Mirela Halitzki
Bildkunst. Wortkunst.

Meine Wirklichkeit ist die Gedankenwelt. Die Sprache, eine Möglichkeit von Vielen.
Alles andere, eine Anhäufung der Bedürfnisse, der Emotionalität ausgeliefert.
Logik ergibt immer Sinn. Nur die Wünsche schweben frei, abseits von Druck und Erwartungsdenken. Raum und Zeit verschwinden mühelos, der Sinn bleibt, denn er lebt weiter in seiner Überzeugung.

 

Relief
Am Himmel hängt das Weiß der Wolken,
Blau am Grau des kommenden Herbstes schon zerrt.
Wie ein Schachfeld breitet sich aus der Landschaft Mathematik,
Reliefformen liefern sich Wettkämpfe,
sich zu übertrumpfen zur Abflachung der Erdkugel.
Ich sehe nur die gleichmäßige Ebene,
die sanfte Bewegung der Kornfelder,
eine neue Berechnungsformel zur Befindlichkeit der Natur finde.
Ganz leicht die Bewegungen der Grafik
auf kariertem Blatt mich vorantreiben - ich begreife die Geografie,
in ihre Sehnsucht nach sicheren Koordinaten.
Die Kornblume, augenblicklich mir zugeneigt,
ein Tropfen Leben mehr ist,
Gültigkeit der Empfindung, ein Kribbeln in den Fußsohlen,
wenn die trockene Erde, nach dem Regen, nachgibt,
du den Alltagsstaub abwischen darfst
und den frischen Duft des Regens, wie Geschichte, einatmest.

Flugzeug aus Papier
Nur weiß, ein Blatt, gefaltet, ein Papierflugzeug will
ohne Gebrauchsanweisung die Stratosphäre überwinden.
Ein Traum, den Ikarus ins Boot genommen,
die Expertise fiel ins Wasser,
gekappte Flügeln flattern noch, die letzte Energie,
wie eine vage Ahnung, im Sinkflug ganz verloren geht.
Unwetter! ruft der alte Seemann. Das Meer steuert sein Boot.
Anstatt zu handeln, Abstand halten, um zu urteilen -
für jeden Sinn gibt es eine Ausdrucksform.
Eine Aufmerksamkeit, Taxe beim Queren des Rubikon.
Wie Geister, aus der Unterwelt befreit,
Phantomschmerzen traben auf der exquisiten Rennbahn.
Nur weiß, die Lavendelfelder, im Frühlingskleid,
sind in Panik geraten,
das Unterbewusstsein wird erneut gefüttert.
Nur weiß, ein Flugzeug aus Papier, aus Kinderhand.

Wolkenbruch
Mein Universum, wie im Sog, Gedanken im Sommer bunkert.
Die Straße macht Geräusche - einer Laufbahn von Tönen folge.
Die Ruhe am Morgen die Nachdenklichkeit verabschiedet.
Ein Möwenschwarm bewegt das Himmelsblau in kleinen Schüben voran.

Die Blumen, ein Meer aus Blau, sich bewegen wie Felder im Wind,
und wieder meine Horizonte wie Ebbe und Flut hin und her wogen.
Auf einer Welle aus grünen Wiesen tapse,
barfuß das Leben wiederfinde - nur leicht gekitzelt,
kleine Wahrnehmungen, kleine Schritte im Leben.

Mich langsam wieder spüre,
zarte Pastellschleier entdecke, mich mehr traue,
bei Wolkenbrüchen durch die Wellen zu schwimmen.

Mein Kind
Dein Bild, gescannt, märchenhaft den Zauber des Augenblicks startet,
und die Algorithmen Erkennungsmuster erzeugen.
Die Tastatur, wie bedient, so verloren ist die Ratio der Gedanken,
selbst, wie von Geisterhand, Sätze bahnen Pfade der Selbstfindung.
Therapiert läuft die Seele, leichtfüßig himmelsweit angestrebte Ausdehnung übt,mehr als die Sonne, dem Tag geschenkt,
in der Selbständigkeit der Natur zu finden ist.
Badende, im Sommer die Nachdenklichkeit über Bord werfen,
Wasser, pur, nur spüren als elementare Widmung an die Götter.
Das perlende Nass, in der Hitze, glitzernde Aquamarine zitiert.
Eine Olympiade der Gefühle auf der Ebene des Geistes.
Kind, mein Kind, du lachst und mein Herz springt, kichert vergnügt.
Deine Freude mehr Freude bewirkt und meine eigene katapultiert.

Look aus Papier
Du trägst ein weißes Hemd, die hellste aller Farben,
an der Taille hast dir heute einen neuen Horizont geknotet,
eine große Schleife perfekt am Handgelenk platziert.
In der Hand, ein schwenkender Pompon aus einem Stoff,
aus dem die Träume gemacht sind.
Eine Illusion beschleunigt den Wind in deinem Gemüt.
Die Luft ist frisch, Windmaschinen spielen mit dir, dem Puste-König.
Weiße Blüten kleben noch auf dem Asphalt,
die Unschuld der Kirschblüte ist abgeklungen.
Dein Entwurf, den Mantelkragen hoch, ein asymmetrischer Schnitt,
du hast ein Karomuster gewählt, dazu ein vertikaler Reißverschluss,
die Zeichnung setzt das Papier unter Druck, rhetorischer Ruck.
Die Kälte lässt dich zittern, deine Schritte werden immer leiser.
Heute benutzt du nur Grafit als Hommage an die farblose Welt.
Der Himmel weint, Regen,
ein getränktes Taschentuch habe ich zerknüllt.
Wie gedankenverloren wirkt die Welt,
sogar die Bäume, im Traum entwurzelt, spazieren uniform,
in das Weiß der Fassade verschwunden, mühelos.
Noch ein Reim verlässt das Nest, eine Idee mehr wird verabschiedet.
Ein Flugzeug aus Papier erleidet eine Bruchlandung.
Du trägst ein weißes Hemd im Origami-Stil und träumst davon,
ein Albatros im Flug zu sein, im Regen verschwindest.

Kritzeln
Die aufgehende Sonne lacht fröhlich, dir Smileys zuwinkt,
Grellgelb auf die Erde kippt, mein Jargon klettert als Manko
auf der Tonleiter,  wiederholt verheddere mich in der Sprache,
was ich kenne, sind nur lose Vokabeln.
Buchstabenkater im Morgengrauen - pardon, Welt,
ich gönne es dir besser.
Ein Wort streift das Bild, es widerspricht dem visuellen Kontext.
Grammatik zerfließt mir zwischen den Fingern, und ich leide Verlust.
Die Ursprungsidee wird vom vorbeirasenden Muster aus der Gedankensperre befreit, neue Raster der Zeit werden konstruiert, vorüber flimmernde Momente bewahren das Jetzt.
Vorlagenfrei - Zeichnungen, Alltagsphilosophien, jeder darf kritzeln.
Überflüssige Rede - Betrachten ist Kunst.

Schnitt
Ein Quadrat schneeweißes Papier, eine Tafel Rittersport,

das Moderne liegt in der Verpackungskultur.

In einer Werbekampagne ist die Fantasie eine Endlosschleife.
Jeder, der nicht malen kann, lernt, jeder kann Farbe sein,
der Betrachter ahnt, was Kunst ist,
was du siehst, ist die Frage des Warum.
Kunst muss in Können entbunden werden, um zu erscheinen,
braucht mehr Substanz als Lametta-Wahn im Überfluss.
Das Glück, auf Japanisch,
wird in schneeweißen Kirschblüten-Blättern gedruckt.
Höflichkeit - eine Schnittblume hinstelle,
Natürlichkeit aus der Natur erhebe.
Minimalistisch, still - ein neues Fenster geht auf,
die vorbeifahrenden Muster des Sommers einfängt.

Neues Blatt
Ein Buch signiert, ein Blog, ein Bild hängt schief, pardon.
Dein Lippenstift druckt eine Widmung auf einen Animal-Print,
ein Handvoll Zeilen verschwinden, erspart bleiben der Literatur,
die Schönheit blüht erst im Kontrast mit ihrem Gegenteil.
Sterne, Steine, Tiere erzählen ihre eigene Geschichte.
Gebäude sprechen die architektonische Sprache.
Zu viele Stimmen bewegen die Welt, deine Sprache kollabiert,
du sammelst die verbliebenen  Vokabeln, erneut die Schule besuchst.
Die Asche von Notre-Dame düngt den Boden,
ernährt den Kreislauf des Lebens auf die natürliche Art.
Und du schreibst Widerworte, Stunden und Tage bewegst.
Neues und Außergewöhnliches liegt in deiner Hand
weil du tauchst immer wieder auf dem Meeresgrund,
Kostbarkeiten entdeckst, deine Seele überwindest.
In den Schatten der Mammutbäume blüht deine Inspiration neu.
Du signierst deine Arbeiten nicht, deine Arbeit ist nur Erkenntnis.

Konsumgut
Ein Krug, geformt, symmetrisch ausgewogen,
dem Feuer, als Naturgewalt, Spuren der Schönheit eingraviert hat,
ist großes Glück - die Arbeit, wohlgeraten, etwas neues erschuf.
Kunst ist nutzlos und doch der Freude zugeneigt.
Ein Bogen, eine Freske, einer Farbenspur folgend,
platziert ausgerichtet, verschönert wie gepudert,
und er steht richtig, umrahmt von der Leere seines eigenen Widerspruchs, nonverbal seine ganze Kraft ausstrahlt.
Gedacht, mit der Seele berührt, darauf Aufmerksamkeit gelenkt,
nicht ahnend was Kunst bedeutet,
ist trotzdem sie gegenwärtig präsent, protzt auf dem Podest,
Strahlkraft auf die Verlegenheit ausübt.
Seerosen gehören Monet, die Sonnenblumen,
wer sie hat, hat sie - bekannt.
Blau nur, eine Leinwand gestrichen, wie Wandmalerei in kleinem Format, von aller Funktionalität verlassen - nicht zu gebrauchen,
aber doch die profane Ebene zersprengt.
Ein Bild wird in eine Nische gehängt, ein Test, eine Frage,
ob die weiße Wandfarbe der übertragenen Natürlichkeit
als Ebenbild zustimmt?
Eine Blume, ein Stillleben - nichts als Konsumgut.

Nebel
In Grün verhüllt, fast surreal wirkt die Allee im Park.
Am Wegrand halten die Bäume ihre Atmung an,
ziehen einen Strich durch die Landschaft,
gerade ist die Linie, die sie bilden.

Meeresduft vertreibt den Nebelgeruch, ich höre die Möwen
wie sie meine Starre durchbrechen, nach mir rufen.
Durch die Seele, Erinnerungen immer traben,
ein Trojanisches Pferd sucht nach der Tränke,
und ich zähle die Bäume, wie Sterne vor dem Einschlafen
den himmlischen Atlas vor meinem geistigen Auge ausbreiten.

Ich suche den Polarstern in der Morgenluft,
im Glas Limonade die reine Natur finde,
frisch und zitronig bewegt sich der Tag fort.
Wenn der Ahorn sich bewegt, spüre ich deine sanfte Seele,
die Biometrie poetisch begreife.

Poesia
Der Sommer driftet, hoch, im Baum klettert die Temperatur,

wie Everest im Himalaja atmosphärisch die Hohe überwindet.

Ein integrierter Werbespot auf der antiken Säule
für Sonnencreme wirbt.

Vergessen ist die Kälte, Tür an Tür wohnt die Leichtigkeit
und die Schwere, ein Gedanke mehr überwindet,

bevor sie in kühle Wasserströmung von der Klippe springt,

das Bild des Eigenen in der Welle spiegelt.

Nach kalten wolkenlosen Nächten bricht das Gewitter,
Blitze verteilen sich, der Himmel für sich beeinspruchen,

Silvester im Sommer, eine Sternschnuppe verschwindet im Ozean,

schaukelt die Energie Ströme in einer harmonischen Bewegung.

Die atmosphärischen Fenster gehen auf
und die Sonne
kommt als erste,
wenn das Olymp sich der Menschenseele öffnet.

Verbal
Ein Wort, ein Preis, ein Ton verzerrt,
in den Rausch der Stimmen losgelassen, ein Satz mehr
und eine tonale Schleife mein Gehör katapultiert.
Die Stimmung, dong, die Stimmen verkabelt, ich trete ein.

Ein Bild hängt schief in einem Büro, wie ein Rebell
die Symmetrie des Blickes herausfordert, stimuliert.
Eine Krücke des Denkens im System wird geradegebogen,
multiple Gedanken rutschen auf dem logischen Gerüst.

Die Ambivalenz des Zitats ist ein modernes Dilemma,
schöne Seele, ich begrüße dich,
dein Haus ist ein Verlag für deine Poesie geworden.

Ein flotter Spruch, ein Bogen mit Vokabeln,
eine freie Rede - und die Sprache, die Tochter der Zeit,
den Göttern zu Füßen liegt.

Vor der Stille
Eine leichte Spur von Grau am Himmel.
Wie eine Ballade, in Musik verstrickt, mein Blau,
die Liebe, für einen Moment vertieft,
die Wolkensperre überwindet.

Ein leises Murmeln, ein Kolibri, voller Anmut, wie ein Blitz,
dem Augenblick geschenkt, vibriert,
ein leises Glück auf deiner Schulter Purzelbäume schlägt.

Ein Akt, die Pirouette eines Windrads,
in einem Zug die Luft anhält.

Ein Generator treibt deine Seele, in einem grauen Hoodie,
du bewegst dich elegant - wie Tango auf einer Hängebrücke getanzt,
wenn die Sonne sinkt, bist immer bei dir und nur du.

Unwetter
Die Stürme fegen wie ein Rausch über die Champs-Élysée.
Weitläufig überschneiden sich die Straßenstreifen, stellen sich dem unsinnigen Autorennen in den Weg.
Die Nacht wirkt dunkel, wie das Blau, aus der Meerestiefe geholt. Regenwasser läuft über, spielt mit dem Pegel Börse.
Die Häuser harren auf dem gleichen Fleck aus, das Wohnviertel bewahrt ihre architektonische Haltung.
Um die Ecke läuft die Straße unbeirrt weiter, der unsichere Blick wird aus der Sperre befreit. Die Welt wirkt größer wenn das Baugerüst entfernt wird die vergessene Schicht wird sichtbar.
Nur die Natur kennt kein Pardon. Ein Unwetter schüttelt unsanft die Platanenallee, Adrenalin fließt im Strömen, den Schlafenden seinen Traum raubt. Im Frühling hängen schon die schiefen Töne des Herbstes, verwaschenes Grün wartet an der Straßenkreuzung, als wäre die Farbe verloren und der Himmel über der Welt in der Monotonie zu  gehen droht.
Die Ampel blinkt noch nicht, lethargisch versucht sie den Nachtmodus zu überwinden. Weit hinaus, über die Wälder hinweg zittert die schwere Feuchtigkeit, Fantasiegebilde, ein schwarzweißer Kinofilm. Erinnerungen an Roma, alte Mexico Bilder...
Die Erde dampft, gierig nach der Fertilität des Frühlings die Regenspuren trägt  mit einer simplen, aber eleganten Haltung. Regentropfen, wieder Tränen, Himmelsgrau im Blau.



