnummer. Keine Musikakkorde füllen den Zelt Raum aus. Keine Noten schwirren unkontrolliert durch die Luft, nur die Atmung der Artisten folgt den Staccato-Spuren eines längst vergessenen Komponisten. Heute darf die Poesie die Show begleiten, die Musik des Wortes in ihrer Tonalität klettert auf und ab auf der Leiter eines Balance-Aktes. Halluzinationen hängen auf dem Gradwanderungsseil wie bunte Tücher auf einem Wunschbaum. Worte laufen umher, Vokabeln stolpern an der kraterhaften Formulierung, die Ideologie darin verhüllt wie die Verpackungskunst von Christo. Er weilt aber in Italien, verkleidet Brücken mit seiner Fantasie. Artisten betreten bedenkenlos Brücken, sie vertrauen ihrem Balance-Akt. Sie kennen sich mit Horizonten aus, und mit der Strategie, sich zu überwinden. Sprache ist die bessere Brücke, wenn sie einen Nährboden für die Äquivalenz findet, ein offenes Ohr. Sprache ist sehr individuell - das kompliziert ihre Angliederung an der Sprachwelt der Anderen. Der Körper findet instinktiv Bezug zu dem Gesprochenen wie zu dem Ungesagten. Die Artistik kommt zuerst, dann fängt das Wort an, an seiner Bedeutung zu wachsen, sich der Seelen-Artistik choreographisch anzupassen.

Die Hitze des Körpers mischt sich mit den tierischen Gerüchen, die in dem Raum noch schweben.Die Löwen haben sich nach der gestrigen Show zurückgezogen, heute pausieren sie, in der Faulheit knurren. Menschen sind schwer zu verstehen, schwer zu begreifen, besonders wenn sie versuchen, die Löwen-Position anzunehmen. Noch zwei Umdrehungen in der Luft, dann den dreifachen Salto. Charismatisch setzen die Artisten das Durchdringen in andere Geschwindigkeitssphären um, versuchen, die Schwerkraft zu bezwingen, spielen damit. Feuchtigkeit breitet sich aus, durstige Lippen nach den letzten Tropfen lechzen. Das Training geht weiter. Nur durch die Arbeit wachsen die Kompetenzen weiter, Talent allein reicht nicht aus. Artisten produzieren Sprünge am Band der Alltäglichkeit. Nach dem Training startet das Training neu.
Die Worte bleiben hinter ihren eigenen Begrenzungen stehen, die Artisten geben das Tempo an, sie schreien die Worte aus ihrer Abkapselung heraus, bevor die Symbiose mit der Bewegung entstehen kann.
In der Bewältigung der Vergangenheit lernte der Artist Klippenspringen zu genießen, seine Ängste durch die direkte Konfrontation zu minimieren, versucht es mit der Hyposensibilisierungs-Methode.
Das Gefühl, von oben die Welt in ihrer Tiefe zu sehen, auch in ihrer Komplexität und Unkontrollierbarkeit der Ereignisse, führt zur Stärkung der bewussten Wahrnehmung von Nuancen und Farben eines Wortes. Wortakrobaten leben die Worte, empfinden   sie intensiver, aus ihrem Kontext befreit. Aus dem lyrischen Kodex der Literaturkritiker entkommen, lernt der Lyriker in seiner Weltgewandtheit das Vagabundenleben erneut, durch die Welten wandert, verbale Brücken zwischen Menschen baut. Die Körper erhitzt, die Nähe ertragen, die Akrobatik ist auf Duett angewiesen, auf die möglichst maximale Ausdehnung, ohne dabei die seelische Zerrung auszuweiten. Der Vertrauensbruch muss mit dem gesammelten Regenwasser ausgewaschen werden.
Am Rande der Lesung wartet die Überflutung, deutet auf anderen Ideenwahn. Rasant bewegt sich der Artistenkörper faszinierend durch die Luft, auf dem Boden der Tatsachen unbeschadet landet er. Schäden am Dach, wenn die Wasserrinne keinen Fluss findet.
Das Wort klebt gebannt an der Lippe des Vorlesers, bevor es sein Ziel berühren kann. Löst sich, trifft dann - hart. Unsichtbare Hände klatschen, betäubende Ovationen brechen die Ruhe.
In dem lyrischen Raum geht der Betrieb weiter, vergessene Worte üben noch an ihrer Elastizität und Wirksamkeit. In seinem Fremdsein findet den Lyriker den Ausgang, rettet sich von den Gefangen-Sein in den Lexiken, entflieht rechtzeitig den Puristen Zorn. Lenkt sich ab mir die körperliche Dynamik, ohne der Symbiose verfallen zu sein.
Das Wort lebt in der Freiheit der Kunst.


An der Zirkuskasse, verletzt, Bonitäten verteilen
D
as Kind hat sich verletzt, humpelt. Ein banaler Unfall, es ist von der Bühne gestolpert, bei der Betriebsamkeit hat man es übersehen, seine Ideale bis aus weiteres an den Rand der Bühne geschoben. In seiner Gabe, in dem Beobachtungssinn sich zu vertiefen, überrumpelt, fängt es noch mehr an, Zeiteinheiten rückwärts zu zählen, hütet mehr als sonst Nachdenklichkeit.
Kinder sind da, um Kinder sein zu dürfen, auch das Circus Kind gehört dazu. Die Zirkuskuppel reicht nicht aus, es von den Welteinflüssen zu sichern und abzuschirmen.
Zu weit weg schweifen seine Gedanken, über den Zirkus hinaus trägt der Monsun Gedankenfetzen in die oft zur Ignoranz bestimmte Welt. Ab und zu flackert Interesse. Worte fallen. Attribute lösen sich aus dem Duden, berühren leicht das Gesicht des Kindes, ohne sich zu setzen, wie ein Schneefall im Sommer, ungewöhnliches Ereignis.

Die Luft dampft, sommerlich erhitzt. Stimmen werden laut, kontrovers ist die Stimmungslage. Der Direktor beendet die Diskussion, Anweisungen werden knapp verteilt. Am Trapez muss man Klarheit haben, die lineare Bewegung perfekt ziehen können, ohne dem Hadern zu verfallen. Stürmische Zeiten.
Das Meer zieht sich aus der Überflutung zurück, lässt Gischt und Überreste am Ufer der Bedürfnisse. Tränen rollen im Gesicht, Lehm und Farbenspuren werden weggespült in der Absicht, Erleichterung zu verschaffen. Der Artist startet wieder seine kreative Produktion. Seine Bilder tragen gedanklich Farben des Amazonas in die Welt der Konsumenten.
Das Kind trägt in sich die Unschuld, bewahrt die Gutmütigkeit der Welt in seiner Seele für die Nachkommen. Die Schönheit der Gedanken, die Kunst in seiner Besonderheit der Artistik, muss weiter generiert werden, ausgelebt, weitergereicht, verfeinert. Jemand muss das bauen, das schöne Gerüst, an dem die mentale Verstrickung in der Frage nach dem Sinn des Lebens nach oben klettern kann, um weiter beobachten zu können, zu hinterfragen, zu kreieren.
Das Kind bekommt eine Aufgabe des Tages, will sich immer nützlich machen. Sein Gesicht, schmerzverzerrt, trägt augenblicklich eine Spur der Unnahbarkeit, dann kehrt das Leben, das Verständnisvolle zurück. An der Zirkuskasse verteilt das Kind Bonitäten, ohne einen Hauch von negativen Gedanken zu verkaufen. Vergeben ist die Gier, die Grobheit der Masse eingedämmt. Die Welt der Circus lebt in der Symbolik der möglichen Verwandlung und Offenheit der Seelenleben. Dem Unmöglichen endlich Möglichkeiten zu geben, es aus anderer Perspektive zu betrachten, von oben, am Trapez den Boden der Tatsache klar sichten. Gedanken aus der Enge der Bedenklichkeit ohne Sperre in die für sie noch unbekannte Welt verschicken. Neue Standpunkte, Kletterausrüstung zur Verfügung zu stellen, akrobatische Hilfestellung zu leisten mit der Absicht, Ideale aus der Eingliederung in der Geschlossenheit des Annehmens frei zu machen. Zirkus ist ein Fenster zur Weltoffenheit.
Das Kind hält die Fenster offen, sonnt sich in der sommerlichen Juni-Atmung. Der Monsun hat seine Tränen getrocknet. Augenblau taucht ohne Neoprenanzug in ein Gefühl des Glücks.

 

Wasserfontänen
Es regnet seit Stunden. Auf das Zirkuszeltdach prasseln laut schwere Regentropfen, so, wie Walnüsse im Herbst die Dachschrägen hinabspringen, auf das Gehör trommeln.  In Kaskaden fließt das Wasser - mächtig! Elementare Ströme drohen mit Überflutung. Auf der sommerlichen Wiese hinterlässt der Regenguss tiefe Spuren, verwüstet den Schnitt. Lehm färbt das angesammelte Regenwasser ockerbraun, die Erde verschmilzt mit den anderen Elementen.

Die Luft ist feucht, riecht erdig und schwer. Pfützen fließen zusammen, Miniaturkanäle vernetzen sich. Das Wasser sprudelt und spielt, mit dem Versucht, sich neue Wege zu schaffen - mit geheimnisvollem Scharadegeflüster. Die Wiese wirkt wie ein verwildertes Flussbett. Der Zirkus verfällt monoton in die Strategie, Zeit zu überbrücken. Die Betriebsamkeit, wie plötzlich gelöscht, ruht verlegen. Früher verging die Zeit besinnlich für das Erwachsen werden. Heute fließt die Zeit verschwenderisch in einem vorgegebenen Gewohnheitsrhythmus ins Leere, trifft nicht den Ton jener Aussage, die früher so überzeugend war. Stumm sitzt das Kind am Eingang, der Regen peitscht sein schmales Gesicht, fast scheint es das Toben der Natur nicht wahrzunehmen. In seiner Art vertieft schweifen seine Gedanken; in Aquamarin baden seine kindlich-bescheidenen Wünsche. Die Magie der Selbstvergessenheit hat das Kind überrumpelt, es daran erinnert, seine hypnotische Fähigkeit, sich weit weg zu teleportieren, zu reaktivieren. Der Schutzmechanismus ist wieder intakt. In seinem vielschichtigen Bewusstsein entdeckt es neue Welten. Das Kind erlernt, ganz neu zu fühlen. Es kommt näher seinem Wunsch, zwischen den Zeitgrenzen, die unvermeidbare Überflutung verarbeiten zu können. Seine Kleidung, vom Regen durchnässt, klebt an seinem zarten Körper. Wieder fröstelt es; das Zittern rüttelt es wach; wach, scheint es, die Szenerie wieder wahrzunehmen - zu turbulent hat der Lärm sein Abgleiten beendet. Das Kind klammert sich fest an einem mächtigen Pfosten, sucht Halt an dem mit Farbe verkrusteten Holz, dessen Leben es beruhigend spürt, dessen Alter und Stabilität ihm mehr Sicherheit gibt. Kräfte bauen sich neu in ihm auf, seine Augen erhalten den Glanz der Begeisterung zurück - der fallende Stern erstrahlt neu! Das Kind läuft hinaus auf der Wiese, patscht fröhlich durch alle Pfützen - es lacht dabei laut. Um das jauchzende Kind herum spritzen die Wasserfontänen. Plötzlich hört der Regen auf. Die Sonne durchbricht die Wolken, überwindet die Barriere der starren Weltanschauungen.