House Musik
Im Testlauf rollen die Autos den Abhang hinunter,
der Lärm, größer als die Wirkung, lebhaft die Atmosphäre
und doch mehr Ruhe in Sinn, das Getöse flacht ab.

Das Haus ist stillgelegt und Erdbebentauglich,
Architekturkunst des Jahrhunderts; die Tür geöffnet,
zum Kommen und Gehen, kein Ticket an der Schleuse,
der Blick weit offen, ein helles Licht rückt näher.
Material und Anspruch verlassen den Rummel,
minimalistisch wird das Leben gestaltet.
Geist und Kreativität, wie Diven flanieren,
kehren den Boden mit ihren langen Schleppen der Nachhaltigkeit.

Die Erinnerung komponiert wieder, sitzt am Klavier,
sortiert Ideen und sentimentale Züge.
Die Akkorde, fallen wie ein Spinnennetz unbemerkt,
das Publikum, in der Melodie gefangen, schweigsam genießt.

Ein Rentier läuft über den Weg, die Kulisse duftet nach Laub.
Ton-Fäden verdichten sich, Elektronik mischt sich ein.
House Musik, lyrischer Gesang, Eleganz der Bewegung. Untergehende Sonne, sterbende Wälder, berauschender Sonnenaufgang.


Paris
Du bist Paris, weil in deinem Kleiderschrank, bewahrst du immer noch eine Gelbe Weste auf. Zwischen deinem gesamten Mainstream du dir einen Raum gestattest; um dich gelegentlich zu fühlen erlaubst, als Architekt deiner eigenen Träume Legosteine für deinem Durchbruch sammelst. In der Absicht die Welt zu retten, lässt du deinen Mut portionsweise zu. In diesem Sinn gilt der Wunsch, bitte, wiederspreche mir heute nicht, lass mich ausnahmsweise gelten so wie ich bin, in meiner Meinung bestärkt. Lass den Applaus verstummen, das irritiert mich nur, ich spüre die Leere hinter dem elitären Vorhang. Du hast dich geweigert, dich körperlich zu entwickeln, nur deinem Geist liest du Raum zu Warten, einen Landeplatz in der Wüste Sahara hast du dir hoffnungsvoll gebaut, in deinen Selbstgesprächen hast du nur Saint-Exupery zugelassen, ihn zitiert, obwohl du mit den Zitaten, schon aus Prinzip, mehr als sparsam bist. Du hungerst die Ideale auf Skinny-Maß, die gelbe Weste erinnert dich wieder an die Zeit deines Vaters. Sie soll dir lebenslang passen, die gleiche Kindergröße hast du dir auf Rezept angeordnet, dich selbst pharma-mäßig in die Abhängigkeit gestürzt, süchtig nach mehr Betäubung, um deiner Rastlosigkeit zu entkommen. Deine Zeit, blau wie die Karibik, turbulent wie die Sandstürme, die nur du kennst. Wie Träume bist du, Träume die nicht vergehen, daran wirst du nicht klammern, Verluste verarbeitetest du nur halb, du hast immer noch die Seele eines Kindes, das sich weigert anzunehmen, das Wort Schicksal überbordend wirkt. Du hast dir immer gewünscht, die Welt soll gewaltfrei sein, nicht mal eine schwere Tür, die ins Schloss kracht, kannst du ertragen, so sehr hallt das Echo und stürmt den Korridor deiner Seele. Zu laut fegen die Stürme über die Champs-Élysées. Was dir möglich ist - dich kurzweilig mit der Boheme zu befassen und danach leichtsinnig, beinah sprintend, mit den modernen Entwürfen einer wieder entdeckten Bewegung mitzugehen.

 

Anders
Du bist anders,
weil nachdem du bewusst ausgewählte Früchte in Bioladen kaufst,
auf deine Ernährung und Herkunft achtest,
wanderst trotzdem durch die nächtlichen Supermärkte,
durch die nonstop Tankstellen,
schleichst du dich in der Nacht, in deine Träume flüchtest.
Ruhelos ist die Stadt, die du brauchst, die du immer noch suchst.
Seine Straßen sind so leer wie die leeren Regale am Morgen,
wenn die Sonne auf den Lichtschalter drückt,
durch die Jalousien Streifen schlägt, gemusterte Tapete projiziert.
Premiere. Heute trägst du einen Lichtstreifenanzug,
dich wieder in der Stille feierst.
In einer Plastiktüte, die bald zerreißt,
trägst du keine Äpfel vom Bodensee,
sondern exotische Überseefrüchte, Vitamin Booster.
Du willst fit sein, womöglich wieder im Marseille vor Anker gehen.
Auch, weil du anders bist und vor dir selbst flüchten musst.
Und du fühlst dich nicht und du fühlst dich doch minimal,
die Einsamkeit ist verführerisch, wie die Seele eines Chamäleons.
Wenn du schweigst, redet das Tourette für dich.
Manchmal klammert deine Hand, um eine Orange festzuhalten,
weil in deinen fiebrigen Momenten spürst du dich endlich.

Bildnis
Blütenpracht in lila Flieder, trifft auf Grün und Apricot.
Weiße Glöckchen strecken ihr zartes Köpfchen,
lauschen dem Gezwitscher,
Vögel fliegen wie in einer Scharade,
preisen den bunten Ansturm des Frühlings.

Gelbe Tupfer der Narzissen spalten zärtlich Meeresgrün,
die Natur, in wilder Schau posiert, Anemonen laufen Sturm.
Auf der Wiese fiel die Sonne nicht zu knapp,
wuchtig streckt sich kräftig Grün in der Morgenfrische.

Im Walde, dschungelartig,
treiben Triebe in der Höhe Kletterkunst und Baukultur.
Auf die Wiese watschen Küken, Löwenzahn zur Seite legen,
die Grashalme, wie plissiert bewegen sich durch leichten Windes Brise, kitzeln an den nackten Füßen, fangen zarten Blütenstaub,
strecken sich zum Himmelsblau.

Fortuna
Himmelsblau im Blick erhalten, ganz in Grün erscheint die Welt. 
Die Geräusche toben laut auf der Straße,
weit entfernt, ruht die Nacht drapiert im Grau.
Sonnig ist die Fassade an dem Haus,
Schatten von den Bäumen sie trägt.
Der Kirschbaum wird zur Palme, in der Fantasie verwickelt
schauspielt auf einer hellen Wand, wie von Geisterhand betrieben.
Schatten wachsen, stapeln sich und zittern wie die Espen leicht.
Der Wind pustet augenblicklich,
verteilt einen Hauch des Frühlingsdufts.
Grün wird mehr, spaziert vielfältig, seidig deckt die Wiesen sanft,
klettert an Hügel mit großen Schritten weit voraus,
überholt dabei Pastell und Grau.
Fruchtig tobt das Leben in der frisch aufgewühlten Erde,
Pflanzen heben ihre Köpfe, gehen mit der Atmung der Natur auf.
Morgensonne, der Fortuna geneigt, schmunzelt goldig.
Himmelweit, nur Edles blau.

Wege im Frühling
Die Welt grünt im Frühling.

In seiner Elastizität biegt sich der Grashalm

und das Licht macht Schaukelbewegungen,
spontan wagt es wie der Wind Sprünge der Nachhaltigkeit.
Die Wiese, gekitzelt, immer wieder über sich hinauswächst.
Barfuß wartet der Sommer, lauert ungeduldig in der Prärie.
Die Sonne kommt in Stößen, zerfließt noch nicht.
Dezent, die Bäume am Waldrand drehen eine Runde mehr,
ihre Schatten, wie ausradierte Bleistiftspuren erscheinen unwirklich.
Im Lupentempo wandert mein Blick über die Felder,
die weit ausgedehnten Wege des Fortschritts.
In Schnellbahnen zeichnet sich das Licht,
nachdem es durch die Spaltung der Wolkendecke
zu seiner Entfaltung kommt.
Ich spüre die Wärme, zarte Nackenberührungen,
das Rationale loslasse, die ganze Massenkultur liegt hinter mir.
Erwachsen zu werden, nur eine Überlegung,
wie ein ungeschriebener Brief,
ein unfertiger Gedanke über Bord geht.
Doch lieber noch Kind, jetzt wenn die Blüte leise rieselt
wie Schnee über dem Gebirge,
mich beim Sammeln der Eindrücke im Poetisieren wiederfinde.







NOMOBBING Selbstbestimmung ist kein Geschenk, sondern Arbeit, an sich und im gesellschaftlichen KontextBin ich das, was mir die Gesellschaft verwehrt oder mir einfach gibt, bin ich nur das wert, was ich leiste? Es gibt immer ein Mittendrin und ein Außen, das originale Eigene scheint dabei keine entscheidende Rolle zu spielen. Es wird in der Gesellschaft viel geglättet, im lokal kulturellen Ofen wird man als Fremde verbraten.
Ich bin für die Qualität aber gegen die elitäre Haltung.

Geschmack ist Haltung und keine Gefälligkeit. Ein asymmetrischer Bezug inspiriert am meistens den Austausch. Die Meinung befeuert die Produktivität und der Wunsch nach mehr Schöpfen aus dem poetischen Potenzial wächst. Wie eine Naturgewalt brechen die Emotionen, meine Sprache reicht aber nicht aus. Es fällt immer etwas, ob Punkt, Komma oder das fehlende Stück eines Mosaiks brechen immer die Artikulation und rufen Kritik von außen hervor. Aus der Flut des Alltags versuche ich mit der Logik ein übersetztes Stillleben zu finden, das Schlichte heraus zu filtrieren. Eine instinktive Reaktion, um den innerlichen Rückzug zu verhindern.

I-II-III

Formen fließen, wie ein leicht gurgelnder Bach. Von der Müdigkeit des Tages befreit, wird die Welt der Töne wach. Erlebe die Musik, wie  ein Sound des Alltags.

Material Girl
Zwei Schuhe weniger als gestern.
Der Mantel des Gefühls hast du im Pfandhaus deponiert,
trotzdem kein Preis dafür bekommen weil halbe Stunde später
sind deine Gefühle angeblich davon geschwommen.

Zwei Sätze weniger als gestern, weil heute
die Lust zu reden abhanden ist.
Zwei Töne weniger, verarmte Pianist.
Deinen Job an der Bar hast du verloren,
du bist einsam und trist.

Nicht was du hattest siehst du als Besitz.
Nichts was du besessen hast war deins,
nicht mal dein Geistesblitz.

Verblüht, ohne geblüht zu haben
wirst du innerlich ganz leise.
Besessen hast du nichts
außer der Zauber des Augenblicks.

Die Zeit schlägt nur ein Wimperschlag.
Ein alter Traum hast du doch bekommen,
ein Traum, der zu deinen Füßen lag,
als du im goldene Oktoberstimmung
die Welt betreten hast.

Seitdem hast du Erfahrungen gesammelt.
Dein Leben ist nur Last,
eine kurze Reise ohne Rast.
Was du besitzt, in einer Plastiktüte passt.

 

 Briefmarken

Fliese des Lebens
Ich war glücklich mit meinem Altrosa
und das Licht der Sonne berührte mich.
Ich wollte nicht weg, ich brauchte nichts,
nur das Leben suchte mich,
brachte mich am anderen Ende der Welt,
den Stürmen ausgesetzt.

In der Dämmerung spüre ich das leicht flackernden Licht,
die Endlichkeit der Zeit bringt mehr Intensität in den Lebensraum,
Gedankenberge werden zu Sherpas.

Im Morgengrauen verlassen mich die Träume nicht.
Im Streiflicht entdecke ich die Farben der Erde neu,
an einem anderen Ort finde ich mein Altrosa wieder,
dazu mehr Korallenrot und Violett als ein Flamingo vertragen kann.

Jede Fliese des Lebens geht durch die Hand eines Handwerkers,
jede Nuance des Lebens wird durch intensives Blau veredelt.
Mein Leben ist mehr als ein Entwurf der Emotionalität.

Zeit
Die Sonne taucht in neuen Farbe auf.
Das Rot kommt in viele Nuancen vor,
von dem verwaschenen Rosa bis zum emanzipierten Violett.

In der Kindheit warten die Informationen noch auf der Schulbank,
schneeweiß ist die Seele des Kindes,
neugierig die Farbe begehrend.


Das Leben schlägt sich durch,
heute wandern digitale Nomaden durch die Welt
und bloggen, Zeit und Geist kommen auf der Reise mit.
Elegante Flamingos verfolgen das Klicken der Tastatur,
erzeugen Strandfeeling.

Neue Landkarten haben die gleichen Inhalte
und die Weisheit kommt vorbei.
Die Grenzen im Kopf existieren noch immer,
nur sporadisch lassen die Gedanken ihre Umklammerung los.

Sie schließt die Augen, auf einer farbigen Wanderung besinnt,
ein Leben nimmt Aufschwung,
mit der Reife des Blickes streift es die Umgebung
und die Zeit, flüchtig, sprintet wie eine Gazelle auf der Flucht.

Fremd
Die Straßen sind immer noch im Dunkeln versenkt.
Ein Blick zurück, ein Schauer zieht vorbei.
Das Licht der kommenden Sonne lässt auf sich warten.
Die Sicht ist sperrig, nur die Wassergeräusche deuten den Weg,
der zu dem naheliegenden Ufer führt.
Eine einzige Straßenlaterne wirft ein mildes Licht,
smart begrüßt mein zögerlicher Schatten.
Ein Blick voraus, ein Bonmot, das Undenkbare durchdenkend.
Die Espe zittert fast unbemerkt,
wie verloren schwingen die rostigen Blätter,
bleiben kleben auf dem nassen Asphalt.
Die Seele schüttelt nur im Alleingang die Vergangenheit ab,
der Lärm hat sich längst gelegt, der Stadt ist ruhig,
der leere Raum hat die Schreie verschluckt,
aber die Seele will nicht verklingen,
sie absorbiert die verschwundenen Töne.
Mein Traum verfolgt mich, ich lebe in meiner Erinnerung.
Farbe und Gerüche meiner Kindheit besuchen mich,
in meiner Seele, wie eine Traumwelt,
bunte Kleckse auf einem dunklen Hintergrund sich festgesetzt haben.
Meine eigene Stimme ist meinem Ort fremd,
unter der Schranke der Ausgrenzung bleibe
bis ich der Schranke den Rücken kehre und
dem Ruf meiner Heimat folge.

Versuch
Die Artikulationsweise der Sprache der einzelnen,
obwohl auf eine feinere Art zitiert, rettet nicht die globale Kultur.
Sie feiert heute laut ihren Untergang.
Die gleiche Melodie wiederholt sich an den Spielautomaten,
der Sinn des Wortes, in dem eigenen Dilemma eingeschlossen
überwindet nicht mehr die Meinung der Expertise.

Faktisch haben die Mächte Zweifeln,
ob die Medien der Lagerfeuer die Debatte richtig deuten.
Die Welt verteilt neue Jobs,
eröffnet für die Raubtiere einen neuen Bahnhof.

In den Arenen wird heftig diskutiert, Abschiebedebatte.
Die Bilder auf der Flucht sollen retuschiert werden,
die Welt soll aus ihren melodramatischen Koliken gerettet.

Mehr Sachlichkeit und Verstand wird auf das Podium gerufen.
Frieden ruft die Welt, ich rufe auch.
Ein Versuch, in einem Meer aus Wichtigkeiten sichtbar zu bleiben.

Laufbahn
Im All rotiert die Welt auf ihrer Laufbahn,
mit einem geografischen Blick betrachtet sie ihre eigene Koordinaten, ihre Globalisierung Ideologie zu einer Marke etabliert.
Der Mensch, in seiner Großmachtfantasie verstrickt,
ist auf der Überholspur,
versucht mit einem Goliath Schritt Nord und Südpol zu erreichen.
Aerodynamisch werden die Distanzen leicht überwunden.
Ryanair streikt nicht jeden Tag, ab und zu wird die Nachrichtenschleife zum Dialogzweck unterbrochen.
Gedanken brechen den ruhigen Schlaf,
ein Unbekannter hinterließ aus Versehen eine offene Tür,
zur Folge liefen die Tiere frei im Zoo umher,
ein letzter Pendler traf unerwartet ein Zebra auf der Straße.
Am Morgen riecht es nach frisch gedruckter Zeitung
und nach der Normalität, die Fantasie macht einen Rückzug,
in der Bibliothek häufen sich ungelesen die Bücher.

Wenig Lametta
Zwischen den Lagen des Himmels blinzelt die Hoffnung
in zärtlichem Blau.
Der Tag ist hell, ohne Glamour stellt die Sonne ihre Aura vor.
Die Spatzen sammeln sich noch in Gruppen,
konferenzartig vertreiben ihre Stimmen
die Ruhe am Morgen in den Hinterhöfen.

Die Birke, am Ende der Straße, wird immer sperriger,
die Eleganz an den Zweigen glänzt durch ihre reduzierte Grafik
mehr als der Reflexion des Hochsommers
auf den erhitzten Dächern der Großstädte.
Oktober vermisst noch kein Lametta, denn bald,
nachdem das Laub, schwer duftend die Erde bedeckt hat,
weihnachtet schon der Glanz des Winters in der ganzen Welt.

Der Spekulatiusduft fühlt den Raum,
die Wärme träumt schon von der Winterzeit,
von dem Feuer am Kamin und von dem funkenden Sternen
am Himmel.

Bis dann flackert das Licht noch auf den Feldern,
die Äpfel fallen geräuschvoll von den Bäumen.
Blatt nach Blatt verlassen leise die Krone des Baumes,
entfalten dadurch mehr karge Schönheit.

#Unteilbar

Überall flattern die Wünsche,
der Wind wandelt energisch umher,
wird zu einem Mischpult,
der die Chöre der Menschlichkeit vereint.

Wünsche kleben an den Graffiti Mauern,
die Bäume sind mit den Stofffetzen geschmückt,
sie laden jeden flüchtigen Geist zum Verweilen ein.
Laut rufen die Stimmen aus den selbstgebastelten Plakaten entfesselt: #Unteilbar - heißt die Botschaft des heutigen Zeitgeistes.

Jede Kultur preist ihrer eigenen uralten Tradition
und den menschlichen Zusammenhalt.
Die Welt ist voller Hoffnung auf mehr Toleranz,
auf die Selbstbestimmung des Einzelnen.

Ein Gedanke folgt dem Anderen, wie die Jahreszeiten auch, verknüpft in der Logik verankerten Rhythmus.
Heimat ist ein Gefühl der Gemeinsamkeit.

 

Aquamarin
Der Herbst erscheint in neuen Terracotta Töne.
Schritt für Schritt nähert sich September sein Ende zu,
dem Sturm zum Trotz immer noch strahlend,
die Früchte des Herbstes zu würdigen weiß.

Der Regen modelliert gekonnt Brocken unserer Erde.
Auf eine gewisse Weise gestaltend, behält der Ton seine Ehrlichkeit.
Der Geist ist lebendig, mit den Händen verbunden,
die kreativen Impulse sind zum Modellieren bereit.

Elementar wirkt der Regen, den Kreativen genug Aquamarin liefert.
Auf die Keramik malt der Poet seine Worte,
fertigt Nuancen, von seiner Reise mitgebracht.
Wenn der Sommer die Tür hinter sich schließt,
lässt sich das Blau nicht vertreiben, es flüchtet nicht.

In meinem Dialog mit dem Ton bin ich schweigsam,
keine Silbe kommt mir über die Lippen,
fiebrig bin ich nur in meinem Wunsch
kreativ mit dem Ton zu kommunizieren.

Porto
Ein stilistisches Mittel mehr, ein Wort ist zu viel.
Ein Wirbel eines ursprünglichen Tornados dreht seine Richtung um.
Auf dem Atlantik türmen sich die Stürme.

Im Porto steht die Zeit immer noch auf Sommer,
verloren in meiner Welt der Farben
träume ich wieder von einem Keramikmuster,
von der Neugestaltung der Weltgeometrie.

In der Gedankenwelt herrscht Karussellstimmung,
hier redet man wieder mit Unbehagen über die destruktive Umwelt.
Fragen, stumm gestellt oder dialogisiert
werden projiziert auf den farbenfrohen Fassaden,
eine neue Erkenntnis pinselt das alte Muster weg.

Am Strand entlang, in der Meditation vertieft,
die Wellen sich wiederholen.
Am Ende bleiben die unverarbeitete Tagesreste
in schönsten Stellen eines Poesiealbums aufbewahrt.

Herbarium
Der Ruf des Herbstes wird es laut, erreicht die Kronen der Bäume.
Wie ein Zittern haucht der Wind zuerst noch leise Töne,
bevor er eine kraftvolle Arie als Hommage an Montserrat Caballé
auf dem irdischen Feld trommelt.
Immer mehr Blättern ergeben sich still schwingend dem freien Fall,
der Boden wird zu einem Herbarium der rostigen Farbskala gestaltet.  
Oktober spielt seine ungestümen Akkorde im windigen September,
selbstbewusst stampft er mit den Gummistiefeln auf einen ungeerntetes Feld.
Schwer hängen die Trauben, nach dem Wein duftend platzen sie aus ihrer Reife entfesselt.
Die Luft wirkt gelassen und blumig, der Himmel hängt in Fetzen,
dehnt sich wolkenreich über dem Horizont aus.

Die kleinen Gartenanlagen, in einer Patchwork Decke gebunden wirken wie der Natur überlassen.
Unsere Welt gestaltet sich während des Jahres neu,
wird zu einem Tempel der Götter.
Wir brauchen mehr Amphoren, spreche ich,
die Chrysanthemen überwuchern die Welt,
im Garten meiner Kindheit spielen die Dahlien mit den da vergessenen Wandfarben.
Der alte Nussbaum zeigt mir noch die gleichen Lichtspiele vor,
legt schüchtern, Moment für Moment, sein Blätterkleid ab.
Und der Herbst ist bei mir, in seiner Nähe bin ich selbst.

Tropensturm
Am Hang des Regenwaldes hängt die Feuchtigkeit schwermütig,
wie ein Vorhang aus Brokat die Sicht über die Dinge komplizierter macht.  
Mein Gesicht ist simpel mit den Bruchstücken der Zeit geschmückt.
Regenwasser läuft über mein Gesicht,
das meine Sicht auf der kippenden Welt verschlechtert. Verschwommen, fast sentimental erscheint mir im Regen
das letzte müde Lächeln Fortunas.
Die Atmung fällt schwer, die Wassermassen brüllen,
ihrem Fall zugeneigt sind.
Der Tropensturm schaukelt sich in seinem Wirbel hoch,
der Wind fegt die schweren Wassermassen über mich hinweg,
die Haare durchnässt, mich gänzlich überflutet,
sucht mit dem tiefen Grün des Waldes die Konfrontation.
Die Vegetation signalisiert mir wie eine Ampel der Vorfahrt,
treibt mich aus dem Wald hinaus,
mich zu meinem Voranschreiten fast nötigt.
Und ich werde eins mit der Natur, die in vollem kräftigem Grün wuchert, das Schritttempo überlasse ich ihr,
ihre Energie bewacht meine Sicherheit.
In meiner Wahrnehmung atmet sie tiefer als gestern,
durch die Böen reguliert sie ihre Energie.
Ihr windiges Gemüt streift die Erde unter meine Füße,
langsam wird es ruhig um die Welt.
So ruhig, dass ich die Stille erst begreife.

Infinitum
Ich bin auf einer Hängebrücke und versuche
die Strömung unter mir zu bewältigen.
Der wilde Amazonas erscheint mir wie auf einer Postkartenidylle gedruckt.
Die Höhe fest im Blick, mein Gedanke die Wortklammer überwindet,
Kilometerweite in die Tiefen des Sinns sich streckt,
elastisch die graue Materie ausdehnt,
fokussiert bin ich wie ein Leistungssportler
der seinen Sprung für die Olympiade akribisch vorbereitet.
Mein Kopf, ein Chemielabor das seine Tore des Infinitums öffnet.
Die Zeit zersplittert, die eine Stunde Mutes lässt ihre Scherben mich spüren, ihr Klirren hinterlässt im Universum bewusst tonale Kratzer.
Und wieder begreife ich, dass die Welt zu lange für ihre Hausaufgaben braucht.
Das Kind der Vergangenheit winkt schüchtern,
das Klassenzimmer im Alleingang verlässt.
In einem schrillen Tempo kommt das nächste Bild,
selektiv wandert der Eindruck in dem Kameraobjektiv,
fast überfordert ist dort die Linse, wo die Wahrnehmung
auf seinem physikalischen Pendant trifft.
Selfie - bereit ist der gedankenlose Kletterer,
der Gefahr sein Ziel bewusst unterordnet.
Das Abenteuer startet, etappenweise steigt das Wettertief
auf einer Spannungsleiter auf, überflutet die Straßenzüge.
Morgen blühen den ganzen Straßenquartiers auf
und ich trage die Blumen der Wildnis im Haar.

Zuwendung
Einsame Artikulation, keine Erklärung bedarf.
Die Bilder sprechen eine klare Position,
mein Fühler, der ewig altes Werkzeug protest-bereit,
analog seine eigene Wirkung vertraut,
meine politische Komponente vertritt.
Wie so viele, flüchte ich.

Zurück bleiben nur leise Töne und die Schlüssel auf der Kommode,
der Wunsch zu überleben, der Sehnsucht nach Heimat
mich auf die nachtblaue See hinaustreibt.

Leidenschaftlich die Worte aus der Melodie des Lebens
ein Rettungsseil knüpfen - nur die Musik mich noch rettet.
Verlockungen und geheimnisvolle Klänge
auf dem tonalen Weg mich erreichen,
verwaiste, komplexe Welten mich berauschen,
mich führen zum Licht.

Süße, saftige Guaven, die Früchte meiner Wahl, mich ernähren.
Und ich fange wieder an, wie ein Kind die Welt zu begreifen.
Hell oder dunkel, die Symmetrie der Farbe des Vorhangs ist schön,
die Erinnerung an die Geranien auf dem Fenstersims
kehrt zu mir zurück, vergessen wirkt die Zeitspanne.

Verletzt und wieder genesen,
in die Arme der Mutter gehalten, Zuwendung erfahre.
Tag und Nacht, hell und dunkel,
auch im Exil folgen sie immer dem gleichen Rhythmus.

Archipel
An Land, die nächste Riesenwelle deine Stimme fast übertönt.
Eine weitere Entdeckungsreise und du bist wieder Kind.
Eine Schulbusfahrt - die Welt, wie ein Klassenzimmer
im Ozean des Wissens schwebt.

Die Sirenen, verführerisch auf einem kontemplativen Bogen
dein Universum betreten wollen, um dich zu überzeugen,
dass du nicht von dieser Welt bist.
Die Sirenen singen - aber du, folgst unbeirrt deinen Wegen.

Du bist der Funke, ein Archipel,
eine leichte Wahrnehmung, die Woge aufzuhalten weißt.
Verspielt deine Wasserfarben der Strömungsrichtung folgen,
auf ihren bunten neuen Bahnen synchron schwimmen.

Zaghaft, die Clownfische den Meeresgrund farbig gestalten.
In deinem Spektrum das eigene Ich viel blauer als im offenen Meer zu finden ist.

Nachtmodus
Im Herbst, ein Anflug vom Sommer.
Nacht, die Hitze des Tages gesammelt,
nachträglich wie ein verspäteter Gruß,
die Rekorde der Vergangenheit bricht.

Der Mond, seine schattigen Seiten in der Frische des Wassers abgelegt hat.
Der Teich, im Garten, gestreichelt von der nachwirkenden Hitze,
vertieft in den Träumen, wellig atmet  -
der Puls des Tages im Nachtmodus darin schwimmt.

Die Äste der Trauerweide hängen ungelenk am naheliegenden Ufern,
kontemplativ im lauwarmen Wasser treiben sie wie verloren.
Auf meiner Seele spüre ich die Spuren der Vergangenheit,
wie laute Töne, die in der täuschenden Ruhe zerschellen.

Unerlaubt, im Freibad des Ortes,
Unbekannte die Nachtruhe vertreiben.
Die Zeit verschwindet in der Ruheschleife.

Kreidezeichnungen
Auf der Bank, im Park, schlafen schon die verlorenen Gedanken,
nur die Risse im Holz sich bewegen,
wie Karusselfahrten die Träume nach dem Sinn suchenden Logarithmen, und doch so einfach ist die Fahrt
durch die verlassene Straße der Nacht, so simpel das Träumen.

Die Streifen auf der gebogenen Straße wirken wie helle Gedankenunterbrechungen,
Lücken springen wie Serien von Zombies unkontrollierbar herum.
Die Straße, wie moderne Tapete auf der Mondlandschaft, gestreift.

Zebras, aus der Wildnis gekommen, pausieren auf dem warmen Asphalt, warten auf die kommenden Passanten.
Das Licht verlässt sein Nest, nähert sich dem Morgen fast unbemerkt,
ein Regenguss die Kreidezeichnungen von der Straße wegspült.

An der Straßenecke, dort wo am mittags der Eisverkäufer
von Kindern umringt ist, wo das Lachen so oft gastiert
und die Freude vergnügt kichert,
mischt sich die Kälte mit dem Morgenduft.

Welke Blätter kleben auf einer abgeblätterten Bank,
wie ein Rettungsversuch einer verlorenen Seele.

Und der Winter dauert länger
Ein einzelner Moment kann größer als deren Summe sein,
und die Gedanken lassen mich nicht los.
Die fremde Welt, trotz Mauern um mich herum,
auf mich beklemmend wirkt.

Die Wahrheit differenziert betrachte und begegne dem Genie von gestern und der Flugartistin von Morgen,
beide in dem Nebel von heute unterwegs.