 

Luftballons und Stelzen  
Das Zelt ist proppenvoll. Heute nehmen die Besucher den ganzen Raum ein. Alle Plätze sind besetzt, manche der Gäste müssen stehen.  Viele wippen mit den Beinen, oder hopsen, gepackt von der Aufregung. Die Schleuderbrett-Akrobaten aus Rumänien lösten schon Hysterie aus, sie sollen die Besten sein, die kurzfristig zu haben waren. Die Nummer mit den Lamas fällt heute aus. Ein Tier wurde krank, weil der Dompteur auf Raubtiere spezialisiert ist und das sanfte Tier überforderte. Als Gast-Nummer schafften die Rumänen es unerwartet doch, die Besucherzahlen nach oben zu treiben.
„Die haben sie billig bekommen.“, spottet jemand im Hintergrund, wie im Selbstgespräch, „Die machen doch alles für mickriges Geld.“ „Europa hält doch zusammen!“, spricht leise ein gutmütiger Mensch und drückt sein Kind zur Sicherheit an sich. „Die Briten sind doch schon raus!", grollt jemand von der hinteren Bank.

 "Die mit ihren feinen Manieren und ihrer winkenden Königin sollen mir gestohlen bleiben. Jetzt müssen nur noch die Araber verschwinden, und wir haben kein Problem mehr.“ „Der Boateng soll nur in Frankreich bleiben!“, tobt jemand ganz vorn und lacht grotesk. Die Reihen rumoren - Kopfschütteln, Entsetzen, Gegenwind. Die Stimmung erhitzt sich, unruhig bewegt sich das zu eng sitzende Volk. Menschen ziehen die Köpfe ein, schieben die Schultern hoch. Sie wollen mit Politik, mit dem hetzen und der Aggression, nichts zu tun haben, wollen verdrängen, sich entspannen, lachen. Sie wollen nur vergessen - den ganzen Wirbel der Welt. Auf der Bühne drehen die Artisten mit enormer Sprungkraft ihre Luft-Pirouetten - gutes Timing braucht diese anspruchsvolle Nummer. Das Publikum - erregt! Risiko fasziniert immer Menschen, die selbst kaum einen Schritt zu tun wagen. Sie haben Angst, es könnte etwas Schlimmes geschehen. Wenn nichts passiert, sterben sie trotzdem sieben Tode vor Angst. Mut keimt nicht in einem Sicherheitsgürtel von Tatenlosigkeit.

Tempo, Trickreichtum und gewagte Sprünge sind für die Gasttruppe charakteristisch, sich durch die Luft zu katapultieren ist ihre Spezialität. Viele Meter hoch in den Luftraum wirbeln die Sprünge, technisch perfekt, wie gezirkelt fallen die Bewegungen aus.  Scheinbar spontan und schwerelos leben die Akrobaten in der freien Luft ihre Tollheiten aus, leben die Freiheit dem Publikum vor. Betörender Applaus lässt das Zirkuszelt beben, Stelzen fallen auf die Bühne mit großem Radau.

Im Getöse verliert das Kind fast sein Gehör. Die brüllenden Stimmen, das Klatschen und Toben wirken elektrisierend. Die Artisten vertrauen auf ihren überragenden Erfolg, präsentieren stolz ihre athletischen Körper, werfen sich nochmal stark in die Brust. In ihrer Selbstsicherheit ist kein Zögern zu spüren, zugelassen wird keine Unsicherheit. Eine der Stelzen trifft das Kind am Kopf, zu nah war es dem Geschehen, niemand achtete darauf, dass es den nötigen Abstand bewahrt. Zu laut, zu viel… es weint, setzt sich benommen in eine Ecke. Eine Mutter rennt zu ihm, streichelt sanft seinen Kopf und trocknet die Tränen.

An die Arme des Kindes knotet sie mit leichten Fäden Luftballons, nimmt alle, die sie auftreiben kann. Das Kind soll fliegen, weit weg in die Welt hinaustreiben. Dorthin, wo die Menschen es wirklich willkommen heißen, in New York, Paris... Alle würden das Kind lieben ….

 

Im Wiener Stadtpark
Heute erweitert die Circus-Direktion ihr ambitioniertes Programm, präsentiert Handstand-Äquilibristik. Auf dem Welt-Niveau wirbeln die Artisten das veraltete Zirkuskonzept neu. Getragen von neuen Impulsen, befreien die Dompteure die Tiere aus ihren Käfigen, Menschen aus ihrem engen Denken Freigang bekommen, zusätzlich eine Zirkuskarte per Post gesendet. Kostenlos.
In Wien laufen Tiere auf der Straße einher, Lamas legen den Verkehr lahm. Der Stadtpark wirkt ganz belebt. Pferde grasen, stellen sich auf raffinierte Art zur Schau. Die Parkbesucher, erstaunt über die Herkunft und Rasse der Pferde, rätseln. Kinder bleiben stehen, in der Alice-im-Wunderland-Atmosphäre springen sie Kaninchen hinterher.
Jugendliche denken, Johnny Depp ist auch in der Stadt, alles soll von der Stadtverwaltung inszeniert sein, soll wohl mehr Besucher anlocken. Oder die Amerikaner drehen wieder einen Film günstig in Europa, bevor die EU in Scherben liegt …

Jeder zückt das Handy, Fotos werden massenweise geklickt, gepostet. Die Welt weiß Bescheid, wo der Zirkus vorübergehend gastiert. Ob der Zirkus Pleite geht, die Tiere nicht mehr versorgt werden? Es soll gespendet werden, die Tiere betäubt und gefangen, dem Zoo übergeben werden? Einige zucken verständnislos mit den Schultern. PETA soll aus Protest eine Befreiungsaktion organisiert haben, um auf sich aufmerksam zu machen?

Es wird spekuliert, interpretiert, ob eine Inszenierung ist, ob jemand eine neue Arche baut, Genus Noah. Ob die Flüchtlingswelle auch die Tiere mitbrachte? Mensch und Tier geben sie sich gegenseitig Trost. In dem Schaufenster flimmern Eitelkeitsbilder, eine Diashow über einen Nationalpark in Kenia wird ankündigt. Mit Empfang, Häppchen werden auch serviert.

Mit den Händen zuerst, bevor der Kopf seine Entscheidung auch trifft, hält der Fremde seine Halbseligkeiten zusammen, von einem Ort zum anderen wandert, gibt seine einbetonierte Haltung auf, gibt seine Sehnsucht nach Ruhe auf. Hände berühren das Trapez, halten sich fest an den Gegenständen, an denen andere Hände Halt suchten, suchen nach Vertrauen.

Der Zirkusdirektor wuselt liebevoll die kurzen Haare des Kindes, dessen Augen neugierig blicken, den trügerischen Bild des Weltfriedens der Hippie-Zeit in der Frage stellt. Vor Aufregung zittern seine kleinen Hände, es sucht seinen Mentor.

Ideen federn sich in ihre elastische Entwicklung. Denken belebt, aktiviert alle Sensoren der menschlichen Empfindsamkeit. Ideen gehen nicht verloren, wenn ihre Kraft nicht auf Umwegen verpufft. Ein außergewöhnliches Balancevermögen erlaubt den Akt des Umdenkens. Man will heute polarisieren, zentral soll die Stärke im Fokus der Öffentlichkeit stehen, kein Fehler darf an der Oberfläche erscheinen. Sonst fressen die Löwen sofort die Meute, die nicht mehr Zeit hat, sich zu rechtfertigen. Eine Pressekonferenz zu geben, lieber gestern als heute. Trotzdem erscheint eine Reparatur nicht mehr möglich. Zu schnell warten die Geier, lange bevor das Insolvenzverfahren offiziell bekannt wird. Ein Zirkus ist keine Geldmaschine, sondern eine Nostalgie auf dem Weg in dem Kosmos des Geträumten.

Kinder träumen viel, in der Zukunft ihre Träume transportiert werden, die Erwachsenen haben immer weniger Zeit. Für sie ist die Zeit des Träumens verloren gegangen, in andere Richtung richtet sich der Blick mit der Verantwortung erschwert. Nur Peter Pan darf alles so lassen wie es war. Der Zirkus erlaubt, dass der Peter Pan-Kult nicht verspottet wird. Und Kinder träumen noch viel mehr.

Die Zeit dreht zu schnell am Rad des geglaubten Zeitgefühls, Uhren sind nur da, um unseren Unsicherheiten einzudämmen, sie zu begrenzen.

Im Zelt steht die Zeit still, vor dem Sprung fällt die Atmung in ein Zeitloch der verlorenen Wirklichkeiten. Hände halten noch den restlichen Wunsch, nicht loslassen zu können, vor dem Wagnis noch ein Stück trügerische Sicherheit zu ergattern. Leidenschaft und Eleganz vereinen sich mit der vollendeten Körperbeherrschung, die Hände halten unverkrampft, berühren zart die Materie, fühlen jede Regung, jede Erhebung in der Struktur des Materials.
Es gibt noch Bahntickets nach Wien, für Nachrückende und Neugierige.

 





Märchenwald

OMG, ruft Rotkäppchen.

Ich hätte lieber meine Snickers anziehen sollen.






Möwenflug
Ich sehe die Sonne am Horizont zerrinnen, die Landschaft wirkt wie schraffiert. Schattenflecken tupfen auf den blauen Himmel ein Bedenklichkeit-Spektrum, dämpfen Gedankenraserei. Die Gewitterfront von gestern hat ihre Zelte abgebaut und ist weitergezogen. Ich bin geblieben.

Meine Seele hat den Fluss der Tränen überstanden und ist jetzt frisch. Der Wasser hat die Oberfläche entstaubt, der obere Schutzschild bröckelt. Selten kommen solche Momente des Stillhaltens, die mir flüchtige Atempausen ermöglichen. Der Wunsch, Lasten wieder weiter tragen zu können, ist da.
Der Circuswagen, der Leben heißt, will gestemmt werden. Das Circuszelt ist voller Menschen. In der Luft knistern gleichzeitig Freude und Erwartung. Auf dem Trapez macht die Seele noch einen Salto.

Die Luft ist feucht, hängt wie die Fransen einer nassen Wolldecke. Ein paar Tränen rinnen auf das Gesicht eines CircusKindes. Mein Herz schlägt schneller, zuckt wie die Flügel einer verletzten Möwe.
Kein Atemzug stört die trügerische Ruhe vor dem Sprung.

Das Bewusstsein fährt hoch, erreicht maximale Konzentration.
Ich bin leise. Herbsttöne lassen mich meine Liebe zur Stille betonen, meine Melancholie vorteilhaft verpacken. Das Unausgesprochene ringt nach Luft und Freiheit. Kann jemand, der in Rhetorik verliebt ist, unfähig zur Kommunikation sein? Das Glück ist ein CircusKind. Das leise Gefühl von Nichts am Morgen hat keine Chance.
Ich balanciere auf einem dünnen Strich, der in der Sonne splittert.
Ich schließe die Augen und springe.

 

Sturm
Der Sturm tobt schon die ganze Nacht - seine Vorboten hatten ihn unüberhörbar angekündigt.
Der dunkle Nachthimmel wird gepeitscht von Salven von Böen.

Die Bäume stemmen sich dagegen - die älteren massiv, in unerbittlichem Widerstand. Die jungen Birken lassen ihre dünnen Äste zitternd flattern, behaupten in hilfloser, aber mutiger Haltung ihren Stolz, trotzen mit ihrer Elastizität.

Zeus dreht durch auf dem Olymp, grollt, spuckt Feuer. Der Horizont wird immer wieder blitzartig mit Flammen umrahmt.

Aus schweren Wolken fallen Wassermassen, auf die erhitze Erde, das Wasser strömt ununterbrochen. Sturzbäche durchfluten die kleinen Flüsse, lassen sie hoffnungslos überquellen.

 

Danach
Im Schlamm versunken sind die Wiesen, ihr Grün ist verblasst im lehmigen Braun. Frösche quaken verstört, aus ihrem Dämmerung-schlaf plötzlich geweckt.

Unter den Matsch Massen verschwinden die Gänseblümchen, abrupt wird das Gras weggerissen und weggeschwemmt. Kinderschuhe bleiben stecken.

Die Kinder geben sich die Hände, drehen sich immer schneller im Kreis herum, lachen, tauschen glückliche Blicke.

Sie drehen sich immer schneller, wie zarte Schmetterlinge ihre Armen flattern. Ihre Gedanken, Fledermäuse im Flug.

 

Im Herbst
Aus dem Kalender reißt sich erneut ein Blatt, schwebt wie ein welkes Rosenblatt in der Farbe des Herbstes, verloren. Aus der Oktober-Zeit subtrahiert sich ein neuer Tag in der Kalender-Rechnung.

Ein Impuls weniger, eine Wolke mehr am Himmel aus der Gedankentiefe hängt.

Hier und dort bleiben die Menschen für einen Moment stehen, reiben sich verwundert die Augen. Dann gehen sie ihren Weg entschieden weiter, kleben fest an ihren gewohnten Realitäten, kein Schritt aus dem Vorgeschriebenen wagen, keine Richtungswechsel, kein Nachdenken trügt die Entschlossenheit des Alltags.


WunderKind
Die Wiese rund um das Zelt ist zertrampelt. Das Gras, das davor im Wind gerichtet wogte, wirkt heute chaotisch, sein Plissee derangiert.

Man hört noch gedämpft, wie die Schritte der Besucher sich entfernen, wie die erregten Stimmen sich in ihrem eigenen Kosmos verlieren.

Der letzte Besucher ist gegangen, nicht bevor auch er seinen Applaus hinterlassen hat. Seine Begeisterung nahm er mit als Begleitung für den Heimweg.

Die letzten Akkorde sind verklungen. Ruhe legt sich über das Gelände. Die Natur atmet tief die erfrischende Abendluft ein.

Das Wunder ist weg, nur das Kind ist dageblieben. Das macht das Wunder aus.

 

Parade
Am Eingang wird eine Kinderstation errichtet, Schminke und Buntstifte lagern schon auf dem mit Farben befleckten Holztische. Getränke werden vorsorglich gekühlt, Äpfeln ruhen in geflochtenen Schalen in den schattigen Ecken des Empfangs.

Kinder laufen in Scharen hinterher, folgen der Ruf der davonziehenden Musik. Ihre Augen strahlen Begeisterung aus. Neugierig betrachten sie die Szenerie, lassen unbekümmert ihre Räder am Straßenrand stehen, legen die Schulranzen ab und folgen wie hypnotisiert spontan der ungewöhnlichen Parade.

Die Fantasie treibt aber ihre Bahnen weiter, fliegende Teppiche rollt sie vor dem Eingang der verlassenen Hallen in dem stillgelegten Industriegebiet.

Kinderstimmen werden deutlicher, manche sind noch verträumt, fast abwesend, andere dagegen lebhaft, fast schrill in ihrer hohen Tonlage.

 

Wieder Herbst
Wie ein Schleier liegt der Nebel über den nah gelegenen Bergen, sonst flacht die Landschaft trübselig hin.

Am Ende der Krawatten-artigen Straße dampft ein Hydrant, spuckt immer wieder Nässe in die schon so triftige Luft. Sonst ist die Straße menschenleer, trotzdem nicht seelenlos.

Im herbstlichen Licht, erscheint sie wie unwirklich, in ihrer Weite verloren. Nur die Gedanken sind zu spüren, haltlos an dem nicht mehr funktionierenden Ampel vorbeiziehen.

Unter den rostigen Laubschichten verstecken sich die letzten Sommerspuren und warten geduldig.
Die Ruhe ist tief, nur die Natur atmet unter ihrem Blätterkleid sichtbar.

 

Farbenkraft
Die Farbe ist für mich, wie ein guter Freund, der immer da ist, wenn ich jemanden brauche.

Sie schaut nicht tatenlos zu, sondern arbeitet mit, ohne Gegenleistung zu verlangen. Sie findet leicht Zugang zu meinem Unterbewusstsein, ohne mich nur hauch weise zu brüskieren oder durch die zu hohe Erwartungshaltung zu blockieren. Sie geht meinem Weg mit und zieht sich zurück, wenn sie spürt, dass ich Ruhe brauche.

Die Farbe unterstützt meinen Gedankengang ohne sich in die Frage des Geschmacks zu verstricken.

Sie streichelt mein Rechtsfertigungsdrang einfach weg und führt mich immer wieder zu mir selber zurück um mir meine Stärke wiederholt zu zeigen sodass ich ihr wieder bewusst werde. Sie betont meine Fähigkeiten ohne sich selbst zum Ultimo zu statuieren, sondern nur mir zu Liebe und mit mir in Einklang ihre Zurückhaltung lebt.

Dazu ist die Farbe für jeden zugänglich, sie schafft Charakteristiken ohne jegliche Abhängigkeiten.

Sie ist Grund und Mittel und um zu leben braucht sie einen Wirt, einen  Kunst-Geist der sie modelliert und lebendig macht.

 

Gewitter im Sommer
Der Himmel entlädt sich unerwartet mit tobendem Gewitter und lässt die Wassermassen aus seinen Reserven frei.

Der Sommer widersetzt sich nicht. Demütig verbeugt er sich vor der Erkenntnis nicht immer Macht über die Wetterkapriolen haben zu können.

Wilde Rosenbüsche werden übergossen, in Staccato Tönen überwindet das Wasser jede mögliche Barriere.
Die Erde wirkt fast überfordert in ihren Versuch das flüssige Element aufzunehmen.

Die Luft ist frisch. Der Staub der da gewesenen Hitze ist längst weggespült.

Zarte pastellfarbene Rosenblätter fangen die großen Wasserperlen auf und sammeln sie in ihrer feinen Wölbung an. 

Die prasselnden Geräusche des Regens hören plötzlich auf, wie durch magische Hände ausgeschaltet verschwinden sie im Nichts.


Artist
Zu schnell, kaum mit den Wimpern geschlagen und alles wird in der Welt sichtbar hell.

Die neuen, hellblauen Töne des Himmels tragen altrosa Spuren der geheimnisvollen Nacht.

Auf der Kante des Mondes hängen noch die verbleibenden Impulse, die der Traum hinterlassen hat.

Träume springen aus der Wirklichkeit  der Dinge heraus und entdecken sich selbst und das Leben immer neu.

Vor dem Haus in der Ecke packen die Artisten ihre Sachen zusammen, das Theater bleibt heute geschlossen.

Erst am Abend fällt wieder den Vorhang.

 

Zeit des Aufwachens
Die Uhr am Turm tickt monoton. Die Sekunden fallen klanglos auf den gepflasterten Weg der die Wärme des vergangenen Tags noch gespeichert hat.

Die Zeit des Aufwachens schleicht sich in der Dunkelheit gehüllt durch die leicht vom Schlaf betäubten Straßen der kleinen Stadt.

Das zarte Licht überwindet in einem fliesenden marineblauen Übergang nüchtern die tief hängende Dunkelheit. Leicht bewegliche Schatten reiben sich an den Hausfassaden ab.

Von der Politur des Mondes liegt auf der Straße noch feiner Mondstaub und der lässt die Träume neu glänzen.

Bald wird das helle Licht die noch unbewegliche Welt überfluten, jetzt aber lebt der anhaltende Traum nach seine wunderbare Heilungskraft und seine raffinierte Fantasie aus und dadurch wird der Zugang zu anderen Welten möglich.

 

Klanggemälde
Die Kreativität scheint hinter der Bühne zu überschäumen.

Die leisen Musiktöne, in den Vordergrund gerutscht, streben ihre Volumen zu verdoppeln und die akustischen Verhältnisse des Raums zu intensivieren.

Der Drang mehr existenziell inhaltliche Texte in der Musik einzusetzen wächst ungestüm und das bei ungünstigen Bedingungen, weil die nötige Zeit die Texte reifen zu lassen an die Bonitäten gebunden ist.

Die Song-Lyrik profitiert nur von der eigenen Identität der Komponisten so das die Klanggemälde auf der Präsentation Bühne nicht zum Reproduzieren geeignet ist.

Heute klingt das Lied mehr wie ein Monolog als ein Dialog mit den Zuhörern. So verliert das Publikum an Bedeutung, nur die Musik umschmeichelt die Notenleiter und eine Fantasie-Skulptur aus Tönen im Gehör erschaffen lässt.

 

Graffiti
Das rostige Tor der alten Garage trotzt wie eine Barriere voller Graffiti die vor allem mehr dekorativ wirken als eine Botschaft zu übertragen.

Ich mache mir keine Illusionen, die Kunst als Protest beeindruckt die Menschen nicht mehr. Trotzdem entscheide ich mich weiterhin zu gestalten und das mehr um meinetwillen und außerhalb der Vermarktungsstrategie. Ich wünsche mir ein leises Nachdenken zu erzeugen.

Die Vorstellung, dass etwas nicht zu bewegen ist, kommt mir absurd vor, weil sich doch alles in der Bewegung befindet.

Auch das alte Tor rostet nicht ganz in ihrer Verankerung und lässt sich knirschend öffnen. Dadurch bewegt sich auch der abblätternden Graffiti und erzählt außerhalb seiner ästhetischen Grenzen  ihre eigene bewegliche Geschichte.

 

Die Freiheit der Steppe
Im Warteraum des Bahnhofs herrscht Stille. Er war da. Tief in seine Gedanken versunken schien es so, als ob er abseits vom Zeit und Raum lebte.

Sein Herz schlug laut, wie ein Vogel der mit seinen Flügen an seiner Brust flattert und den Ausgang sucht. Aus der Brust eines Elefanten will er fliehen, ein Metapher-beladener Elefant, der irrtümlich denkt, dass sein Platz im Porzellanladen zugeteilt ist. Porzellan ist aber obsolet und die Freiheit der Steppe ist für einen beweglichen Geist mit nichts zu ersetzen.

Ich klopfte ihm leicht auf die Schulter, denn sonst hätte
er seinen Zug verpasst.

Mit Getöse entfernt sich der letzte Zug wie einen Eisenvogel in Richtung der Steppe und er wird vom Horizont verschluckt.

 

Frühlingsduft
Die Büsche aus weißem Flieder trennen die weitläufigen Grünflächen in verschiedene Sektionen, dadurch entstehen schattierte Flächen zum sich zurückziehen und zum Träumen.

Der Frühling scheint zu wissen, dass Fröhlichkeit leicht zu erreichen ist, wenn das Herz bereit ist sich zu öffnen und die Augen der Farbblindheit nicht verfallen.

Düfte bahnen sich in der Luft an, fast berauschend wirken die Duftstoffe und verändern die visuelle Wahrnehmung. Die Realität scheint aus ihrer Begrenzung fliehen zu wollen.

Gleichzeitig verliert das Licht seinen Nachmittagsglanz und ergibt sich in einer milde abendlichen Mattigkeit, die immer wieder von sonnigen Streifen, die die Wolken spalten, belebt wird.

 

Konfetti-Stück
Die Ruhe ist so tief, dass die Welt fast in einer universellen Bewegungslosigkeit verschwindet.

Die Temperaturgrade wagen sich nicht große Sprünge zu machen, obwohl die Blüte in ihrer Sehnsucht nach mehr Wärme betörend schön und zart wirkt.