Sie können die Wärme, die Sonnenenergie in Körben auffangen,
so wie man im Herbst Äpfel und Nüsse sammeln,
selbstlos die Welt mit neuer Nahrung für die Seele versorgen.

Die Grenzen zu einer anderen Welt
lassen mich die Zukunft heute nicht überwinden.
In einer Welt die endlos erscheint, lebt jedes Inkognito,
belanglos kursiert die Kultur, ihre Mission nicht erfüllt.

Im Schatten der Wahlverwandtschaft
sucht der Fremde vergeblich nach seiner Herkunft,
nach der Identität.

Ortsfremd, ohne Gleichgesinnte, vor der Mauer stehe.
Und der Winter im Herz dauert länger als nur eine Saison.

Am Atlantik
Der Sommer bereitet Überwindung der schattigen Welt,
die Sonne noch stärker mit Zuversicht brennt,
noch mehr Wärme in den Kaskaden auf die Erde kippt.
Die Lippen spröde, die letzten Regentropfen halten,
wie fieber-geplagt, die Brise
an den Felsen die letzten Emotionen zerreißt.

Die Erde ihre Bedenken vergisst, einen neuen Wettertrend kreiert.  
Durstig suche nach dem Ozean,
nah am Atlantik paddeln mit den Flügeln will,
Paragleiten über den Zustand der Seele mich erneut rette.

Du bist da, neue Farben bringst, neue Hefte durchblätterst,
wie frischer Tintenduft neue Buchstaben,
in der alten Ausdrucksart erfindest, mein Alphabet, rätselhaft.
Niemand begreift dich, nur die Tristesse dich häufig besucht.

Der Wind fegt schon den Hof für den kommenden Herbst bereit.
Die Gedanken erzeugen weiter klar klingende Töne.
Am Rande des Zenits ein blauer Wasserfall stürzt.

Die Unendlichkeit berauscht sich,
an eine noch nicht gesungene Melodie sich wagt,
Piano spielt, mit mir Sonate komponiert.

Meine Seele wird zu einem Archiv der unerfüllten Wünsche.

Atelierschild
Blau, dein Himmel in weißen Schleifen hängt.
Den Gedankensturm, aus der Wiege des Anspruchs gestürzt,
die Begeisterung Funken auffängt,
leichtes Schweben bringt, die Sinnen berauscht.
Gewagt der Schritt ins Ungewisse umgeleitet wird.

Auf der Tür, das Atelierschild wieder Wagnisse verheißt.
Der Maler befleckte nur bunt seinen Kittel,
der gestern noch weiß wie Schnee war.
Geräumt ist das Atelier, nur die Farbspuren bleiben,
die fast aus der fahlen Tapete raus springen, frei bleiben,
ohne Laute, überzeugend ihre Werte behaupten.
An der Tür hängt das Atelierschild, verkehrt:
Wegen der Hitzewelle, geschlossen.
Wie wild arbeite ich wieder,
an der gleichen Stelle neue Impulse setze, geerdet bin.
Die Welt wartet nicht, nur das Leben klopft an meiner Tür,
die Fantasie willkommen heißt.
Wie in einem Land vor unserer Zeit trampeln die Saurier,
auf der Suche nach frischer Nahrung.
Ein Indianerskalp, als Spur aus der Vergangenheit,
wird in den Staub gerollt.
Rennbahnstimmung. Pferdegalopp meine Wahrnehmung stimuliert,
der Große Wagen im Universum stürzt.
Und wieder, leise, Pocahontas Traum mich besucht.
Die Wachsamkeit, an den Atelierschlüssel gekoppelt,
hängt an der naheliegenden Wand,
mit dem Talisman, dem Glücksbringer von der letzten Reise zum Meer.
An der Sonnenseite des Hauses lebt das Leben wie Überflutung,
Regenbogen und Kapriolen inklusive.

Astronomie
So tief hängt der Himmel, fast schon die Erde berührt.
Soweit der Blick ist, zu erfassen bereit und doch,
so laut der Welt klingt, als wären Eisbrecher Alaska-mäßig unterwegs. Geräuschvoll drehen sich die Windräder.
Startbereit ist der große Wagen am Himmel.
Der Vater erzählte früher, wie die astronomische Konstellation
zu entziffern ist - so weit zurückgespult,
seiner tiefen Stimme noch heute lausche.
Wie ein Ruderer meine Kraft mobilisiere, gekonnt,
über die Generationen hinaus versuche, mehr Sinn zu finden,
als generell das Unwissen hergibt.
Im großen Wagen, mein Ruderboot liegt,
startbereit für die neue Welt-Regatta ist.
Ich orientiere mich, dem Polarstern folgend -
einen Bruch der Ewigkeit in mir trage.
Um die Kunst zu steuern auf dem ungewissen Terrain,
jemand mir als Rassel in die Wiege die Fantasie legte,
komplex und so simpel wie das Atmen.
Schmetterlings tanzen mir die Faszination des Loslassens brachte,
Hände flattern habe ich mir fliegen beigebracht.
Taumelnd ich den Sternenhimmel betrachte,
ein Funke, eine Sternschnuppe sagt ja.
August noch - und schon weihnachtet.
Die Zeit ergibt Sinn, erfindet sich neu,
die Sommerzeit geht verloren dahin,
auf den goldenen Oktober zusteuert.
Leise noch träume - und doch,
so laut die Welt der Sprachbilder anklopft.

Alternativ
Ein kritischer Denker springt raus aus seinem Kokon,
naturgemäß nicht durch Taten, sondern durch die Theorie provoziert.
Die Eindrücke, subjektiv - auf dem Fußboden sitzend
lässt sich das Denken am besten ertragen.
Nah an der Realität hat die Anziehungskraft der Erde mehr Einfluss
auf die beinahe schwerelos in der Luft schwebenden Gedanken.

Dem logischen Willen ausgesetzt,
kommen  die idealistischen Fragezeichnen ihrem Wunsch näher,
das allgemeine Dilemma zu überwinden.
Das Leben, ein Karussell der Eindrücke, die Kamera ist immer dabei.

Das Augenmaß ist auf Sehen geschult,
trotzdem überfluten die Bilder,
die Wände der Dunkelkammer verschieben sich -
mehr Raum, mehr Wahrnehmung, mehr Volumen verlangen. Intelligenz und Talent kommen gegen den Habitus nicht an.
In die alternative Welt die Fantasie hastig sich rettet,
sorgenlos und im Gefühl des eigenen Könnens gut zu leben weiß.

Die Klimaanlage wird im Herbst ausgeschaltet.
Den Winden ausgesetzt, trägt die Welt eine neue Figaro-Frisur.
Und immer wieder blickt die Seele scheu aus der Fester,
ihre Metamorphose zu überwinden versucht.
Das Barometer zeigt, dass der Ozean weit wandert -
nicht nur die Gedanken sind frei.

Choreografie
Kein Tag wie der andere -
die schwache Spur von Grau erneut vertrieben.
Höhen und Tiefen werden durch eine Luftlinie nivelliert.
Eine Schar Vögel ihre Stimmen erproben,
spontan sich sammeln im blauen Gewölbe.

Blicke hinter die Fassade der Wirklichkeit
lassen Rührseligkeit aufschimmern,
unscharf wirkt nur der Horizont,
überrascht von den neuen Schattierungen.

September lebt uns seine Mimikry vor,
Camouflage artig noch sein Blätterkleid wirkt,
die Farben Chamäleon gleich sich je nach der Tageszeit ändert.

Sonnen geküsst wellt sich das Relief Muster,
die Luftdistanzen täuschend verkürzt.
Von hier bis dort tummeln sich Wolken,
agieren mit gekonnter Choreografie.

Hotspots
Das Instrument ist da - und spielt.
Klaviermusik wie ein Katalysator in der großen Halle klingt.
Passanten wenden die Köpfe, den hohen Tönen lauschen,
süchtig nach der Sensation, dass sich die Welt
mit einer Rotation mehr im Schnelldurchlauf dreht.

Wie Donnern rasselt der Schnellzug mit seinen Rädern aus Stahl,
ungebremst in seiner Raserei und dem Willen,
Distanz zu überwinden.
Wie Manifeste fliegen die Tickets hinterher,
flatterndes Licht und Schatten.

Der grelle Schein, der metallene Lärm verschlucken die zarten Piano Klänge.
Orte, Brennpunkte, Hotspots, Eisen, Beton...
Und trotzdem, im Bahnhof, um das Klavier, bleiben einige Passanten.
Die Zeit, wie vergessen, mehr Ewigkeit für sich gewinnt.

Und du, der du noch im Frühling am Klavier geklimpert hast,
die Töne zu Boden fallen liest, mit dem Rest von Buchstaben,
die übrig waren, Fragmente aus einem Buch,
das immer an deiner Erinnerung klebt,
wie Sushi Reis, als dich Asien berührt hat, ohne dahin zu reisen.
Nur deine Fantasie sehnte sich nach dem andern Kontinent,
wie auf einer Art und Weise - flüchtig.

Maritime Träume
Leichter Regen. Die Luft, gesprenkelt und frisch,
die glatte Wasserfläche antippt, wie eine Tastatur berührt.
Im Hafen reihen sich die Fischerboote,
auf dem Wasserspiegel unruhig schwappen,
die Postkartenidylle in einer Pfütze liegt.

September vertreibt den Sommer, ausgeträumt ist die Hitze,
die Erinnerung der lange helle Nächte,
ausbalanciert im kühlen Regen landet.

Vor nicht allzu langer Zeit brannte der Sand noch,
wie Bauch-gekitzelt, kicherte die Sonne,
lebenslang, die Melancholie vertrieben hat.

Nur die Poesie blieb und das Wasser im Hafen in Bewegung.
Blau und dunkel, der Ozean in mir mich weitertreibt,
den ewigen Sommer ich weiter spüre, die Hitze sehe,
im Abendrot gefärbt.

Die Pferde am Strand ihr Echo galoppierend überholen,
immer weiter die Sonne die Entfernung sucht.
Vom Wasser verschluckt, verstummen die Stimmen des Tages,
leise verstreut der Mond glitzernden Weltraumstaub,
die Nacht dunkelblau, ihre maritimen Träume auslebt.

Drehbuch
Aus deiner Fantasie, ein Theaterstück entsteht.
Die Bühne hast du mit deinen Ideen ausgestaltet,
unzählige Notizen gemacht, Kostüme aus Papier gefaltet.

Deine kleine Welt, Fantasie stark ausgeweitet,
mehr Territorium übernimmt,
du dein Debüt als Drehbuchautor vorbereitest.  
Die Ernsthaftigkeit deine Welt noch nicht verlassen hat.

Diskret die Mammutbäume auf der Bühne dich beschatten,
deine Schritte sicher dich tragen, Gedanken atmen mit dir,
und dein Badewasser wird bunt, wenn du die Augen schließt -
bist wieder auf einem Holi Festival - die Intensität des Lichts
dich überflutet.
Wer deine Welt betritt, den nimmt das Glück fest an die Hand.

Ein Pavillon über dem Wasser - Prestige - und ein blauer Elefant,
aus deinem Traum entlaufen - das Alphabet ist.
Und, plötzlich, deine Protagonisten zu dir kommen,
deine Zeilen beleben - deine Bilder voller Sprache,
deine Welt verlassen, um erwachsen zu werden.

Im Süden der Insel, ganz nah an einer Bucht,
wie eine Bastion im Nebel, die alte Ruine grün wuchert.
In deiner Fantasie, ein Theaterstück sichtbar wird.

Umwege
Mein Herz ersehnt.
Fast ungehört, mal lacht, mal weint.
Die Welt, unbeeindruckt, noch sommerlich gekleidet,
auf dem Laufsteg posiert.

Es ist eine Illusion, mehr zu wollen,
oder nur ein Traum auf einer Art gerufen,
weil immer Umwege nehmen zu müssen,
ein Zeuge von mehr Reife ist?


Applaus
Applaudiere nicht zu laut.
Auf mein Trommelfeld hageln immer lauter gewordene Ovationen.
Zu laut wird die Welt, fordert immer mehr.
Getöse im Universum posaunt.

Applaudiere leise. Schau mich nicht an.
Wiederhole nicht wie ein Sprachautomat
die besten Wünsche zur besten Zeit des Lebens.

Das Ideal ist abgeklungen, verschwindet,
wirft keine Schatten mehr auf die Sonnenseite.
Nur der goldene Mond klimpert mit den Wimpern
und lernt zu schweigen.
Lernt die Stille.
Leise wird die Welt.
Der Stoff, aus Träumen gewebt, bedeckt den kalten Boden,
in seiner kühlen Atmung die Impulse registriert. 

Mein Traum, ausgeträumt,
wie ein abgenütztes Kleid auf der Erde unter dem Tau liegt.

Geweint hat der Himmel,
die Wolken aus Norden nach Süden rangiert.
Mein Blick wirkt verloren, wie ein Netz aus Regen tief hängt.

Der Vorhang ist geschlossen, die Gardinen aus Regen
sperren die Sicht zu der Welt Offenheit.

Nur die Gedankennetze bieten so etwas wie
eine täuschende Sicherheit.

Was man will, was man hat, verliert an Bedeutung.
Schau mich nicht an.
Wiederhole nicht die wiederkehrenden Fragen
ob ich wiederkommen will,
ob ich wiederkommen kann auf die Bühne,
um den vergessenen Applaus aufzusammeln.

Lerne zuerst mich zu sehen, nicht wie du mich sehen willst,
mein Bild schiebst du immer nach deinen Idealen passend.

Das Bild fremdelt, im leeren Rahmen klagt die falsche Erwartung,
mit der der Verlust der eigenen Identität einher geht.

Ich zeichne selber mein Bild bis mir die Farbe verloren geht.
Jemand bleibt bei meinem Bild stehen.
Irgendwann spricht das Bild selbst mit lauter Stimme,
die Welt erwacht.
Der Applaus verstummt.
Das Bild, mein Bild, in der erwachten Welt immer lauter wird.


Wie Sommer
Der Frühling ging mit mir.
Ihn trägst du als Umhang.
Um dich hinweg wie Schleier, die Gedanken.

Du wolltest nur schnell,
die Augenblicke sammeln, die noch da waren,
um sie aufzubewahren.
Deine Briefe, ungelesen, Archive füllen.

Das Feuer der Intimität
verbrennt das durchnässte, zerrissene Papier.
Deine Tränen, ein sommerliches Gewitter.



Neuland
Ich weiß es nicht, wann ich das Leben wieder treffe.
Vielleicht treffe ich es wieder in meinem Kopf - Kino.
Und wir haben dort erneut einen Austausch
von Wörtern und Gedanken.

In meinem selbstgeschriebenen Drehbuch
gebe ich die aufgenommenen Gespräche wortwörtlich wieder.
Mit meiner individuellen Analyse dazu.
Verluste treffen Neuland.
Ich spüre jedes Gefühl, das ich schon erlebt habe,
was ich noch erleben will, auch wortwörtlich.

Vor dem Gartentor bilden die Rosen Monumente.
Der Sommer spült die menschenleeren Strände…
Obwohl ich mich so sehr nach dem Leben sehne,
nach Herzansklängen, die Konzertsäle füllen.