Ab und zu fällt ein weißes Blatt, wie ein verlorenes Konfetti-Stück langsam im tiefen Fall durch die Luft, es schaukelt bis es die Erde sanft berührt.

In einer ätherischen Schönheit erscheinen die Bäume in ihren Frühlingskleidern. Ab und zu wackelt ein dünner, geschmückter Ast beim Hinsetzen eines Vogels und verteilt einen zarten Blütenduft in der Luft. Mein Blick bleibt wie verzaubert an dem Blau des Himmels hängen.

 

Spirit
Der Frühling bringt so viel Lebensfreude mit sich und sie umarmt einen so innig und lange, dass der Hals schief wird.

Die Blumen leuchten so intensiv von innen heraus, sobald die Sonne lächelt. Dieses Leuchten, das Licht, dass so überzeugt, kennen wir. Sie spiegeln den Enthusiasmus des Entdeckers wider und vibriert wie eine musikalische Hommage an die Besonderheit der einzelnen Lebensexistenz und dass bevor sie einfach mal wieder in der Normalität verschwindet und unsichtbar zu werden erscheint.

Die Wahrnehmung gegenüber denen, die nicht reden können und doch alles sagen verdient Aufmerksamkeit und nicht nur das marginale Augenmerk. Eine Aussprache ist besonders, wenn sie in der Metaphorik ihre Form und Haltung entfesselt auslebt.
Die Blumen, die der Spirit des Frühlings verkörpern, leben uns das vorbildlich vor.

 

Nuancen
Der Himmel zeigt sich heute grau, wie in Granit gemeißelt. Die schweren Wassermassen halten sich vor ihrer Entladung zurück, so als, ob der Frühling den Anbruch des Regens ausdrücklich verboten hat. Alle Grün-Nuancen sind auf der natürlichen Kulisse vertreten.

Die Kirschenbäume platzen vor Vitalität und tragen mit Eleganz sowohl die Schwere der Blüte sowie die Leichtigkeit des Pastellfarbenen Saumes.

An den Rand gedrängt reihen sich die Tannengewächse in dunkelgrünen Schatten, als Requisit für die kommenden Winter gelagert.

Die jungen Ahornbäume, die dürr und anmutig ihre jungen Äste in helles, zartes Grün pinseln, bilden eine überwindbare Abgrenzung. Ihre Kronen sind noch durchsichtig, sie wirken verletzlich und sind für das Licht gut passierbar. Trotzig stellen sie sich mit einer anmutigen Haltung gegen die tief gekühlten Temperaturen.

Der Frühling schaut hindurch, von seinem Kommen überzeugt und mit großen Schritten den grauen Vorhang am Himmel öffnend und folglich die Helligkeit aus der Winterherrschaft befreit.

 

 

Flüchtig
Das Licht fällt mild, streichelt der verlassene Raum. In den Köpfen der Menschen hallt noch der übertriebene Applaus. Die Eindrücke überwältigen die Müdigkeit des Tages. Hier und dort flackern noch vergessene Impulse. Gedanken haften zäh auf den leeren Sitzplätzen. Die Wärme, die hinterlassen wurde, hat sich unbemerkt davon geschlichen.

Die offenen Türen wirken verlassen. Wie stehen geblieben, nimmt sich die Zeit ihren Tribut. Verklemmt sind die Weitsicht Fenster zur Welt. Was geschehen ist, soll ruhen, sich ausdehnen in die Zukunft, reifen.

Die Nomaden der Lüfte paddeln weiter mit ihren Flügeln und erobern erneut ihre Souveränität.

 

 

Sicht
Als ich losging, spürte ich ein angenehmes Gefühl –das vom Kontakt mit Flanell-wärmte. Die endlos kreisenden Gedanken wurden immer langsamer. Links und Rechts sah ich nichts, als wäre dort nur ein Vakuum durch den Nebel der Gedanken verschleiert.

Der Raum, in dem ich mich bewegte bekam dadurch eine neue Souveränität verliehen, dadurch öffnete er mehr Korridore zum Durchgehen, ohne zum Labyrinth zu werden.

Der Weg verlief immer geradeaus, es wurde keine Rückkehr in Betracht bezogen. Es wäre fatal gewesen nicht aus den Fehlern zu lernen. Das Leben lernt mich, mich weiterzuentwickeln, es zwingt mich fast  dazu Grenzen zu erkennen, das Wichtigste trotzdem bleibt, die Entscheidung bei mir.


Wunschdenken
Noch immer gefangen irrt jeder Mensch auf seinem eigenen Planeten herum, kämpft mit den Universen der Anderen. Die eigenen Wünsche seiner Gedankenwelt spinnt er zusammen mit den Wünschen der Anderen, in dem Bewusstsein, dass das entstandene Netz nicht zu betreten sein wird, weil es zu fragil in seiner Ungreifbarkeit ist, zu wenig mit den Realitäten verknüpft.

Träume halten uns wach, lassen uns in unserem Wunschdenken blühen.

 

Die Show
Die Stimme des Ansagers klingt wie eine Glocke, ein kristallklarer Ton. Mit sorgfältig gewählter Wortwahl, um den Ansprüchen der Unterhaltungswelt zu genügen.

Durch die Zuschauerreihen ziehen Bewegungen im Takt weite Bahnen, eine La-Ola -Welle bewegt die Gemüter. Wie ein Akkordeon bewegen sich die eng-beieinander sitzenden Menschen, ihre Aufregung ist deutlich spürbar.

In ihrer intuitiven Bewegung  verlieren ihre Körper die Zurückhaltung, die Stimmung entspannt sich. Zufällige Berührungen werden kaum noch wahrgenommen. Es geht um die Show, um das Betreten der Bühne und nicht darum, Gedanken nachgehen.

 

 

Präsenz
Die Kunst gleicht einem Manifest, das gelesen werden soll, weil wenn sie stark in der Form und Inhalt ist, in der lebendige Mitte nicht übersehen wird.

Die Rahmen hängen schief, das Chaos bekämpft den Ordnungssinn.

Die Künstler übernachten im Hostel, weil sie zu viel Geld für die Show ausgegeben müssten, Präsenz hat ein hoher Preis.

Menschen betrachten Skulpturen die zum Himmel schauen.
Kunst wird in der Show integriert bis zu dem Moment wann sie rebelliert und die Show nicht beseitigt aber seine Mixtur verändert.


„Jetzt“ und „Hier“
Ich möchte nicht, dass die Worte unnötig sich verschleißen. Schöne Worte gelten noch immer als Austausch-Devise, es ist akzeptabel, wenn sie ehrlich sind und nicht als Mittel zum Zweck ausgenützt werden.

Lieber werde ich die Ärmel hoch krempeln und nach neuen Perspektiven suchen, nach klare, überzeugende Gründe das Leben mehr instinktiv zu lieben als sie zu geben bereit ist. In meiner Gedankenwelt reifen die Ideen, gehen der Entwicklungsweg beginnend mit ihrem intuitiven Ursprung eines Blitzmoments bis zu den möglicherweise gut realisierte Ausstellungen und Projekte.

Die künstlerische Arbeit hat kein Anspruch auf gesetzlichen Urlaub.

Kunst entsteht, wenn man auch mit geschlossenen Augen sieht was nicht zu übersehen gilt, was dazu führt, dass die eigene Wahrnehmung so aktiviert, dass sie ihre Sichtweise weiter vermitteln kann. Mutige Farben mit ihrer gedanklichen Prägung rufen nach mehr Leuchtkraft, neue, spannende Themen warten auf ihren Arbeitsvorgang. Schließlich gelten nur wahrnehmbarere Begriffe wie „Jetzt“ und „Hier“ weil was anderes nicht Realitätsbezogen wäre.

 

Die Stimme
In den großen Hallen breitet sich die Kunst wie eine verwöhnte
Diva aus, die ihre fotografische Momente genießt.

Die Blicke der Besucher erhaschen alles was sie geboten bekommen, sowohl das Visuelle wie auch das Gemisch aus Begrüßungsstimme, belebten Gesprächen und sinnlichen Staunen.

Die Kunst selbst hat eine Stimme für sich gefunden,
die durch jeden Künstler andere Nuancen, anderes Temperament, andere Absichten verkörpert.

Der Künstler wird zum Botschafter ernannt, muss alles, auch das was Abseits von seinem Können liegt, ausüben. Werbeträger, Pressesprecher und nicht zuletzt, Arbeiter und Botschafter, Angestellter in Dienste der Kultur.

 

Tempo
Himmelstreifen berühren den metallischen Rahmen am Fenster des Abteils. Der Zug schiebt sich voran, spaltet mit höherer Geschwindigkeit die vor ihm liegender Strecke.

Immer wieder wechselt sich das Licht des Tages mit der künstlichen Tunnelbeleuchtung, so als jemand mit dem Schalter spielen würde.

Auf der lateralen Ebene wechselt die Aussicht im Sekundentempo. Der Blick klammert sich nur an den feinen Detailunterschied, der Rest bleibt oft gleich.

Die Bäume wiederholen sich, ihre Silhouetten kommen mir wie auf einer Filmrolle gespult vor.

Das Sonnenlicht überfordert fast die Aufnahmefähigkeit des Reisenden, es erscheint,  wie in die Länge gezogenen Neonröhren Lichts das flattert bis die Dunkelheit des Tunnels überrascht.

Wieder im Licht wirkt die Umgebung wie befreit.

 

 

Schnee war gestern
Kolonien aus Bäumen und Gebüschen zeigen sich erneut in verwaschenem Grün, reihen sich neben die Strecke geordnet und melancholisch ein.
In die Monotonie eingehüllt kehrt die Ruhe auf ihren Platz zurück.
Das Gemüt flattert nicht mehr, sondern traut sich zunehmend kleine Häppchen Genuss zu probieren.

Langsam kommt das Ziel näher und obwohl es noch nicht angekündigt wird seine Annäherung stark wahrnehmbar.
Die Aussicht weitet sich aus, man blickt nur auf die Obstplantagen
die in der Landschaft sich verträumt ausweiten.

Noch im Winter schwebt hier der Duft der zukünftigen Blüte und belebt die karge Umgebung. Schnee war gestern.



Message muss es sein
Ohne auf Kino spezialisiert zu sein, filmen die Künstler ihre alltäglichen Eindrücke nach dem Motto, „Message muss es sein“ und präsentieren sie in einer Reihe aus surrealen Ausstellungen wo sie Kunst und Musik in den gleichen Räumen vorführen. Wie Reisen die man nicht nur sieht, sondern auch erlebt.

Facetten der Kunst, die man kaum kennt, Klangpoesie begegnet den musikalischen Ton und das wird kostenlos angeboten. Theater gespielt, parodiert, experimentiert, alles von einer Kunstmaschinerie produziert, magisch verpackt und verteilt in einer Atmosphäre ähnlich einer Bücherei die nonstop offen hat.

Kultur muss durchgeblättert, um gefasst zu werden.
Die Nähe zur Straße bittet ein zusätzliches Angebot an Geräuschen und Rhythmen.

Kunst wächst und entzieht sich aus jeglichen Bewertungsversuchen. Cool bleiben ist alles.

Für alle, die suchen wird die Kunst irgendwann greifbar, wenn sie lange genug danach suchen.

 

Ufo-Siedlung
Das Wohngebiet versteckt sich hinter den Schutzmauern des Waldes. Zwei unbekannte Architekten haben es entworfen und erstellt, in die Natur integriert.

Strategisch, so wie in Troja, in ihrer Schutzhaltung die Topografie benutzt und nicht die digitale Positionierung bei den Google Maps.

Fast monoton pfeifen die vorbei fahrenden Züge bevor sie die Örtlichkeit betreten dürfen. In dem Bahnhof wird alternativ ein Richtungswechsel angeboten.

Am Abend kehrt aber die Ruhe zurück, was überfordernd war, ist schon längst mithilfe des Schienenverkehrs weiter geleitet. Schleierhaft kommt die Dämmerung gleichzeitig mit dem Verschwinden der Betriebsamkeit. 

Die Sonne wirkt wie ausgelöscht, hinter den Hügeln fast augenblicklich seine Helligkeit verflossen. Wie auf einem großen Spielbrett, in ihrer seltsamen Ordnungswidrigkeit verfangen, bitten die großen Steine unerwartete, seltsame Schattenspiele. Die Steine behalten ihre Temperatur bei, schützen sich vor der Erosion.         

Ein einzigartiger Ort, fast wie eine Ufo-Siedlung die in der Dämmerung ungewollt landet.

Die Abend-Lichter gehen nach und nach an, Lichterketten beleuchten den Weg nach Hause. Obwohl so weit die Augen reichen, sind keine Raumschiffe am Himmel zu sehen.

 

 

Diashow 
Zwischen den Birkenbäumen klammert sich noch die abklingende Helligkeit des Tages, die sich mit dem Kommen des Abends abgefunden hat. Wie feine Gebilde streben die jungen Äste nach mehr Höhe.

Jemand muss den Sprung wagen, dabei die Grenze weit nach oben zu verschieben, um noch mehr Einsatz zu fördern, mehr Kampfgeist.

In der Geschwindigkeit des Zuges kommen einem die Birken wie Mammutbäume vor, das bewegliche Panorama wirkt als schnell wandelndes Werk einer Diashow.

Die Wahrnehmung sortiert die voll tapezierte Eindruckskulisse, die Alltagsmobilität wird dadurch vereinfacht. Die Macht wird aus der Kraft geschöpft und in seiner Inszenierung verfolgt er ein Stück seiner Glaubwürdigkeit.

Das Visuelle zerspringt die Gedankensperre und lässt ein Stück mehr Inspiration zu.

Die Mauern, die von innen gebaut wurden, dienen nicht mehr der Architektur, sondern schaffen neue Räumlichkeiten für die nicht in ihrem wahren Ausmaß ausgelebte Kreativität.

 

Vernissage 
Anfangs streichelte das Licht sanft die weitläufigen Räume.
Raum für Raum tastet es sich voran und durch seine immer mutiger gewordenen Schritte entfaltet sich seine Helligkeit. Seine Vorgehensweise wird mit mehr entflammter Opulenz belohnt, mit seiner Durchflutung den kommenden Abend feierlich begrüßt.      Entlang der Straße schleicht sich die Dunkelheit, ohne Absicht, aber durch Kontraste lässt die Helligkeit die inneren Räume verstärkt erscheinen.

Die Kunst diktiert heute, darf begrüßen und vielleicht mehr als das, bei der Präsentation wirkt sie kraftvoller als bei der Entstehung. Sie sucht den Weg in dem öffentlichen Raum, dem Durchsetzen oder Scheitern sich freiwillig stellt.

Ich bin still, meine Aufmerksamkeit fährt aber hoch, sie beginnt wie eine multifunktionalle Maschine detailliert aufzunehmen. Ich lasse alle an mir vorbeiziehen, rette mich instinktiv von dem neugierigen Publikumsstrom. Die Leute, die mit großen Schritten mich und sich selbst überholen sind auf der Suche nach mehr Kultur, mehr Ereignissen, mehr Tempo in dem Großstadt-Alltag.

Mein Beobachtungssinn verschlingt die Eindrücke des Abends ungeduldig.
Ich fühle mich wie eine tiefe Schlucht, die süchtig ist nach Impulsen, wie nach mehr geistigem Nachschub.

 

Matrosenkind 
Durch die offenen Fenster lasse ich die Frische der kommenden Nacht herein und die Kälte des Winters ignoriere. Fasziniert betrachte ich die ausgestellte Arbeit. Ihr Weg in der Seele überkreuzt den optischen Weg, die Augen sind weit geöffnet und staunen. Der allgemeine Wunsch nach der Begrifflichkeit nimmt immer mehr skurrile Züge an. Die Luft knistert erwartungsvoll.

Die Neugier des Publikums erregt spürbar die Stimmung, der Eintritt des Unerwarteten wird gehandelt und desto mehr herbei erwünscht.
Ich, das Matrosenkind, übermütig, darf nicht desto trotz der künstlerischen Arbeit berühre, obwohl nicht ich, sondern die Kunst mich berührt. Nach eigenem Gefühl entscheide und bewerte ich, wie stark der Eindruck seiner Aussage auf mich wirkt. Aus einem Impuls heraus, fasse ich die Objekte an, die grobe Arbeit verletzt mich an den Händen.

Neugierig stecke ich meine Finger in die abstrakt wirkende Kreation, ihre Rotation wird dadurch nicht beeinträchtigt, der Mechanismus funktioniert weiter, mobil perpetuiert. Die Monotonie der Wiederholung fasziniert mich mehr und mehr, fast penetrant hält sich mich in ihrer Absicht fest, um sich zu beweisen.

Der Traum von Pollock
Die Musik, die Stimmen dringen gedämpft zu mir durch. Wie aus einer anderen Realität strömen die ersten Reaktionen.

Die zurückgehaltenen Gespräche wirken plötzlich wie entladen. Die Wortwahl scheint wie aus den Konventionen befreit, trotzdem dominieren die Adjektive, aber von ihrem zwanghaften Dilemma befreit.

Offene Räume kommen mir unendlich lang vor, in ihrer langgezogenen Dimension.  Meine eigenen Entfaltungsmöglichkeiten zeigen sich und entwerfen mit mir neue mutige Pläne. Die weiße Farbe der Wände betont die Einfachheit und katapultiert die Kunst im Vordergrund.     

Ich träume wieder den Traum von Pollock und entdecke in meiner Fantasie unter den Schichten aus Weiß grelle Farben. Betäubt von der Farbkraft  zerreiße ich die Aussage, dass die Kunst künstlich und abseits von Leben ist.

Kunst ist das Leben, schmucklos soll es sein aber gleichzeitig offen und sinnlich, auch schmerzhaft, tief und kraftvoll.

 

Klänge des Zufalls 
Die wiederkehrenden Muster spielen mir ihre hypnotische Wirkung vor. Ich wehre mich, will meine Klarheit aufbewahren und  suche nach den graphischen Aspekten, nach der Linearität wo ich mich an in meiner gewohnten Haltung klammern kann.

Verstärkt spüre ich die Faser des Materials, wo die Struktur und der Duktus die Individualität diktieren.

In der Arbeit erzeugt das Material verschiedene Klänge. Der Soldat aus Oz wurde zerlegt und neu komponiert, jede Arbeit klingt anders und ist doch in der kreativen Bahn integriert.

Leise schließe ich die Tür hinter mir, die Klänge haften noch an mir und folgen mir und das, obwohl die Kunst weiter zur Übernachtung in der Galerie bleibt.

Ich bleibe lange wach, blättere weiter in dem Kunstkatalog, süchtig nach mehr optischen Kriterien, sodass mir die Erinnerung des Tages lange bleibt.

Die menschlichen Begegnungen reihen sich zu der Kunst des Zufalls.

 

Aufbruch des Frühlings 
Das abendliche Licht deckt die leicht-trübe winterliche Atmosphäre sanft ab. Die Minusgrade wälzen sich noch mal, springen auf der verbliebenen Schnee-Insel hin und her.

Das Grün der Wiese blinzelt mutig in seinem Versuch zu mehr territorialem Anspruch. Die Sonne hat sich in der Mittagszeit genüsslich an dem Schnee wild geknabbert. Feucht und schwer wirkt die Erde im Frieden eingebettet. Der Kampf mit dem Frost liegt schon ein paar Tage zurück. Noch nicht sichtbar, aber präsent pocht der Frühling schon ungeduldig auf sein Nachfolge-Recht.

Unbewegt reihen sich die Bäume am Straßenrand in einer asymmetrischen Haltung an und lehren uns die auf der Strecke verlorene Geduld.

In leicht sichtbaren Schwaden pumpt die Natur Sauerstoff aus ihrer grünen Lunge, der brachiale Einbruch des Winters scheint fast überwunden zu sein. Menschen kommen sich näher, suchen nach mehr Wärme und Zusammenhalt. Der Aufbruch des Frühlings soll gemeinsam gefeiert werden. Den Winter will man auch gebührend verabschieden, wie einem Helden der seine Niederlage annimmt, ohne zu personifizieren.
Dinge entwickeln sich einfach.

 

Wieder das Leben 
Es gibt genug, was existiert, ohne einen überzeugenden Grund zu haben. Darum entsteht auch die Gefahr, dass sich jemand die Krone des erfüllten Lebens aufsetzt, ohne die Weite und die Tiefen des Lebens ausgetestet zu haben, ihre Grenzen und die Überwindung- Möglichkeiten zu erfassen.

Es gibt viele Wracks, die sich auf dem Meeresboden  aufgesetzt haben, wie rastlose Liebe, die an den Widrigkeiten stolpert und in der Tiefe sich verhängt.

Niemand hat es in der Hand den Zufall der Begegnung zu beeinflussen und ihn zum Objekt der Manipulation zu machen.

Die Fügung ist gleich Glück und Fragilität in einem vereint und nichts hat mehr einen Grund als die Liebe selbst, die im Zentrum ihrer Symmetrie die Existenz des Menschen überprüft und die obsessive, selbstbezogenen Aspekte aussortiert.

Langsam werden die Schatten länger, die Wege mehr und mehr beschritten, trotzdem trägt die Liebe zum Leben ihrem Schrammen stoisch.


Über die Kunst
Immer wieder überspringen die Linien ihr in den Weg gestellten Grenzen, teilen das Räumliche in dimensional kleine, kastenartige Formen auf, suchen nach mehr Sinn und Ordnung im vorgegebenen System, zur Ehre des graphischen Könnens sich opfernd.               

Ist nicht das Chaos ein potenzieller Nährboden für die Kreativität, für die Entfaltung und Befreiung des Geistes aus der Umklammerung der immer wieder kehrenden Denkschemata?

Es geht darum, Sinn zu stiften und das, egal in welchen Genres, die das Chaos des Lebens in Ordnung umwandeln. Details müssen entdeckt und verknüpft, Gedanken analysiert und sinnvoll umgesetzt werden.

Debattieren ist erlaubt, ohne die Argumente zu bekämpfen. 

Kunst ist ein Schrei, der immer nach etwas ruft, das enträtselt werden muss.


Akustikwelle
Bei dem letzten Konzert wurde klar, die Lieder, die gespielt sind, sowohl ihre eigene wie auch die Reife des Publikums brauchen - sonst läuft der Applaus ins Leere und der Nachhall wirkt abgehackt. 

Das Publikum taucht gemeinsam ab in eine Welt der Tiefe, wie Arbeiter unter Wasser, die kaum etwas sehen können, aber äußerst aufmerksam sind.

Halbblind in der Tonalität fliehen sie, ohne filtern zu können, wie die Akustik sich auswirkt, ob sie der letzte Hinweis der Tontechniker verfolgt.

Zum Schluss entfesseln sich die letzten Akkorde die Zurückhaltung des Publikums in einem Ausbruch aus tobendem Applaus, der lange nach dem Ende noch ertönt.

Ein Echo, das über der hügeligen Landschaft wie eine akustische Welle rollt.