Dennoch, rede ich nur mit dem Wellengang.
Ich bin leise, von der Einsamkeit des Meeres betäubt.


Enzyklopädie
Die Sprache ist wie die Musik,
instrumental kommt sie in Begleitung.
Ein  Lexikon der Akkorde sich öffnet.
Schräg, blättert der Wind, die Inhalte durchlüftet.

Manchmal bleiben die Wörter zurück hinten dem,
was sie sagen wollen.
Oft muss ich mich zufriedengeben mit der Meeresstille.
Und das Leben lernt warten.

Ich vermisse, dass jemand in mir etwas wahrnimmt,
was ich selber nicht wahrnehmen kann,
weil ich mir zu nah stehe. Und schweige.

Stumm sein ist eine Art Verweigerung.
Reden ist geäußerte Liebe.
Ob die Liebe durch Abwesenheit glänzt?

Ich weiß es nicht.
Ich bin keine Enzyklopädie.
Ich bin kein bisschen weise.

Kosmonaut
Frisch ertappt, die Welt bremst ihre galoppierenden Allüren.

Der Zaun kippt, die Pferde wild ins Universum stürzen,
wie Kosmonauten auf der Marsmission ihre Schwerkraft ablegen.

Fliegen muss gelernt sein, Liebe geschieht.

Das optische Vermögen innerlich das Geschehen
kaleidoskopisch widerspiegelt.
Die Träne läuft Gravitation bedingt, zerschellt ihre Rundungen,

Denken vergeht nicht.

 



Allürenfrei
Die Frau, wie eine schützende Decke die Welt umhüllt.
In ihrer sanften Umarmung,
dem Blau des Himmels näher kommt und noch mehr Blau versprüht.

Allüren frei kommt der Sommer.

Ein seelischer Zustand mehr, das Leben verträumt,
ein Puppenspieler die Tastatur berührt,
der Rest ist einfach Mensch, dem Augenblick ausgeliefert.
Der Zeitgeist entscheidet über vieles,
archaisch ist nur das menschliche Verhalten geblieben.


Lichtung
In Wald verdichten sie sich die Geräusche,
barfuß und doch der Zivilisation verfallen,
der Mensch bleibt selbst, bei seiner Vision ausharrt.
Das Moos, ein Traum in den grünen Gefiedern verfangen.
Die Spuren, immer noch befangen,
sich dessen Verlust bewusst, entfernen sich.
Der Waldboden, immer treu,
den Geruchssinn der Spurhunde betäubend,
der Ursprung aufbewahrt, im Reinen mit sich ist.
Am Teich, Seerosen schweigsam das Wasser betrachtend,
der Blick verloren und doch,
in der der Ewigkeit eingraviert,
sein Platz, obwohl schon gefunden
immer noch in der eigenen Sucht,
nach mehr emotionale Betäubung verlangt.
Lachen und berühren, ein Teil davon
um gegenwärtig zu sein, versunken in der Lebenslust,
in der Melancholie.
Wenn die Welt mal wieder runtergeht, klettert die Welt erneut immer auf den gleichen Platz zurück.
Verändert, mit anderen Einsichten, wieder das Universum erobert.

Die Lagune
Abgedunkelt, abgetreten,

geht die Nacht in ihre Nische.

Im Blau der Gedankenwelten
zappeln die Ideen bunt,
schwimmen  wie die Nemo-Fische.

Ruhe badet in der Lagune, 
Gold gesprenkelt glänzt das Wasser
in der grellen Mondscheinglut.

Sterne hängen noch am  Himmel, 
strahlen in Zuversicht und Mut.

In der römischen Arena 
Staub bedeckt den alten Schutt.


Print
Durch eine zarte Schicht aus Gold

strahlt die Sonne heute wieder.
Helligkeit am blauen Himmel

reißt die Wolken in den Abgrund.
Nur die Spitzen von den Bäumen

starren unbewegt nach oben,
die ganz klare Himmelsfarbe krönen.

Wilde Blumen auf der Wiese kichern leise,
fast schon schüchtern.

Bunt, rollt der Print in neuen Mustern.
Die Zikaden, flügel-zart,
prüfen luftig die Akustik
mit empfindlichster Wahrnehmung
brechen den Schall, die Ruhe zittert.
Musikalisch unterbrechen die Geräusche

die erschlaffte Tagesordnung.
Sonnenblumen, knallig gelb,

richten aus die Köpfe wieder.
Wo im Frühling der Flieder duftet
lassen sich die Rosen nieder,

wild, betörend mit ihrem Duft
schweben zart in Sommerluft.

Vor dem Gartentor, unschlüssig,
wartet schon der Herbst geduldig.

Wie Sommerregen
Salopp, in dem sommerlichen Gang,
geht die Hitze leicht verloren.

Wolken, wie weiße Leinentücher
auf einer haltlosen Wäscheleine hängen.

Immer wieder krachen Stürme.
Das menschliche Gerüst zu oft wackelt,
wie ein unkontrolliertes Tourette-Syndrom
manifestiert sich der Widerwillen.

Sich zu äußern ist nicht einfach,
wo lernt man sprechen, 
wenn die Sprache verlorengeht,
ohne die Initiative zu ergreifen,
weil es zu viel Überwindung kostet?

Kompetenz
Alte Spuren auf den neuen Leinwänden
leben wieder Renitenz,
Frustration und Lust keifen sich im Ring des Willens
um erhabene Präsenz.

Von nichts Können wird verlangt
immer mehr von der Kompetenz
des angeblichen Könnens.

Beraubt wird der Baum, 
der in diesem Jahr erneut
keine Früchte trägt,
keinen schicken Glanz versprüht.

Nur die Blüte im Frühling täuscht
über den Verlust der Fertilität hinweg.

Zu viel erwartet die Welt,
schöpft immer noch an der gleichen Stelle, 
obwohl nichts zu holen ist.

Das Kind in dir
Dunkel kommt im Herbst das Licht
in morgendlichen Gang.

Wellen aus der Vergangenheit
spülen an die neuen Ufer Überreste,
Flaschenpost und Plastikbeutel.
Steinen, Farben und Strukturen
liegen unter einem Netz aus Tang.

Die Gedankenkette hängt am Himmel-zugeknotet.
Wege sind unendlich lang.
Wenn die Wege immer laufen,
sich entfernen in schnellen Schritten
von dem eigentlichen Ziel,
und nicht wissen, welche Richtung,
ist die Entscheidung schon zu viel.

Blau das Wasser sich  bewegt,
der Wind aus Norden kommt und pustet
die Impulse weit hinaus.
Morgenlicht spiegelt sich leicht,
erleuchtet zart den blauen Dunst.

In den Häusern der Gefühle 
jedes Kind lebt seine Kunst zu entdecken immer neu,
ohne Pein und ohne Schrecken seine Zitadelle baut.

Sommer
Blau und Weiß lavendelfarbig schiebt der Himmel sich voran.

Gleich die Wolken mitgezogen wie ein Königsuntertan.
Im Süden brennt die Hitze.
In dem grünen Zeug des Meeres hängt gespült die Sommerwäsche.
Die Konstanz auf der Wellenlänge knistert leiser Liebestöne.

Fische schwimmen durch den Tang.
Die Zeit schlendert unverändert in ihrem leichtfüßigen Gang.

Am Strand, verlassen wirkend, trägt die Brise Meeresduft.
Nur Bedenklichkeit verfolgt den Gast wie eine lange, schwere Kluft.

Süß und bitter ist die Last.
Gedanken tragen ihre Schleppe, ohne Ruhe, ohne Rast.

In der Tiefe der Gedanken mischt sich Nacht- und Tageslicht.
Neptuns Kind springt von der Klippe, schwebt ins Meer ohne Gewicht.

Meereswasser badet selber, spritzt nun witzig kalte Gischt,
tobt in den Lauten des Konzertes, Kinderspuren launisch wischt.

Einfachsein
Laut schlägt die Welle am Ufer,
Wellen der Aufmerksamkeit empor.
Grollend der Gischt sich ausbreitet,
das Wasser an der Oberfläche berührt, reinbeißt.

Lieblich nur die Farbe des Himmels,
in dem Azur sonnt sich die Fröhlichkeit.
Das Vergessen am Rande der Inseln
die Vergangenheit schaumig rein wäscht.

Nur die Gedanken gehen baden,
missachten die Begrenzung des Potenzials.
Keine Grenzen im Kopf,
aber die Logik in die Sinne reinwächst.

Das Meer riecht nach der Weite,
nach Tang und Wagemut.
Kinetische Energie begegnet der Ruhe,
löst die Verkrampfung.

Die Fischer räumen ihre Netze auf,
lösen die Verkettung des komplizierten Lebenswahnsinns.
Barfuß am Strand läuft das Einfachsein,
lacht und nicht mehr grübelt.



Schiffbruch
Immer weiter hinaus aufs Meer 
treiben Wellen ihr laute Spiele.
Himmelweit am Horizont distanziert sich
nur die Weite des in die Länge gezogenen Blickes,
Abschied nimmt von der weltlichen Idylle,
neue Horizonte mit gewagtem Schritt erreicht.
Sich die Frage stellt,
ob die Zeit es wert war, auszuhalten,
wohin mit dem Ballast, der keinen belasten soll,

warum immer ungewollt Nebenprodukte entstehen,
warum die Last immer größer geworden ist?

Ungewollt häuft sich immer mehr der Abfall,       
ungehört bleibt die Absicht des Guten.
Weltraummüll hortet eine Unmenge Schweigen.
Schlag auf Schlag hallt etappen-mäßig die
Erfahrung,
das Leben sich wehrt,
um seine Gültigkeit kämpft,  
sich dagegen stemmt.
Unendlich stark ist die Kraft des Ozeans,
am Ufer betörender Lärm,
der die Stimme des Menschen nicht zur Geltung kommen lässt, übertönt den pulsierenden Wunsch,
das Sagen stirbt mit jeder Welle der Belastung,
eine Sekunde
mehr, wird gelöscht, die Tinte verwischt,
tränen verdünnt.
Ozeanwasser kracht, am Ufer der
Bedürfnisse rütteln.
Zu mächtig ist der Drang zu widerstehen,
über Bord zu gehen, die Wahrheiten im Wasser zu reinigen.
Jeder Mensch seine Sicht der Dinge erhalten darf.
Kommen will, gehen darf.

Smog
Ich suche die Stille.
Wie eine Smogglocke bedecken die Geräusche
doch die süchtige Welt eines Autisten.
Das tobende Leben spielt sich vor den Geistesaugen ab,
der Ton, schrill und abrupt.
Das Piano verstimmt.
Der Weg nach draußen führt ins Leere.
Rau ist das Wippen des Wortes,
Krater im Gehör entstehen,
dämmen die hohe Lage der Vokabel.
Das Wort erzwingt die Ruhe,
ihre Verankerung zu verlassen.
Ihre nicht stabile Lage wackelt,
Kanten durchbohren die glatte Oberfläche
des längst gewobenen Schutzes.
Die innere Welt bebt,
Gedanken rennen in alle Richtungen,
geflochtene Wege entstehen,
verworren ist die Masche des Verstandes.
Der Versuch, durch die Synapsen-Netze
zu entkommen, scheitert erneut.
Neu: Der Wille, es wieder zu versuchen,
zerrt an der Abwehrsicherung.
Zu mir, nur ein Schritt in die richtige Richtung,
wenn die Richtung nicht abkommt
von der eigentlichen Vorgabe.


Träumer
Was sagt man zu einem Träumer,
wenn die Träume ausgeträumt sind?
Dass die Träume, in ihren leichtfüßigen Gang
Schlieren hinterlassen haben, goldene Pulver,
das bei dem ersten Windstoß umso mehr getragen wird?
Das die Finger taub bei der Abrieglung werden,
das Tor, geschlossen, kein Besucher mehr duldet?
Du, vor dem Tor wartest, dein Traum abzuholen bereit
auf dem Weg zu dir verloren ging?
Deine Hand in das Vakuum greift,
betreten ist die Grau-Zone des Verlusts,
erstarrt schützt der Abwehrmechanismus
den verlorenen Gedankengang.
Das Kind in dir hat immer noch Angst,
ewig als Kind bleibt, schüttelt an der Abgrenzung.
Dein Bild in dem Foto-Shop retuschiert, lächelt dich an.
Grimassen schneidend, testest du, ob es dich wirklich gibt
oder nur ein Schatten des Wollens dich umhüllt.
Deine Haut, nur eine Vorlage für die Kosmetikindustrie dient.
Dein Denken, jugendhaft über die Jahre bleibt, geht nicht.
Nur dein Traum geht, allein, die Hintertür leise schließt.
Deine Existenz überhaupt nicht zu existieren scheint.
Den Traum begleitet sein weiblicher Doppelgänger.
Erschütterung an das emotionale Gerüst
sich der Erinnerung noch krallt.
Was sagt man zu einem Träumer
wenn das Leben aus seinem Traum sich dahin schleicht,
ohne sich zu verabschieden, ohne der Rückzug des Sichtbares in der Sicht der Erkennung einzugliedern?

Meditation
In den leisen Morgenstunden,
liegen die Gedanken schläfrig, in der Nacht,
der Mond hielt wach.
An dem blauen Himmel kleben weiße Watte-Wolken,
kein Regen kracht an seiner weiten Pforte,
schon die Worte, ausgedient, liegen noch in sanftem Schlaf.
Die Ideen reifen langsam.
Laut pendelt die Minute, in der Meditation versinkt,
monoton schlägt Ton nach Ton.
Die Gedanken, in der Ruhe eingewickelt
wandern weiter und verschwinden, leise, in einer Illusion.
Wie ein Gott gastiert die Sonne auf seiner himmlischen Plattform.
Auf der Straße, rollen Autos, die Geräusche noch verstummt.
Jemand spielt an der Tonanlage, bis ein Wagen voller Lasten
rollt den Hang hinunter, brummt.

Regenspuren
Der Himmel wirkt verwaschen,
seine Farbe durch die Nässe verloren hat.
Das Grau, dezent verfolgt die Spur des Blaus.
Die Wolken stecken ihre Köpfe eng zusammen,
der Frühling ungezwungen wirkt und lacht.
Der Regen, mal wieder auf der Tastatur
das Tempo angegeben hat,
die Straße wirkt kalt und nass.
Die Spuren des Regens
neue Wege der Entladung suchen.
Das Wasser durch Erde unermüdlich wühlte.
Vergessen ist die kalte Zeit des Winters,
die Luft ist frisch, das Grün der Wiese heiter macht.
Die Blüte in den Bäumen wiegt schwer,
die Vögel rufen laut ihre musikalischen Akkorde.
Die Welt aus seiner Lethargie langsam erwacht.
Vergangene Nacht ist längst aus der Erinnerung verschwunden,
gegangen sind die Träume,
ihre Wirkung doch entfalten ist.
Vom Träumen werde ich niemals satt.
In meiner Hand ein zartes Rosenblatt.

Die Brücke
Gewagt der Schritt. Enorm ist die Überbrückung,
über der Moldau die Karlsbrücke ins Leere schaut.
Die Wege in Prag - wellig dein Weg unter dir gleitet,
du, über das Wasser der Erkenntnisse gehst.
Am Ende der Gasse,
die Synagoge deinen Echoschritt verschluckt.
Nur dein Schatten dich begleitet.
Anonym blickst du über die Touristenmassen.
Deine  Prag, auf die andere Bühne stolziert.
Deine Bühne, ungewollt von dir betreten,
hinter dir zusammenstürzt.
Du atmest kaum - dich atmet die Welt.
Zwischen den Seiten deines Buches gefangen
dringe ich mehr, mehr Freiheit wollend
in meiner Welt der Erkenntnisse verliere ich noch mehr. Die Basis wackelt.
Die illusorische Betäubung Abschied nimmt und geht. Über Doktrinen stolpert.
Die Sensibilität bleibt, wie einen verloren gegangenen Mantel deine Wahrheit bedeckt.

Schnee im Frühling
Du baust dein Haus um.
Am Zaun drumherum, die Rosen schlingen Serpentinen. Verspielt, rätselhaft, der geheimnisvolle Sehnsuchtgarten um dein Haus wächst,
mehr als zuvor in deiner Wahrnehmung ansteigt.
Die Wünsche nehmen zu, fühlen sich geborgen.
Im Frühling gießt oft unerwartet Regen.
Wiederholt niest der erkältete April,
scherzhaft mit seinen Wetter-Kapriolen spielt.
Wie nach einem langen Marathon
ermüdet scheint die Sonne.
Sie erwacht dann doch rapide aus ihrer Lethargie.
Gepuscht am Horizont, zeigt sich umständlich das Licht, rauf katapultiert auf neue Bahnen.
Im kalten Bode
n die Fruchtbarkeit explodiert.
Geteilt werden die Hoffnungen auf bessere Zeiten.
In den Bäumen hängen die Blüten schwer.

Die Bäume überschütten deine Schultern
mit ihren Blütenblättchen -
wie Schnee,
der im Früh
ling dich träumerisch verdeckt.
Du baust dein Haus um.


Die Schönheit des Moments
Die Kirschblüte hängt schwer.
In dem Einblick des Moments wächst die Schönheit
in ihrer puren Form, wagt den Sprung,
aus der Detail-Klammer sich zu befreien.
Mutig der Gang in die Tiefe des Empfindens.
Die Augen, geschlossen,
sehen mehr als der Blick vortäuscht.
Auf den zartrosa Blättern sammeln sich die Wasserperlen, die Unschuld weint ihren Aufbruch,
einen neuen Raum betreten darf, gehen muss.
Engel weinen nicht.
Die vergangenen Tage gehen auch verloren,
Wochen, Monate rückwärts vergehen.

Hier und da blättert die Erinnerung ab.
Die Kolonial-Gebäude vertreten eine andere Ära, liebkosen den heutigen Zeitgeist,
Versprechungen einzuhalten.
Buena Vista, Sozial-Club.
Die Klarheit der klingenden Töne bricht die Form ab,
der Eisblock, die Kälte zerschellt.
Der Baum im Obstgarten des Onkels
schon ewig seine Wurzeln eingeschlagen hat
in seinem Wunsch das zu halten,
was einfach verschwinden kann, jetzt auf gleich.
Wo sind die Gefühle geblieben,
das Zittern der Hoffnung in den Mondschein festlich eingepackt?
Das Rauschen des Meeres sagt das Konzert ab.
Am Strand picken die Möwen die Reste der nächtlichen Spuren, das Scheitern des Gesagten.
Wie weiße Friedenstücher flattern sie,
wenn sie
in unendlichem Blau der Endlichkeit baden. Einsamkeit breitet dunkle Flügel aus,
schattiert ist die Welt der Illusionen,
trotzdem die Liebe existiert.
Aus der Ausklammerung holt sie die Freiheit,
mehr zu leben, mehr zu bewirken,
als in der Klammerung des Verlusts auszuharren.

Der Gast
Zittriges Licht spaltet die Dunkelheit.
Nur ein zahmer Lichtstrahl vom Mond kommend traut sich, flackern der neue Tag grüßt. Tiefsee taucht.
Der Gast am Brunnen genießt das leise Geräusch.
Die Töne rinnen, in ihrem Flüstern
die Sprache der Welt entziffert wird.
Gurgelndes Wasser musiziert.
Töne bleiben in dem feuchten Netz hängen,
beschweren die perlenden Wasserpartikel,
fallen instrumental, formen das einzige Duett.
Tag und Nacht an der Wiege der Begegnung zauberhaft schwebend Ballett tanzen.
Am Brunnenrand klatscht die Nässe,
bewundert ihr eigenes musikalisches Talent.
Der Gast gibt sich seinem eigenen Traum hin,
schippert auf sanften Gewässern,
seine Schüchternheit verliert.

Scharade
Ruhe herrscht im All der Träume,
meißelt leise Schicht für Schicht.
Zwischen Licht und Schattenwelten
eine Welt der Farben bricht.

Schicht um Schicht bröselt ab der Alltag,
Räume für die Träume formen.
Warm erstrahlt in hellem Licht Wohlgefühl -
in Kaskaden strömt.

Blauer Himmel spielt Scharade,
spiegelt sich im Meeres blau.
Schatten stellen sich zur Schau.
Fruchtig schwebt Orangenduft durch die Hitze in der Luft.
Keine Spur von Himmels grau.

Frühling
Gold umfasst die Welt.
In Strahlen kippt die Sonne starkes Licht.
Nur ganz hell, keine Dunkelheit in Sicht.
Nur ganz leicht, ohne Gewicht,
rollt die Welt ins Ungewisse.


Flexibilität
Licht bohrt sich durch die Dunkelheit.
Inseln der Hoffnung wie fliegende Objekte
auf dem Himmel Zauberei betreiben.
In dem Sternen Haus grün leuchten die Wände,
das Meer der Unendlichkeit Türkis schimmert.
In der Tiefe schwimmt das Gefühl der universellen Wahrheit.
Auf einer träumerischen Kordel mache ich Sprünge,
durch den universalen Raum schippe.
Ich, unverbesserliches Matrosenkind,
nähere mich an die Halterung an,
sprinte von dem Anker Lichtjahre entfernt.
Der Horizonthafen spielt mit mir Experimente,
die Legende von der Fata Morgana existiert doch,
sagt mir die sonst schweigende Wüste.
Stimmen. Geflüster. Farben Überflutung.
Irgendwann besuchen mich die Visionen wieder,
erschüttern mein Alltagsbild, das von Krümeln sich ernährt.
Am Rande der Welt, an den Ecken und Kanten reiben sie sich, die schon existierenden Wunden.
Die Berührungspunkte epidermal kratzten.
Unausweichlich neue Krater auf der emotionalen Landschaft entstehen.
Den Weg uneben gestalten. Mein Weg. Dein Weg.
Flexibilität klebt hartnäckig, wie ein Schatten der Unvernunft den Zeitgeist unseres Weges verfolgt.
Bei jeder Bewegung bewegt sich die Welt, unbeholfen humpelt.
Die Weichen machen rostige Geräusche, hinterlassen Schlieren. Spuren der Vergangenheit gehen rückwärts.
Artisten Kinder springen Seil,
immer wieder aufs Trapez ihre Blicke richten,
dort, die Zukunft sie sehen.

Halt
Hände fühlen.
Hände haben, um zu berühren.
Abzutasten, zu empfangen, zu betonen, zu verlangen.
Festzuhalten, loszulassen.
Die Gefühle anzufassen.

Bahnen der Sehnsucht
Der Winter hat sich zurückgezogen,
atmet leise die frische Luft ein.
Kaum Schlaf, zu viele Gedanken,
Eindrücke in dem Haus der Gefühle…
Zu viel erlebt, zu schön der Schlag der Lebendigkeit.
Goldenes Licht spiegelt sich, auf dem welligen Wasser zittert.
Später gehen die Lichter aus.
Der Wein ist getrunken.
Nur ganz leichter Lilienduft schwebt subtil in dem Raum.
Die Welt ist still, ruht.
In der Dunkelheit  gehüllt, schlägt das Herz immer lauter.
Meine Welt scheint wie verlassen.
Immer wieder durchqueren Wärmebahnen der Sehnsucht.
Die Augen, geschlossen.
Die Träume kitzeln die Augenlider.

Sinn
Das Licht ist scharf, die Ruhe tief.
Wie in einem alten Stummfilm bewegen sich die Leute.
Ein Schmetterling, auf meiner Schulter gesetzt,
in einem Anfall von  Optimismus,
berührt meine Gedanken heute.

Kinobesuch
Federnd springe ich durch eine diffuse Welt.
Nebulös, am Rande seiner Möglichkeiten, der Himmel schweigt,
im Nebel, wie eine verrauchte Gardine trostlos hängt,
die Eintrittskarten für den möglichen Kopfkinobesuch quittiert.

Die Luft, vernetzt.
Wasserpartikel bilden feuchte Schichten,
meine erfrischte Wange wölbt sich entgegen,
fängt die zärtliche Berührung.

Die Wimpern hängen noch, von der Dunkelheit der Nacht erschwert, tragen die Schminke des Mondes.
Die Augen geschlossen.
Der Blick nach innen gerichtet schweigt, weiter träumt, schlafwandlerisch den Vorgang zur Seite schiebt.

Guten Morgen, Helligkeit,
unvergesslich die Sommersonne in der Wartehaltung erstarrt.

Gemälde
Die Nacht hängt still, wie ein Gemälde.
In der dunklen Welt kein Schatten sich verirrt.
Nur ab und zu die nasse Straße glänzt.
Der Mond zwischen den Wolken irrt.

Ganz unerwartet knistern die Geräusche,
meine Aufmerksamkeit wird hochgefahren, aktiviert.
Es ist der Wind, es ist nur Täuschung.
Die Luft, zittrig und melancholisch, berührt die alte Tür, vibriert.

Es kommt in regelmäßigen Abständen, verdrängt die Ruhe, kratzt.
In der Dunkelheit überwintert die Kälte,
der Frühling kommt doch wie erwartet,
auf die Schwarzgrundierung knallig platzt.

Die Straße rollt betucht in der Stille,
der Himmel nur hängt tief und träumt.
Gedanken wandern willenlos.
Verloren in der Vergangenheit,
berührt die Stunde erneut die endlose Schleife der Zeit.

Atmen
In die frühe morgen Stunde, ganz verschlafen sieht die Welt.
Rote Streifen ziehen Grenzen zwischen den zu knappen Grau,
das verloren schwimmt und mischt sich
in den leicht verwischten Blau.

Melancholische Gedanken nach einer schlaflosen Nacht
wachen noch auf  ihren Posten.
Warm und ruhig füllt die Atmung die Lebendigkeit in mir.
Ganz verträumt sucht nun mein Herz.
Lebensmut und Lebensgier.

Mondstaub
Wenn der Himmel nicht mehr Blau,
sondern in der Dunkelheit flüchtet,
läuft das Gedankengewirr auf den verlassenen Straßen
und überwinden die imaginären Schranken bei Mondschein.

Kein Weg ist zu weit um zu finden, was man sucht.
Oder ist die Liebe oder der Wehmut bei Abschied.
Immer wieder verfangen sich die Gefühle
in dem Gedankennetze.
Immer wieder ertönt das gleiche Lied
und der Mond weiter mit dem goldenen Staub pulvert.

Grüne Töne
Auf dem weißen Tellerrand das Licht glänzt,
auf leichten Füßen helle Schatten wandern.
Lichter funken, springen lustig auf der Wand.
Narzissen voller Pracht tauchen leicht in knalle Gelb.
Leichtes Blau am Himmel schimmert.
Wolken ziehen weiter, drängeln.

In der Fantasie, nur Engeln, Menschen sind gut,
in die Seele kehrt die Ruhe.
Zeitungszeilen ganz zerstreut, Fachliteratur und Prosa
liegen brach und ausgedient.

Draußen dunkelt es noch mehr.
In dem Panoramabild bleibt der Winter starr und wimmert, subtil verschwindet.
Bäume starren unbewegt, grüne Töne unbeholfen
zwischen weißen Inseln springen.

Die Natur, noch karg beleuchtet, nach der Frühlings-Atmung durstet. Leichter Wind die Wiese bürstet.
Das Plissee Kleid wellt sich leicht, parfümiert ist der Frühling.
Badet im Grün.

 

Mit der Zeit
Langsam schleicht sich das Licht.
Blau, aus der Dunkelheit entfesselt,
poliert seinen Glanz bei der Reibung mit der Zeit,
klopft an dem Haus des Gefühls.
Immer lauter ertönt das Echo, will gehört werden,
versucht zu bestehen.

Der große Saal ist leer.
Bis jetzt, noch nicht betreten,
noch nicht offen gewesen, auch nicht richtig verschlossen,
mehr in einer anderen Realität schwebend,
in der Entschlossenheit zu gehen.

Statisch fixiert, lebt in dem Körper eines Vogels, beweglich, paragleitend über die Berge, über die Hürden des Wollens.
Im Schwindel der Bewegung kreist er immer wieder,
pickt immer mehr Weltraummüll, verschluckt sich, hustet Vokabeln. Wird leichter und schwerer, kompensiert zugleich die Balance. Kreischt wie eine Möwe, durchquert die weltlichen Gewässer,
strömt in Weiß, sucht nach dem Frieden, nach der Erlösung.
Nach der endlosen Weite.

Tunnelblick
Ein Licht am Horizont spaltet die Dunkelheit.
Die Traumwelten sind bereit dich aufzunehmen, dich zu berauschen. Nur Stille und wieder Stille kannst du in der weiten Ferne lauschen. Am Herz vorbeifahren die Züge voller Erwartung
in einer nur dir bekannten Richtung.

In deiner Gedankenwelt begegnest du abwechselnd,
mal dunklen Seiten, mal heller Lichtung.
Und ich, am Ende der Welt, am Bahnhof der Begegnung wartend, berühre deinen Traum.
Die Welt, ganz still, rollt weiter auf den Gleisen,
beachtet dich doch kaum.

Papillon
Papillon, fliege in der Richtung Norden
gleich mit dem Luftballon.
Nicht nur in seinen Schatten,
sondern gleich in dem Wettkampf.
Dein Leben gleicht einem Marathon.
Dein kleines Herz, wie deinen Flügelschlag,
treffen den gleichen Rhythmus, der gleiche Ton.
Die Augen, gleich geschlossen.
Ein leises Flattern, eine Illusion...
Edith Piaf schmettert Chanson.