Refrain des Lebens
Glänzend hält sich der Schnee auf die Hausdächern fest, verleiht der winterlichen Atmosphäre einen Hauch von Feierlichkeit. Zögern flattern die Vögel in dem sonnigen Licht und vertreiben dabei die Ruhe.
Die Höhe ist keine Gefahr, sondern eine Plattform zum Beobachten, eine Sichtweise die es ermöglicht neue Detail zu finden.
Unterschiedliche, auch widersprüchliche Sichtweisen können durchaus fruchtbar sein. An den Spitzen des Baumes schmilzt der Schnee, unter der sonnigen Aussicht platzen die Knospen, die ungeduldig auf die Rückkehr des Frühlings warten. Die Bäume haben augenblicklich den morgendlichen Nebel verschluckt. Eine neue Schönheit und Stimmigkeit weitet sich über die Umgebung aus. Für einen Moment atmet die Natur in ihrer Tiefe ein und aus, schaltet das Leben einen Gang herunter. Die neuen Bäume scheinen so, als ob sie Klone der Alten seien. Dünn und anmutig stellen sie ihre frischen Äste zur Schau und schütteln die winterliche Kälte ab.
Ein Stück vom Mond hängt noch verloren am Himmel, wiederspricht der Dominanz des längst anwesenden Tages und folgt sehnsüchtig auf dem Nach-Hause-Weg ein Gespür für den uralten Refrain des Lebens.

 

Luftsprünge
Ein Kunstwerk berühren zu können ist wie bei Musik mitsingen, sich auf einer Reise mitnehmen zu lassen, die nicht geplant war, aber sich spontan ergeben hat.

Beim Rascheln des Pergamentblättern gehe ich in die Vergangenheit zurück, lasse die Fotos ausleben, dass sie die Teleportation in der Wirklichkeit anderer Realität einnehmen und das egal in welchem Tempo, sie ausstaffieren und auf erleben lässt.

Es ist nicht einfach die eigenen Gefühle zu identifizieren, zu verstehen und zu beeinflussen.

Desto nicht einfacher ist es in die Welt der Anderen durchzudringen. Lieber fährt man auf einer Parallelität - Schiene die es ermöglicht einen klaren Blick auf die Situation und ihre Spontaneität  zu bewahren, in kleineren Abständen zu atmen, sich zu fühlen ohne vor der Bilderflut und den Problemen der Anderen überwältigt zu lassen.

Nicht jedes Wort lässt sich gut definieren, manchmal lebt er in seiner eigenen verschlossenen Metaphorik gefangen, hat keine Lust, Luftsprünge zu machen und Aufmerksamkeit zu erregen.

 


Panorama 
Unter einem dezenten Himmel kutschieren die Möglichkeiten, beteuern dynamisch ihren Anspruch auf mehr Lebendigkeit. 
           

In der klirrenden Kälte des Winters frieren die Gewässer am Rande des ruhigen Ortes zu. Ihre Fluidität verdeckt unter der Oberfläche schlummernd und ungeduldig wartend auf der Rückkehr der Sommer.

Das Schilf, eingereiht auf der rechten Seite des Flusses wirkt wie eine Zuschauern-Versammlung, die nicht klatscht, sondern dem Natur - Vortrag aufmerksam verfolgt.

Der Himmel hängt so tief, das er mit einer Spur der verlorenen Romantik fast das andere Ufer berührt.

Weit weg, wie unwirkliche Miniaturen dringen die Reliefs täuschend die Wolkendecke hindurch.

Die Welt scheint illusorisch ihr eigenes Panorama drehen zu wollen. Wie ein anonymer Künstler, der sein Können nicht unter Beweis stellen muss, aber will.

 

Absicht
Gedanken voller Antrieb beeinflussen die Sprache des Bildes und vertiefen die visuelle Wahrnehmung.

Zwischen den Birkenbäumen legt sich der Schnee zu winterlicher Ruhe. Der Wind am Mittag und die leicht steigenden Temperaturen beißen Löchern in den schwer gewordenen weißen Teppich. Unter den federnden Schritten gibt die Schneedecke nach, tröstet durch ihre vertrauten Geräusche die weit reisenden Kindheitserinnerungen.       
Das leise Kichern am Ufer des Flusses steigert sich mit den Pfeifen des Windes.

Das kühle Wasser  gurgelt unter der dünnen Schicht aus Eis. Das Sonnenlicht macht witzige Bewegungen, bleibt hängen an den transparenten Eiszapfen, die erneut die Helligkeit brechen.

Die Welt hat sich gedreht, deswegen gibt es Bewegungen auf den Perspektiven des Denkens, in mehr sprachlichen Formen wächst das Austausch - Niveau. Sichtbar wird der Kampfgeist der theoretischen Absicht, die Realität von sich zu überzeugen.


Sturmtief 
An dem dunklen Himmel schweben rhythmisch Wolkenkolonien, das Sturmtief erreicht heute nur einen Teil des Gebiets. Das Licht, noch gedämpft, macht an manche Stellen witzige Sprünge.

In ihren Nimbus eingerahmt traut die Sonne sich unbeeindruckt zu zeigen, der Kälte fast stoisch sich widersetzend, dadurch offensichtlich die Schönheit des Lebens feiernd.

Um den eigenen Glanz einschätzen zu können nimmt sie die Position der Welt ein, auch dessen globale Sprache und ihrer Notwendigkeit zu bestimmen.

Welche Spur, von welcher Hand geführt wird, welche These mehr Wichtigkeiten als Fragen stellt, welcher Mensch mehr Gutes verteilt als einnimmt?

In jeder Schau darf jeder seinen Blickwinkel behalten, gewollt, können die Perspektiven ihre Position wechseln, wenn sie den Wunsch nach Veränderung spüren.

Die Nebenräume dürfen auch gestaltet werden, in ihrer Anmutung können sie sogar das Vordergrundfläche bravourös vertreten.

Im Vorzimmer spielen sich manchmal die besten Szenen vor, bevor die Auswahl wer die Hauptrolle bekommt, getroffen wird.


Hoodie
Am See werden die Winde wie in einem Kessel gefangen und geknotet. Am Ausgang verpufft ihre Triebhaftigkeit. Ihre Wünsche zu mehr Entfesselung werden auf ein normales Niveau reduziert, nur ab und zu darf eine Böe ihre Nachhaltigkeit unter Beweis stellen.        

Die kalte Wasseroberfläche glänzt in dem Sonnenaufgang, fängt und reflektiert das Licht auf die gleiche Art und Weise wie ein Blechdach, das sich dazu traut im Sommer, die Helligkeit zu brechen.

Die sperrige Ästhetik beeindruckt nicht mehr, desto sie mehr sich offensichtlich zeigt, dass nachdem sie eine Zeitlang unter der Kapuze eines Hoodies sich zurückgenommen hat um nicht in das Raster fallen zu müssen.

Auf dem Wasser treiben Äste und mit einer dünnen Schicht Eis bedeckten, rostigen Blätter und die Oberfläche der See spärlich schmückend, ohne zu stören.

Sie schweben fast, wie ein Teil des Ganzen, in der Vervollständigung homogen wirkend.

Ein magischer Ort wo es nichts mehr als das Wasser, die Weite und das nächste Ufer zu sehen gibt.


Kein Chopin
Der gestrige Ansturm ist abgeflaut.
Die Räume wirken leer und kaum betreten, das Erlebte erscheint wie aus der Erinnerung mit der Entfernungstaste gelöscht. Einzig das Klavier belegt noch die Ecke am Fenster, um die gespielten Töne aufzubewahren.

Sinnwidrig versuchen noch überflüssige Eindrücke an der Tür zu kratzen, gebrandmarkt müssen sie aber umkehren, überleben nicht den Sicherheits-Spam.

Die Thematik hat sich geändert, auch die Musik die lange Zeit den Ton angab. Leider war Chopin auch nicht von Dauer, obwohl die Musik ganz gut zu den Hauskonzerten gepasst hat.

Gestern spielte sie ihre eigenen Kompositionen, die sie in einem Einflug von Euphorie spontan und mit Leichtigkeit erfasst hatte.

Die Zuhörer waren begeistert, sie folgten jedem Ton, jeder Veränderung, jedem Kontakt mit der Tastatur.

Sie spielte mit geschlossenen Augen, berührte in der selbst auferlegten Dunkelheit jede tonale Regung, jede fiktive Vibration, auch wenn sie nur  minimal war.

Der totenstille Raum fing an zu leben, das Leben wuchs mitten im Raum zu einer riesigen Klang-Pyramide, an die keinen Applaus vertrug.

 

Akrobatik
In einem wirren Durcheinander spielen schattige Gestalten auf der Bühne. Ohne die nötige Reife erreicht zu haben, kratzen hohe Musiktöne, die sich  in einer Probephase befinden, ohne die gewünschte Reife erreicht zu haben, das sensible Gehör.

Vor lauter Ideen fällt heute die angekündigte Premiere aus. Die Ambivalenz der Hauptfigur lässt sich nicht so gut darstellen, obwohl die künstlich eingesetzten Rauchschwaden einiges verwischt erscheinen lassen.

Sogar der Protagonist versprüht nicht genügend Lebendigkeit, sondern bewegt sich holzig wie eine Kunstfigur.

Im Hintergrund werden die Fäden gezogen. Viele Artisten hängen noch in Seilen so als ihre Energie gezwungen und kontrolliert wirkt.

Wenn das zu überwinden ist, wenn auf einmal die Bühne den eigenen Rhythmus zu atmen lernt, entsteht  trotzdem ein gutes, unterhaltsames Theaterstück.

 

Am Ufer
In ihren Augen ist die Sehnsucht zu spüren, grazil fallen ihre Augenlider müde und verdecken ihre Verletzlichkeit.

Nur diesen kleinen See muss sie überqueren, dann hat sie ihr Ziel erreicht.

Die aufmerksame Welt lagert so viele Bilder, ihren träumerischen Blick ist in der Zeitlupe gefangen. Schönheit und intelligente Ästhetik scheinen Mensch und Natur zu verbinden.       

Unter dem grauen Himmel braut sich ein reinigendes Gewitter heran.

Am See fallen schon die ersten schnellen Tropfen, die das Wasserbild in einer ungewöhnlichen Intimität zittern lassen. Sie schwimmt wie in einer Akrobatik-Vorstellung, ihre Bewegungen haben eine sprunghafte Flexibilität.

Die Frische des Wassers belebt sie, spaltet den See in große Bahnen.

Sie erreicht bald das andere Ufer, dass ihr wie eine starke, menschliche Schulter vorkommt.


Schnelle Skizzen
Die Müdigkeit der vergangenen Nacht hockt noch ungemütlich in der untersten Ecke des Bahnhofs. Die elektronische Uhr wacht über dem Warteraum, sie zählt dabei monoton die Menge der übrigen Minuten bis zur Vervollständigung der Stunde.

Einige verfrühten Reisenden, vertieft in die Zeitungslektüre ignorieren sich gegenseitig, indem sie Begriffe wie Ort und Zeit aus ihrer Wahrnehmung ausblenden.

Neon Reklamen flimmern einzeln, flackern noch einmal in ihrem künstlichen Licht bevor der kommende Tag die Welt voll in seinem Besitz nimmt. Die morgendliche Sonne erwacht langsam aber mutig und vertreibt den tief hängenden dichten Nebel am Rande des Ortes. Die Sandpiste ist asphaltiert. Reste von dem Lametta - Fetzen kleben auf dem vom Frost erstarrten Boden. Immer mehr Reisende betreten den Warteraum mit selbstsicheren Schritten in die Zukunft gerichtet. Wie ein verlorenes Echo lassen die abklingenden Geräusche die rollenden Koffer die Spuren der vergangenen Nacht nachahmen.

Man ist hier für eine Weile zwar ganz für sich, wenn man es sich wünscht. Oder man reist einfach weiter mit dem Zug, nachdem man schnelle Skizzen gefertigt hat und dadurch die Ästhetik des Augenblicks vor der Erstarrung gerettet.

 

Aktionskunst
Die Welt braucht mehr Sauerstoff für ihre energieraubenden Aktionen.
Der Enthusiasmus-Drang pusht den Energiehaushalt auf die Ebene der unmöglichen Träume, die auf ihre Realisierung schon lange warten müssen.

Neu ist als Begriff unberührt aber geradezu begreiflich und zur Entwicklung notwendig. Im Gedanken vertieft flechten die Neuronen neue Reflexions-Brücken die Richtung des fließenden Amazonas nehmen und eine ähnlich-rauschende Pulsation mit mehr selektiv-optimierender Wirkung ausüben.

Gelassenheit nach dem feierlichen Andrang wieder erlagen. Der Frost schimmert feierlich aber dezent, die Leichtigkeit wird zu dem tragenden Vorsatz für die kommende Zeit. Der Himmel tauscht augenblicklich sein Blau mit einer Orange - goldenen Farbe.

Die Gedankentiefe liegt abseits der Belastungsgrenze und spornt den neu entwickelten Mut an, die Neugier mit entfesselter Überzeugung  aus der Enge der gestrigen Denkart zu befreien.


 

Windig
Der Wind kommt aus Norden, die Fassade des Altbaus mit seiner abklingenden Energie streift. Sein Bewegungsdrang endet abrupt, augenblicklich geht das Gebläse verloren. Er schnauft noch einmal tief vor der Einkehr der Ruhe.

Die Fensterladen klappern weiterhin monoton, testen die letzte Mobilität aus.

Zögernd öffnet sie langsam die Tür. Wie aus einer anderen Welt raus getreten erscheint ihre Gestalt unsicher, fragil und unbedarft. Sie könnte jemanden anrufen, darüber hat sie auch nachgedacht, den Gedanke aber wieder verworfen. Die Benzinkosten könnte sie auch nicht übernehmen, der Weg bis in die nächste Stadt kommt ihr endlos vor.

Sie liebt die Ruhe hier, den neu gewonnenes Zeit-Rhythmus.

Mit jedem Blick  in den Spiegel mag sie sich mehr und mehr, sie nimmt die Farben und die Geräusche mit anderer Intensität wahr,  so als, ob sie die Welt erst jetzt entdecken würde.

Durch die Spaltung drängt sich das Licht in den Vordergrund, wie in Zeitlupe gefangen bleibt die Helligkeit an dem Türrahmen hängen. Die Wärme durchströmt mit ihrer hellen Kraft den abgedunkelten Raum. Die Holzbalken, von der Sonne abgelichtet, scheinen fast in die Unwirklichkeit zu versenken.


Sie
Verhalten bleibt sie in der offenen Tür stehen, scheint in dem Augenblick verfangen zu sein. Das Licht kam überraschend, wie ein unerwarteter Gast, der die gedämpfte Atmosphäre überrumpelt hat. Die Neugier versteckt sich hinter ihrer spürbaren Scheu, ungeschickt weigert sie den nächsten Schritt zu machen, sich gegen den eigenen Handlungsbedarf stemmt.

Wie benommen hielt sie sich weiter an dem abgekratzten Holz fest, so als sie die Fesselung der Welt nicht loslassen konnte. Dabei atmet sie leise wie eine Möwe im Sturzflug. Nur ihr Schatten scheint beweglich zu sein, unartig er in der Luft strampelt wie ein Mannequin, das aus der Kontrolle geraten ist.

Schwebend schieben sich helle Lichtprojektionen wie in einem Kinderspiel, leben unbedarft ihren eigenen Kosmos, der sich der Realität entzieht. Erneut pustet der Wind und bewegt dabei die Fensterladen. Sein Bewegungsdrang nimmt schnell ab, in einer endlosen Warteschleife gefangen, die Gedanken treiben mit den Wolken immer weiter.

Sie lauscht, versucht die Laute des Windes zu entziffern. Die Tür, die offen bleibt, fängt ihre unsichere Umklammerung und gibt ihr Halt. Am Himmel scheint  ein Stern, den die Nacht verloren hat, sie watet unsicher und versucht sich an das helle Tageslicht  zu gewöhnen.


Schwerelos
Die Welt wacht langsam auf.
Nach einer kalten Nacht erlangt sie ihre monochromen Konturen zurück. Kräftigere Farben wirken unlogisch, sich beißend. Die scheinbar sinnlosesten Dinge erscheinen in neuem Glanz. An der Tagesordnung steht eine andere Logik als bisher. Wichtig und Unwichtig beschäftigt sich, um die Rolle der Einzelnen in der Mehrheit neu zu justieren.

Es ist eine stille Welt. Keine helle Aura ist zu spüren, mehr diffuse Bedeutsamkeit und eine Spur von Nachdenklichkeit füllen das innerliche Refugium. Die wichtigste Straße in der Stadt wirkt wie eine verlassene Schleuse eines Windkanals, in einer paradoxen Schönheit gefangen. Die Gedanken der Menschen bewegen sich, Spuren in ihren Äußerungen hinterlassen. Wie lerne ich Vertrauen in den Lauf der Dinge zu entwickeln?

Papiere. Sie rieseln herunter wie Neuschnee, auf eine altmodische Art, hübsch. Die Wärme fühlt sich auf der Haut an wie weicher Flanelle. Die Emotionen sind wie schwerelose Inseln aus einem Meer aus Zeit gekommen und geblieben, abseits der globalen Gesprächen für sich bleibend. Das Lampenfieber wird weniger, desto mehr die Zaungäste sich fast unbemerkt verabschieden. Der Wind treibt das Wasser am nah liegenden Ufer und verwischt die leichten Spuren. Glück passiert einfach.


Faible 
Meinen Faible für die Farbe Blau darf ich heute nur begrenzt ausleben.

Am Rande des Himmels hängen in blauen Fetzen verwischte Spuren einer Welt der Erinnerungen; die Zukunft verliert sich selbst in der eigenen Großspurigkeit, die Gegenwart bedenkenlos überrumpelt, trotzdem seiner Wichtigkeit nicht widerspricht.

Graue Brokat Vorhänge schieben die Wolken vor das Sonnenlicht, die Gedankenraserei dämpfend, dadurch die Fragilität des Lebens vor der exhibitionistischen Neugier der Mehrheit bewahrt.

Die Bäume sind wie geschält und der Asphalt wie von der Straße gerissen. Der Sturm tobte über dem gelobten Land, wie eine Diva, die mit ihren Allüren zu kämpfen hatte. Die Welt blieb aber standhaft.

Blitzartig ziehen die Ereignisse an ihr vorbei, die nur wichtig zu sein scheinen, keine überzeugende Argumentation mitbrachten. Theaterausführungen, Flüsse von Tinte, Bücher um die verlorenen Gedanken einer Benjamin-Button-Illusion. Was bleibt ist die Reflexion danach, dem logischen Entziffern der spontanen Handlung.

Fliegen muss gelernt sein.
Der Wille sich zu behaupten arbeitet noch an der perfekten Mixtur einer Erreichbarkeit. Er kommt als Freigeist in die winterliche, stürmische Privatsphäre und bringt seine schüchterne sowie hungrige Art mit.

 

 

Kobaltblau 
Die aufsteigende Morgen-Leere hat sich verflüssigt. Eine visuelle  täuschende Überlagerung zerrt die Farbklarheit aus ihrem vorgesetzten Bild heraus, weigert sich die Farbüberflutung in ihrer Selbständigkeit anzunehmen.

Ein dunkler Kobaltblauer Ring schrumpft den Himmel, bindet Süden und Norden zusammen.

So viele Motive bitten die Eventualitäten; obwohl sie nicht versuchen ihre Versprechungen einzuhalten, die fremde Welt durch mehr Kenntnis verständlicher zu machen.           

In der Mittagshitze setzt sich der Geruch der Dünnen über die weitläufige Wüstenlandschaft.

Fast ein klassiches Bild, die Sonne blendet alles, was ihr im Weg steht, in ihren Versuch, die Weite zu erobern.

Oberfläche und Strukturen erleiden Verluste, versuchen noch etwas zu bewahren was sowieso zum Scheitern verurteilt ist.                 

Die Dynamik der Entwicklung lässt sich nicht stoppen oder rückgängig machen. Begreifende Momente in Leben lassen sich nicht mit der Kamera festhalten, nur augenblicklich.

Engelsflügel flattern leise, wie Anspielungen einer zeitlosen Passion unter einem leeren Himmel, die Realitäten trennen die Erinnerungen, die einem selbst fremd geworden sind.

 

 

Hype  
Wie mit einem EasyJet fliege ich durch die Gedankenwelt, dabei starre ich verträumt in die Luft. Die Zeit hat auf einmal eine andere Bedeutung, als sei ich in einem Zeitloch gefangen.

Bunt drehen sich die Farben, kaleidoskopisch kommen sich in die Quere, berauschen den immer nach mehr Eindrücke süchtigen Verstand. Selten lasse ich jemand an meinem Empfinden andocken, manchmal sehe ich auch nicht die Blitze drumherum, fühle mich in der Melancholie verfangen.

Obwohl ich, am Ende allen Fragen nie die Antwort bekomme, es herrscht so viel schwerelose Nähe zu dem universellen Sinn, dass ich sie fast kaum ertragen kann.

Gestern und heute geben sich nicht die Staffeln in der Hand, es scheint nicht mehr wichtig den Zyklus der Jahreszeiten zu folgen. Trotzdem kommt der Weihnachtzirkus hereinspaziert.

Die Gedanken, die ich habe, schmecken nach Früchten, Mango, Passionfrucht, Orangen sind Sinnbilder die als Hintergrund für meine momentane Stimmung gelten, meinen Lebensraum mit einer packenden, fiebrigen Energie füllen.

Der Puls der eigenen Lebendigkeit elektrisiert meine Umgebung, wird zum Hype.

 

 

Pensum
In der Fremde nützt bei der Orientierung einzig der innere Kompass. Die mit der Zeit ausgearbeitete Menschenkenntnis wird für den Reisenden zur prioritären Aufgabe, Absichten werden verstandesmäßig selektiert und neue Wege zu Verständigung gesucht.

Die Sprache der Einheimischen klingt rau und stark artikuliert. Der schwere Akzent verliert sich in einem nicht zu lösenden Übersetzungsversuch, fesselt dabei die Aufmerksamkeit der Fremden mit seltsamem Vokalzeichen.

Das Leben, das an diesem verlorenen Ort auch intensiv gelebt werden will, betreibt einen unausgeglichenen sprachlichen Wettbewerb. Sie führt laut verbale Straßenkämpfe, atmet rhythmisch Gleichgültigkeit und Lebendigkeit ein und aus.

Auf den Märkten der Stadt herrscht buntes Treiben, Farben und Düfte füllen die Luft, die Hitze wird unerträglich. 

Der Fremde sammelt für einen poetischen Zweck seine Eindrücke, beschließt sich frei zu rappen, sich von den damit angehefteten Vorurteile zu befreien, das Ort-Pensum für einen Augenblick verlässt.