Produktiv
Was zählt, ist das Endprodukt. 
Eine ganze Reihe von Zeilen,
Makulatur so hoch gestapelt, wie ein Viadukt.
Weil man als Makulatur betrachtet.
Wer schon auf dieser Welt nur achtet,
was hier und jetzt gerade nun entsteht?
In welche Richtung, die Kreativität soll fliegen,
ihre Zelte verlassen?
Nur die Mühe loben, ist nicht der Mühe wert.
Wo fängt die Qualität an, wo hört die Banalität nun auf?
Die ganze künstlerische Arbeit als Ware zum Verkauf?
Eine Vision, lässt sich doch nicht verkaufen.
Gedanken wollen frei der Welt entgegenlaufen.
Gewollt ist nicht gekonnt.
Die ganze Wetterfront steht einem doch dagegen.
Die Leute stehen nicht in der Schlange meiner wegen.
Unsere Zeit begrenzt.
Wozu die Kompetenz, der ganze Lebenskram?
Die ganze Fähigkeit, schon bei der Geburt geschenkt bekommen. Keine Bedienungsanleitung dazu gelegt.
Ob ich damit umgehen kann, mit dem ganzen kreativen Wahn,
mit der Gedankenüberflutung? 
Die schönsten Blätter sind immer noch weiß und unbeschrieben.
Man lernt die Wortabwesenheit auch lieben.

Land der Schatten
Der letzte Zentimeter,
der letzte Schritt bis zur anderen Seite der Insel.
Der letzte Strich, bei schlechtem Wetter ausgeführt
mit einem abgenützten Pinsel.
Ein letzter Atemzug, lang geht und doch nur kurz weilt,
bevor die Seele Abschied nimmt und weiter ihre Reise treibt.
Noch mal  eine warme Umarmung,
noch mal ein letzter Blick bevor der Nachtzug weiter fährt.
Der Klang des Abschieds einsam bleibt, zurück nach Hause kehrt.
Der letzte Ausweg, die Selbstzerstörung,
Stück für Stück entfaltet sich der stumme Schmerz.
Die Leute lachen, denken, du machst einen Scherz.
Der letzte Ausweg ist in die Stille fliehen,
loslassen von dem ständigen Tauziehen
zwischen was war und was kommen sollte.
Für dich ist es ernst genug.
Du bist noch da, nur weil ein ganzer Schwarm von Schutzengeln
über dich andauernd wacht.
Du bist nur wach, weil tausend Geistesblitze
um dich herum ganz laut krachen.
Der letzte Ausweg
, für dich, das Licht in dir ausmachen.
In der Dunkelheit, im Land der Schatten tappen.

Postfach
Feder und Tinte auf die Seite gelegt.
Rasche Handbewegung.
Die Spuren des Gewollten, aufgeräumt.
Wo bist du denn geblieben, großes Kind der Traurigkeit?
Hat dich jemand mitgenommen?
Auf eine weitere Reise mitgeschleppt?
Bist doch du geblieben, trägst immer noch die abgerissene Jacke.
Die Schuhe mit den kaputten Sohlen
schleppen dich immer noch auf die Straße der Verzicht?
Denkst du nach, umzukehren, die Feder aufzuheben,
die Finger mit der Tinte zu bekleckern,
deine Indianermaske aufzusetzen,
aus alten Mustern auszubrechen willst?
Dein Postfach bleibt leer.
Niemand will dich, weil du dich weigerst,
erwachsen zu werden lehnst du ab.

Ausgeflogen
Die Welt wird leise.
Der Stoff, aus Träumen gewebt bedeckt den kalten Boden,
in seiner kühlen Atmung die Impulse registriert.
Mein Traum, ausgeträumt,
wie ein abgenütztes Kleid auf der Erde unter dem Tau liegt.
Geweint hat der Himmel,
die Wolken aus Norden nach Süden rangiert.
Mein Blick wirkt verloren, wie ein Netz aus Regen tief  hängt.
Der Vorhang ist geschlossen,
die Gardinen aus Regen sperren die Sicht zu der Welt Offenheit.
Nur die Gedankennetze bieten so etwas
wie eine täuschende Sicherheit.
Was man will oder was man hat, verliert an Bedeutung.
Das Ideal ist abgeklungen, verschwindet,
wirft keine Schatten mehr auf die Sonnenseite.
Nur der goldene Mond klimpert mit den Wimpern
und lernt zu schweigen.
Lerne die stille Welt zu begreifen.
Die besten Wünsche zur besten Zeit des Lebens sind ausgeflogen.

Helle Welt
Sonnig kommt im hellen Licht der neue Tag in altem Glanz,
Grade spielen Klarinette, jetzt, im Frühling, keine Glätte,
nur noch später Sommer im Gefühl.

Kein Gewicht von schwerem Schnee
deckt die Welt in weißen Schichten.
Am Horizont, die dunklen Schatten, huschen leicht wie die Artisten, klettern weiter in die Tiefe, Hieroglyphen Spuren kritzeln.

Wolken mit den schweren Tatzen
ziehen langsam immer weiter an der Leine des Zenits,
klammern sich an Defizite, abgeseilt, nicht sein zu können.
Oben hängt ein blaues Zelt.
Wogen der Begeisterung schütteln leicht die heile Welt.
:

Gefühlt
In den stillen Morgenstunden wächst die Gier nach Zweisamkeit.
Hoffnung klettert auf die Mauer, gar kein Weg scheint doch zu weit, wenn am Himmel Sterne glänzen,
Augentiefen zwinkern leicht, baden tief im Tränenteich.

Kritzeln auf die Haut, wie Striche,
kribbelt leicht im leisen Ton.
Die Musik in der Welt der Elfen streichelt sanft und monoton bis die Pauken der Gefühle trommeln wild und unerwartet,
neue Töne von Zweisamkeit in des Herzens Tiefe dringen.

All die Schwere fallen lassen.
Leicht bewegt sich sanft der Wind, zart berührt und leise streichelt, widerspenstig lacht das Kind.

Auf die Mauern weiter klettert, reißt ein Stück vom Himmelsblau, steht mit großer Augentiefe.
Träume schaukeln in den Abgrund.

Mond und Sterne sind gegangen, nur das Leben lockt und kitzelt. Küsse haften auf deinem Mund.

Wunschliste
Ich würde gerne so was haben, was man mit sich trägt.
Wie eine Handtasche, die belanglosen Dinge
von hier bis dort transportiert.
Ich will selber nicht alles tragen müssen.
Lieber hätte ich die Leichtigkeit, beim Gehen fast schweben zu können, so wie es die Verliebten es tun.
Ich würde gerne so was können, was mich stoppt,
bevor ich anfange mich zu rechtfertigen oder zu erklären versuche. Gerne hätte ich aus der Nichtigkeit feines Schmuck fertigen können und wie Robin Hood die Schulden anderen tilgen.
Ich würde gerne etwas tun, wie einen Riegel quer schieben,
um zu verhindern; dass die Zeit immer weniger wird.
Ich würde gerne gut malen können und auf dem Himmel,
mit einem Pinsel, rasante Looping Bewegungen fest halten.
Nicht nur, sondern auch mitfliegen.
Ich würde gerne ein flüchtiger Gedanke sein können und weit reisen ohne die Tickets einlösen zu müssen, bevor ich die Fähre betrete.
Ich würde gerne einsame Bäumen zum Blühen bringen,
um jemanden die den Glauben verloren hat, neuen Mut zu machen. Ich würde gerne in einem großen Rosengarten
der Geruch einer Zeit finden, die für immer verloren gegangen ist.
Ich würde gerne wunschlos sein.
Wunschlos glücklich.

Viertel in Europa
Im Europaviertel knallt die Sonne gnadenlos hell.
Auf dem asphaltierten Boden sammelt sich die Wärme,
fließt in die patentierten Töne.

Dahinter knirscht die Erde, zwischen den Platten sprießt das Grün, liliputanisch die massiven Gebäude-Augen schauen.
Glas trifft auf Stahl.

Leute kommen und gehen, fehlende Einkaufstüten tragen,
heute ist Sonntag.
Man trägt den Heiligenschein in die Scheinheiligkeit,
im Tempo der Schritte stürmt man nicht mehr zwischen den Alltäglichkeiten, sondern sortiert sie gedanklich träge,
verteilt schon für die nächste Woche
Geburtstag Termine und Shopping-Drama.

Immer noch Hungrige nach der Aufmerksamkeit
couragiert sich schleppen, durch das Europaviertel wandern,
knacken das Tor zu den französischen Höfen.

Das Leben pulsiert, durch die gestochenen Venen fließt.
Ein Magnolienbaum um die Ecke schaut,
als würde er Versteckspiele anbieten.
Optisch grandios Träume verkauft.

Nur du
Das Leben wird gelebt, es fließt in einer Richtung.
Die ewigen Naturgesetze bestimmen es
bis zu einem gewissen Grad.

Ich will das nicht, ich will selber entscheiden, wohin.
Welche Gewässer sind geeignet,
die Träume an sicheres Ufer zu bringen.

Längst verlorenes Treibgut.
Gewollt, nicht abgeholt, wird von den Wellen hoch getrieben,
in die Fantasie gerollt. 

Lass los, fang an, zu schwimmen,
vertraue getrost dem wilden Meer. 
Dein Herz wird nicht aufhören zu schlagen.
Wenn schon, wird es nicht aufhören, zu lieben.

Du bist nur du, nicht weniger, nicht mehr.

Träume
Das Leben wird gelebt, es fließt in einer Richtung.
Die ewigen Naturgesetze bestimmen es
bis zu einem gewissen Grad.

Ich will das nicht, ich will selber entscheiden, wohin.
Welche Gewässer sind geeignet,
die Träume an sicheres Ufer zu bringen.

Längst verlorenes Treibgut.
Gewollt, nicht abgeholt, wird von den Wellen hoch getrieben,
in die Fantasie gerollt. 

Lass los, fang an, zu schwimmen,
vertraue getrost dem wilden Meer. 
Dein Herz wird nicht aufhören zu schlagen.
Wenn schon, wird es nicht aufhören, zu lieben.

Du bist nur du, nicht weniger, nicht mehr.



Staccato
Einen besseren Weg durch das Gestrüpp gefunden,
lange gesucht, keinen Spuren zehrenden  Ausgang.
Vertiefung auf die Haut
nach der Berührung mit der Seele der Anderen,
zu viel Andrang an den Stand der Wünsche
wo das Gluck wie eine Melonenscheibe gerecht verteilt wird
an den Bedürftigen und Wollenden,
an den Habenden und Gesättigten.
Saftig tropft auf fiebrigen Lippen das  Aroma,
der Durst nach mehr essenziellen Inhalten wird deutlich.
Einfach nur durstig unermüdlich nach den Wasserquellen suchen. Schneeschmelze, an Rande des Gipfels Überflutung.
Miniaturen in die Zeitvitrine wachen im Frühlings auf,
bewegen sich minimal, der Stau des Winters weg geschüttelt.
Schnee von gestern, wärmender Schal.
Das Gefühl von Tiefwatten durch den Schnee verschwindet.
Im Tiefgang entfernen sich die nassen Spuren,
langsam die Wärme überwiegt.
Charakter und Schicksal begegnen sich wie zufällig spazieren in  Frühlingsgewänder bekleidet.
Charmant, französische Tulpe am Revier.
Auf die Bank sitzt jemand und liest Goethe. 
Leise fließt der Bach, Kindheitserinnerung flüstert,
Geburtstagslieder zum Mitsingen komponiert.
Die Zeit verteilt Liebkosungen, wertvolle Erinnerung,
Zeitreise neu gebucht, das Gepäck schon verfrachtet.
In die multifunktionale Welt macht die Globalisierung möglich, Container am Hamburger Hafen
tauschen oft weltliche Impressionen aus.
Auf dem schweren Parkettboden der Tauschbörse
haben sich die Tanzspuren imprägniert.
Ein Amerikaner in Paris wirbelt,
knallig seine Step Schritte spielen Staccato Musik.
Fast unermüdlich hält sich der Boden wach,
trägt unhaltbar die Last der Erkenntnisse.
Kein Laminat, keinen Trugbild am heiligen Himmelsschein.


Identität
Ganz entschlossen hast du die Tür zur Welt zugemacht.
Eine durchgemachte Nacht mehr und es wäre schon zu viel
oder zu spät.
Deine Entscheidung kämpft nur für dich.
Dein Leben summiert sich aus der Erfahrung,
dein Lebenssammelsurium, Kanarier-Bunt.
Am Straßenrand hast du ihn abgelegt, mit der Wunsch,
dich von dir selbst zu distanzieren,
um dich nicht mehr durch die Nähe verzehrt zu sehen.
Deine Gewohnheiten, verlassen, dir von der Entfernung zuwinken, dich zurückwollen.
Eine Nacht mehr in ein fremdes Land
ließ dich nicht mehr weiter treiben,
die Wiederkehrgedanken haben, ohne dich zu fragen,
über dich schon längst entschieden, ihr Wille durchgesetzt.
Unerwartet, in den Schatten der Gedanken gehüllt,
der Sonne hast du den Rücken gekehrt,
deine Absicht weiterzureisen hast du storniert.
Für einen Augenblick, nach langer Zeit,
die richtige Entscheidung getroffen.
Das Haus, dein Haus, fast zu dir ein Schritt beschreitet
in ihr Unbeweglichkeit dir entgegenkommt, dich zulässt,
deine Präsenz durch die verregnete Glasscheibe reflektiert.
Du bist wieder da, mal wieder nach langer Zeit,
die Tür vor dir ein Spalt geöffnet, deine Rückkehr überdenkt.
In der Stille der abgeblätterten Farbe dich begrüßt,
ohne dich zu fragen, warum du weggegangen bist
und wieso du alles verloren hast, was du bei dir hattest.
Nur der Schlüssel zum Glück nicht, der dürftest du bei dir,
wegen deinem Identitätsverlust, behalten.
Du muss die Tür zu dir öffnen können, wenn du erfahren möchtest, wer du bist, wer du warst.

Picasso
Mit Picasso Umwege gehen,
über die karge Landschaft der spanischen Einöde.
Aus den Keramik-Gefäßen trinken
den tiefdunkel über die Jahre hinweg gereiften Wein.
Amphoren quellen über.
Faune beglücken die Frauenwelt auf eine animalische Art.
Nie genug bekommt die männliche Wucht, nie werden die narzisstischen Züge gesättigt.
Macho-Gehabe. Stolz und Besitz zugleich.
Verletzt sein unter dem Denkmantel der Stärke.
Einfach nur geliebt sein wollen für immer und nicht mehr.
Sich krallen in den unsichtbaren Netzen der Unvergänglichkeit,,
wie ein in Seenot geratener Matrose.
Als einziger Gefährte zwischen blühendem Seetang,
ein einsamer Seeigel.
Verwirrt in dem Gefühlswirrwarr,
gesättigt von der Aufmerksamkeit seines Volkes,
betritt der König der Kunstszene seine voll beladene Arche.
Wieder einen Ort berührt, wieder ein Liebespaar gesehen,
wieder dein durch dringlicher Blick lacht spöttisch, genießt.
Bonjour und Adieu.
Zum Abschied hinterlässt deine Ziege einen Wirbel aus Staub.
Du hinterlässt Staubfarben und Allüren.
Ich weiß es, was du sagen willst,
ich habe deine Botschaft verstanden...
Das Meer ist tief genug, unerschöpflich der Schatz der Fantasie.