Die lezte Etappe 
Die Räder rollen schnell über die asphaltierten Straßen, sich geräuschvoll in den örtlichen Veranstaltungkalender eintragen. Passanten drehen sich um, den rollenden Zug aufmerksam verfolgend. Die Liste der kulturellen Eintönigkeit ist hier lang, länger als einem bewegten Menschen auf einer Weltwanderung verträgt. Die Luft riecht nach geschmolzenen Asphalt, die Sonne knallt, lässt die Hausdächer noch schwerer erscheinen. Der Ort passt sich langsam dem zunehmenden Rhythmus an, die Lethargie versteckt sich in dem schattigen, engen Gassen der Altstadt. Stille kehrt erst am Abend zurück, auf der zurückgebliebenen Etappe halten die Räder ihre Pause. Der Wind pustet sporadisch in kleinen Salven, dabei nach der Überventilation neue Energie für die Drehung liefert. Ein Rad ist kaputt, klappert im Wind, verabschiedet den Tag, der seinen langsamen Übergang vorzieht.


British 
Geschichten schreiben sich schon immer von selbst, ohne die Gegenwarts-Frage zu beachten.

Zeiten der Veränderung verursachen Brüche, zwingen zum Alternativdenken und zu der Notwendigkeit die Komfortzone zu verlassen.

So lange die Ereignisse sich an einer langen Kette der Zuversicht einreihen ohne die Betäubung durch täuschende Leichtigkeit der Verdrängung-Methodik ausgesetzt, werden sie überwindbar sein.

Die Ohnmacht wird später im Museum hängen, eingerahmt in getürmter Generationskolik.

Leider fällt uns die Möglichkeit weit in die Zukunft blicken zu können schwer, gerade weil das Unerwartete unsere Sicht einschränkt, die Funktion eines Kamera-Objektivs übernimmt, alles zurück zoomt und Statistiken nicht folgt.

Der Gedanke, dass wir alles kontrollieren können, ist trügerisch.

 

 

Fremd 
In der Dämmerung wirkt das Licht wie ein Schleier, gedämpft und zittrig bedeckt er die heimkehrende Stille der wandelbaren Idylle dieses fremden Ortes.

Im Fokus der Aufmerksamkeit drängen sich die Geräusche des schwappenden Wassers unter dem Ponton.

Die Außenwelt spiegelt sich hinein, ihre kontrastreichen Bilder werden auf dem eisigen Wasser wie in einem Entwicklungslabor sichtbar. 

Die Fantasie erlebt ihre Wachphasen, der latente Zustand der Trübseligkeit wird verdrängt und dadurch werden neue Räumlichkeiten für die Handlung vorbereitet.



Festival  
Am Ufer, entlang der Mauern, laufen die Menschen wie verloren. Ihre Blicke streifen passiv die Sperrung an dem Festivalgelände.     Die Kälte verlangsamt ihre schnellen Schritte, lässt sie unsicher und erstarrt erscheinen. 

Drapiert mit den gleichen Plakaten kommen einem die Mauern endlos und kaum überwindbar vor.

Sie wirken wie Projektionswände, die gleichen Ereignisse wiederholend und sich zu einer beklemmenden Studie einreihen.

Die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Fantasie verstörend wirken. In der unmittelbaren Nähe des Flusses entfalten schwere Nebelschichten einen poetischen Mythos.

Die Stimme des Flusses klingt rau und gebrochen, fast hypnotisch entwickelt sich ihre Wirkung.

Meine Stimme verabschiedet sich leise, mich wie durch eines Schwingtür fast lautlos gehen lässt.

 

 

Ton in Ton
Die Gleise laufen endlos, versuchen in der Ferne dem Rest der Welt zu entkommen. 

Die Geräusche des vorbei fahrenden Zugs klingen wie erfrorene Musik, gleichzeitig kristallin und mechanisch knirschen die Bremsen, die Fahrgäste werden Spielfiguren-mäßig auf einem Spielbrett kontrolliert nach der schrillen Akustik bewegt.

Einige Gedanken folgen unreflektiert, unreif verlassen sie diesen Ort der Begegnung, vermerken mehr als sie erzeugen, an der attributiven Haltung sich fest krallen.

Dabei bleibt auf der Strecke etwas von Bedeutung ist, das Ziel der Reise erscheint verwischt, beinah belanglos.

Das Brachial-Geräusch der Eisen verschluckt den ätherischen Ton eines Gedichts.

 



Des Wegen entlang
In dem Tumult des menschlichen Betriebs kehrt langsam die Ruhe ein. Von einem Waterloo ist nichts mehr zu spüren, nur die Wolken ziehen in der Höhe des Zenits noch einen Dramatik-beladenen Vorgang auf. Schwere-dunkelblauen Wolken vergleichen einen turbulent fließenden Rubikon, der sein Ufer ignoriert. Die Erinnerungen der Stunde hängen an dem geraden gezogenen Horizont, leicht-schwebende Schnee-Wolken paddeln mit dem Wind, testen die Weite des erwünschten universellen Friedens.
Der Stadt wie in einem Kessel gefangen, in bläuliches-nachmittägliches Licht getaucht. Das Panorama dreht sich um die eigene Achse, in den Augen fahren die optischen Eindrücke Karussell. Von oben sehen die Häuser miniaturisiert aus, fast liliputanisch türmen sich die einzelnen architektonischen Höhepunkte in den Vordergrund. Im Tal verschlingen sich die Wege gegenseitig, mit der Distanzierung gewinnt zunehmend in der verschlungenen Enge der Formen die Fokussierung aufs Detail. Die Realität ist so vielschichtig, dass schon die Träume darin Platz suchen, den Realitäts-Vorgang zur Seite schieben. Einzig der Wind bekämpft das Einkehren der Ruhe, bewegt in Stößen die schön-frisierten Baumkronen, die in ihren Förmlichkeit eine Spur vom Kanada-Feeling ausbreiten. Goldig fließt das Gelb in dem lebendigen Bordeaux über, in den Rostfarben getaucht, hängen die Blätter fest an den Ästen des Ahornbaums.
Die warm angezogene Zweisamkeit spaziert auf die Höhe des Hügels, genießt die wertvollen Momente der eintönigen Einsamkeit.

 

 

Zeitreise
Mein Ort ist ein Ort im Transit.
Ein Ort wo die Wünsche aufbewahrt werden können, bis sie ihre Gültigkeit verlieren.
Der Bahnhof, als einziger Knotenpunkt der Stadt ist immer in der Bewegung gefangen. Züge rollen im Takt-Tempo, die Gleise knirschen metallisch, ab und zu flackern Funken, erhellen das trübe Herbstlicht. Wie auf der Reling eines Schiffs, poetisch und wichtig, sitzen die Gedanken aufrecht im Abteil, kehren zu ihrer einfachen Form der Klarheit zurück, geben dabei ihre Dominanz auf. In ihrem Lebensraum haben sie keine Konkurrenz, sie gehen lieber in der Welt gondeln.
In der Sehnsucht-Ecke wartet der Anspruch vergeblich darauf abgeholt zu werden. Die Freiheit radelt mit Genuss, die alten Muster abstreift. Bald setzt sich aber den Zeitraffer ein, Momente des Glücks werden eingerahmt, im spärlichen Gepäck der ultraleichten Weltwanderer sorgsam eingepackt. Die Grenze zwischen Künstlichem und natürlichem verwischt die Zahlen auf der Abfahrttafel. Die Reklamen wechseln sich ständig, Nachrichten verlieren rasch ihre Wichtigkeit, die Information-Sucht ist nicht mehr zu bekämpfen, sondern wird ignoriert.
Das imaginative Vermögen gibt sich der Zeitvertreibung hin, wie eine Diva spaziert die Rationalität entlang den Gleisen, die Vibration einer neuen Zeit wahrnimmt. Der Wunsch einer Zeitreisenden ist, irgendwo auf der Welt, ein Museum der Geschichte zu bauen. Mein Ort, ein Ort in Transit hat die Enge nicht überwunden.

 

 

Gegenwart
Der Tag war lang, floss wieder in einen anderen Tag hinein, ohne Abschied zu nehmen.
Die Bäume sind kahl geworden, der Asphalt auf den Straßen ist uneben. Die Künste lagern in dem Bahnwärterhaus, ungelesen bleiben ihre Aussagen. Die Wünsche befreien sich aus der Enge, wie einen Schwarm schwarzer Tauben spalten die Himmelsschichten, gewinnen die Höhe für sich. Auf dem Himmelsthron sitz immer noch Zeus, der den Olymp bewacht. Diogenes, der König der Anspruchslosigkeit ist selten anzutreffen, um sich durchzusetzen,  noch Kämpfe auszutragen hat.
Die Herbstsonne drapiert die monotone Szenerie, einziger der Wind spielt im Tunnel sein Spiel mit dem Laub, seine Geschwindigkeit mit der kommenden Kälte austestet.
Die Luft ist frisch, voller Herbstaromen. Im Park lagern sich die Blätter zu bunten Haufen, schützen den Boden vor angekündigtem Frost. Die Schritte hören sich raschelnd, unbemerkt nimmt der Reisende leise Abschied von der Vergangenheit, macht Urlaub von der örtlichen Idylle.
Die Fassade des alten Hauses blättert, Schicht für Schicht gibt sich der Schönheitsraub hin, verliert sich in der eigenen Bedeutungslosigkeit. Jeder Wunsch, den wir aufgeben schafft mehr Raum, weckt Fernweh. Wünsche und Absichten sind wie Mauern im Leben, trennen die Wirklichkeiten, schubsen sie von ihrer Gegenwart  in die unermessliche Weite des Universums.



 

Transit  
Gedanken voller Zuversicht müssen in sich federn. Wie ein blinder Passagier kreuzt sich meine Denkweise mit der allgemeinen Denk-Art.

Leichtfüßig wandern meine Empfindungen durch die weitläufigen Straßen, auch durch die eng gewordenen Passagen. Befreit, sprintet mein Blick mit der Leichtigkeit von Peter Pan. Dadurch werden die Defizite in der Geometrie des Alltags mit einem Quantum mehr Gelassenheit abgebaut; eine Variable wird eher mehr als weniger in die Rechnung einbezogen. In der Quadratur der künstlerischen Haltung harren die Linien legitim, nicht in den gleichen Mustern, sondern verschlingen sich in immer neuen Konstellationen. Die komplizierte Fantasie-Kontingente brechen ab mit dem intuitiven Versuch, impulsive Verständigungsmöglichkeiten für sich zu beanspruchen. Wie Pellets, vom heißen Feuer-Sog Sog verschluckt, flimmert die Farbe, dekonstruiert die alte übliche Ordnungsstruktur des Blattes. Hier und dort bröckelt die oberste Schicht, Risse entstehen in der vorgegebenen Struktur. Kratzer beleben den eigenen Regeneration Versuch des Altbaus. Die Gedanken wohnen immer noch in ihrem Elternhaus, wo an den Wänden die Erinnerungen hängen wie alter Weihnachtsschmuck aus Glas; und obwohl sie verblasst und porös sind durch den Angriff der Zeit, noch mehr zerbrechlich, sind sie immer noch glanzvoll und stolz. Erinnerungen verschieben sich mal wieder, der Versuch alles festzuhalten ist in seinem Scheitern nicht aufzuhalten. Rand-Gedanken spielen Pingpong, aus ihrem engen Kreise sich befreien. Erneut kollidiert die mathematische Formel des Glücks, verhindert  den automatisch-gestarteten Defragmentierung Prozess. Das Leben ist nur als Summe zu begreifen. Die Zeilen betreten möglicherweise eine Grenzzone, ihre Kompetenz  überspringt die erwartete Darstellungsform; heute werden keine Romane geschrieben. Jetzt dominiert noch die Form, bevor der Inhalt von seinem Veto profitiert und Widerspruch einlegt-ohne überheblich zu wirken.