 

Elementar
Gedanken schwimmen in dem kalt gewordene Wasser.
Ich fühle Frost am Handgelenk.

Ironisch zwickt mich die Neugier,
die Gier, mehr darüber zu erfahren,
was so in dem menschlichen Labor passiert,
welche Gedanken am schnellsten verbrennen,
welche mehr Energie liefern,
wo es aufhört zu lodern,
wenn doch der Geist immer zu Feuern bereit ist.

Wo ist der Knopf, wo ist der Druck gewesen.
Gegangen...
Leise klopft wieder an die Tür.
Ich bin da. Vergesse mich nicht,
lebe im Duett mit meiner Schattenwelt.
Die Welt hinter mir verlassen wirkt.

Frost am Handgelenk badet mit,
besteht mutig die Berührung mit dem flüssigen Element,
mit der Hitze des Wassers kokettiert.
Ich fühle mich.


Audienz
Grau schleppt sich der Wolkenschicht,
südwärts trägt der Wunsch nach mehr Wagnis die Wärme,

spielt vordergründig sich auf, Gewitter zu erzeugen.
Knallig lässt es Tüten mit glänzendem Lametta platzten.
Silvester im Sommer und das Jahr trotzdem nicht pasé.
In dem Vorstellungsraum wartet die Fantasie immer noch,
schaut auf zum Himmel, wo die weiße, helle Lichtflecken
sich in fliegenden Tauben verwandeln.
Picasso bleibt immer noch da, verweigert den Abschied.
Noch mal Hände halten, Küsse tauschen unter künstlerischer Überwachung des Bildes und Kraft seiner Entstehung.
Der Kunsttitan hat zur Audienz geladen.
Du bist seinem Ruf gefolgt,
hast wiederholt die Begegnung für die Ewigkeit
in das Gefühlsleben des Künstlers eingraviert.
Auf der Leinwand der Empfindung
hast du einen tätowierten Knutschfleck riskiert.
Und nicht bereut.

Farbkleckse
Leicht bewegt sich der Wind.
Gardinen aus Gedanken zur Seite geschoben,
die Welt offen, wartet auf den letzten Gast.

Grau karbonisiert erheben sich die restlichen Spuren,
der letzte Brief verbrannt, und doch die Zeit bleibt nicht still.
Im Netz bleiben die Erinnerungen hängen,
die Zeit sickert durch, erlesene Gedanken passieren den Tunnel,
weit wegflackert das Licht des Sommers.

Gefühle schaukeln in der Stimmung, deine Stimme ist längst verloren. Indigo-Schatten schleicht sich davon.
Die Tinte, schon lange getrocknet,
zeichnet Landschaften auf die Fingerkuppen.
Wieder ein Farbklecks verspielt sich wagt, Geschichten zu erzählen.

Die Scheherezade, wieder belebt, löscht die Punktation,
einfach weitererzählt, obwohl der letzte Zuhörer aufgestanden ist.
Dein Geist bleibt immer noch still,
deine Gedanken aufmerksam rotiert.


Weltvorstellung
Wieder posiert die Welt in festlichem Kleid angezogen.
Die Schlichtheit reicht ihr,
die kontinentalen Distanzen zu überwinden,
mit einem Tanzschritt einen ganzen Tanz ausführt,
die Meeresweite überspringt.
Der Artist, gekonnt mit den Meridianen jongliert,
für die nächste Weltvorstellung wirbt,
Einladungen sendet per Satellit, Drohnen-Post ist out.
Weltlich ist die Übertragung
auf der gleichen Wellenlänge empfangen,
die innerlichen Antenne intensiv beschäftigt sind.
Süchtig nach mehr Volumen für den Empfang
schießen in die Höhe ihre sensiblen Köpfe.
Blumenfelder wachsen auf der Mondlandschaft,
die Wüste überbevölkert blüht.
Die Erdplatte ist keine Festplatte, die Dateien speichert,
sondern bewegende Existenz ihrer Essenz vorausgeht.
Bewegung leichtes Erbeben des Lachens erzeugt.
Erschüttert wird die Nachdenklichkeit,
das störrische Hadern neutralisiert.
Die Zeitung von heute schon gestern gelesen,
aus dem Schredder noch Infos rausgefischt,
die Buntheit des Geschehens täuscht nicht
über die Unwichtigkeit der Ereignisse.
Wieder, wo eine Konferenz stattgefunden hat,
auf der Börse klettern wieder die Werte
in der unerschwingliche Höhe.
Pokerface. Schwindel.


Fasching  
Düster. In Nebel getränkte Welt, trotzdem fällt Konfetti,
rieselt wie der vom Winter vergessene Neuschnee.
Feuchtes, farbiges Papier klebt.

Auf der längst verlassenen Straße der Vernunft kehrt die Ruhe ein. Fegt die verkrümelten, weggeworfenen Impulse weg.
Taschentücher triefend vom Regen.
Die Tränen halten sich zurück in den Reservoirs,
die Erleichterung kommt später,
wartet noch in der gleichen Erstarrung.

Einsam  macht der Fotograf Schnappschüsse,
wuselt mit dem Objektiv, sucht nach der Sensation.
Vergeblich ist der Versuch zu rekonstruieren,
zu puzzeln, was wäre, wenn…

Stolperfallen, Hürdenläufe,  Hinterfragen als Ausdauertest. Luftgestalten aus Eisen stellen sich in den Weg,
verkleidet in einer invisiblen Kostümierung leisten Widerstand.

Die Seele lässt sich nicht täuschen, schwebt drüber,
pudert die Straße mit neuer Konfetti-Ladung.
Steht über der Traumatisierung, über dem zerstörten Selbstbildnis. Gesichter wachen auf, aus dem Konfetti-Fieber
wird ein fiebriges Erlebnis.

Eine Wiederrückgabe der gestohlenen Möglichkeiten. Wiedergutmachung. Das gesammelte Leergut abgeben.
Bitter Lemon wieder zum Frühstück. Schweppes klingt auch fremd.

Konfetti klebt an der Glaswand. Königlicher Berliner.
Puderzucker. Schnee von gestern.

Kino im Kopf
Auf den Gleisen die Ruhe herrscht,
ganz verlassen wirkt die Gegend.
Die Hitze klettert, steigt die Treppen.
Der Zeitzähler mechanisch sich weiter dreht.

Stille Stimmung sich ausbreitet,
nicht heiter; sondern leise.
Nur die Spuren von den schlingernden Zügen
schweben metalLisch riechend in der Luft.

Illusionen  wandern kino-reif,
überdecken das Panoramabild,
fügen sich ein in die Videothek des Augenblicks.

Akt
Zittrig ist dein Blick, an Fensterscheiben klebt.
Nur der Regen perlt, beweint seinen eigenen Ausbruch.
In der Wolkendecke Riesen rufen laut,
zitieren anonyme Erfahrungsberichte.
Am Bahnhof, vergessen, liegt der Kommunikationsversuch,
versagt die Diplomatie.

Die Sprache des Ungesagten kehrt zurück nach Hause,
auf Umwegen verliert sie ihre Scheu.
Engel weinen nicht.
Scherben bringen nicht immer das erwartete Glück,
Reisen bilden nicht immer gleich,
die Zeit mixt die Dosis der Erträglichkeit aus.

Die Artisten verbeugen sich, die Bühne verlassen wirkt,
die Wirkung schreckt die eigene Wirksamkeit ab.
Nischen des Rückzugs erweitern die Ausbreitung der Möglichkeiten. Geschlossene Räume platzen vor Gier nach Freiheit.

Das Publikum, auserlesen, applaudiert verlegen.
Der Ton verabschiedet sich, die Hintertür schließt.

In einer besseren Welt blühen die Bäume länger,
länger blüht auch die Wildheit selbst,
auf der Wiese der Vernunft sie zelten darf.      

Ozonloch im Winter
Nichts rührt sich in der Welt.
Die Geräuschlosigkeit das Fenster zu der Verschwiegenheit öffnet.
Am Ende der Leitung schweigt das Telefon,
zu lange ins Leere geklingelt hat.

Die dunklen Fenster verschlucken das Ozonloch,
der Übergang zu der anderen Welt
bleibt hinter der Sperre der Vorbestimmung.

Die Mutter geht, das Kind bleibt sich selbst überlassen,
die Welt, zu groß, um sie umarmen zu können,
zu glatt, um sie halten zu können.

Wünsche prallen laut, den Sommerregen nachahmen.
Die Tränen wischen die über die Jahre verdrängten Gefühle hinweg.
Ob es zu der Erlösung kommt oder stärker in die Isolation führt?
Ob die Welt die rauer wird, mehr Halt bietet?

Wundertüte
Es gibt noch immer Wunder.
In Wundertüten eingepackt,
für die nächste Geburtstagsparty verkaufen Artisten Konfetti.

Das sinnliche Rot den schwarzen Gedankengang drapiert.
Die Sommerblume sucht ein Refugium zum Überwintern,
der Platz im Kornfeld ist nur gepachtet.

Jedes Jahr kommt ein neues Muster,
neue Strukturen sich entwickeln.
Die Erde, eine Patchwork Decke aus Optionen.

Das Leben ist schön, flüstert das Blau,
ändert die Erwartungshaltung,
erhebt den physischen Zustand der Nachdenklichkeit,
wiederholt das Echo des Ungesagten im Schweigen betont.

Die Maler Tube bekommt Risse.
Bei Berührung kleckst die Farbe,
pastös fließend in das Bild des Allgemeinen.
Ultramarinblau lebt in der Tiefe des Meeres.

In das warme Kerzenlicht schleicht sich dezent
eine Spur von Schwarz.
Mit Türkis, eine illusorische, optische Begegnung.

Bitter Lemon
Weniger ist mehr und trotzdem wenig reicht nicht aus.
In der Logik versagt das Gewicht der Dinge.
Archimedes kann und will sich nicht wehren,
ihm gehört die Welt auch nicht, sondern er der Welt.

Fast jeder ist tauschbar, aber nur fast,
weil doch jeder hat einen Bruchteil Eigenartigkeit.
Wieso so viel Zeitaufwand für das Rätseln aussparen?
Zählen, zusammenzählen.
Eins plus Eins ergibt immer das gleiche Resultat.

Die Tür, die sich dreht,
bringt einen trotzdem nur nach außen.
Um nach innen zu dringen, muss man das Vakuum überwinden.
Kurze Strecke ohne Sauerstoff.

Warum ist es so schwierig innezuhalten, stehenzubleiben?
Ist es nur die Angst vor der Vergänglichkeit?

Was gibt es zu zweifeln?
Alles ist gut definiert, alles ist schon festgelegt.
Was nicht passt, wird aussortiert.
Kein unformen Korn im Weizen geduldet.

Dadurch würde das Brot des Allgemeinen
anderen Geschmack bekommen.
Befremdlich, das Anderssein.
Wie Bitter Lemon nach dem Dessert.

Erinnerung der Stunde
Die Forsythie, fröhlich, gesellt sich zu den Narzissen.
Grell leuchtet das Gelb,
erstrahlt im Abschied der Nacht.

Nur die Erinnerung der Stunde
hallt durch die offene Tür.
Aufdringlich strömt die Frische des Lebens am Morgen,
gleitet auf die wieder eröffnete rutschige Bahn.

Befreit aus der glänzenden Verpackung,
erstrahlt die Kunst des Wortes
in der sonnigen Einsicht des Tages.

Der Rückkehr der Zuversicht naht.

In das emotionale Gedächtnis hämmert der Wunsch,
musiziert seine Botschaften immer lauter.

Der Clown mit der Trommel zupft an seinem Pyjama,
lächelt schüchtern, begrüßt die Passanten.

Die Kulisse selbst wird zum Protagonist.

Im vernetzten Denken
streiten sich die Unmöglichkeiten

mit verbissener Logik, rütteln am Drahtzaun
und verletzen sich absichtlich.

Der Clown kommt nicht mehr raus aus seinem Pyjama.

Literarische Absicht 
Parallel überstürzen sich die Ereignisse,
weiße Kordeln am Himmelsband frei hängend,
treiben Akrobatik für die seelische Offenheit.

Die Wolken drehen Pirouetten,
verkehrt die Himmelsrichtungsanzeige zittert.
Der himmlischer Gott, verschnupft,
einen weißen Schal aus Wolken trägt.
Fransen spülen sie sich in das Friedensblau,
das Licht badet in den lauwarmen Pfützen,
effektiv in die Synapsen sich reflektiert.

Keine Spur von dem Nachtleben,
in Hong Kong strahlen die Reklamen noch immer,
Tag und Nacht verlieren die Übergangsmethodik.
Hier ist hier, woanders fangen die Meridiane
den vorhandenen, traditionellen Geist.

Am Schreibtisch sitzt immer noch die literarische Absicht.
Der geistigen Lampe geht niemals das Licht aus, die Flamme lodert, wacht über die Produktion.
Die Zeilen auf der Schreibmaschine getippt, wie früher,
ihren eigenen Wegen durchwandern.
Der Geist ist schneller als die Digitalisierung,
analog, das Schicksal hinterherhinkt.

Fadenriss  
Habe ich gewollt gedürstet, ungewollt meinen Durst gestillt?

Wollte nicht mehr halten können, war zum Scheitern verurteilt, 
Welten wollen sich nicht versöhnen,
Sturm und Drang ging doch zu weit?

Haltbarkeit dahinter sperren, Kräfte wieder an mir zerren.
Schwere tragen, nicht abwehren?

Habe ich gewollt gehungert, ungewollt mich doch ernährt?
Wollte mich nur sperren können von meiner eigentlichen Absicht,
mich befreien von der Pflicht?

Habe ich gewollt geschwiegen, ungewollt den Weg geöffnet?
Worte abgekämpft dort liegen, die Sprachlosigkeit besiegen? 

Habe ich gewollt verlängert, ungewollt den Fadenriss?
In den Eden-Garten-Apfel, Biss.

Sturm und Drang 
Mich nicht fühlen, nicht begreifen, die Gedankenschleife lang.   Morgensonne, halb verdeckt ziert den dunkelgrauen Schatten, Gold und Helligkeit nun knallt.
Wortlos wandert nur das Wort, an der Himmelspforte hallt.

An der dunklen, blauen Schicht hängen schwere Wassermassen, unsichtbar ist das Gewicht.
Niemand sieht und niemand ahnt, Sonne sperrt ganz leicht die Sicht. 
Wichtigkeiten sich verschieben, ob wir wollen,
ob wir lieben, die Freiheit winkt mit rauem Ton.

Ob wir folgen oder nicht, sonnig strahlt das helle Licht
am Ende des Tunnels.
An den Himmel grauen Ton schwimmen weit die Figurinen,
weiter weg vom Schmerz und Hohn.

Wie gebannt starren wir hier,
wie die Züge weiter rollen auf den Schienen des Wahnsinns.
Nur der Himmel weit, gerade zögert.
Stürmisch zieht er den Vorhang.
Der Gedanke, immer weiter an mir zerrt.
Sturm und Drang.

Die Zeit
Ein bisschen mehr Licht zwischen die Schichten der Alltäglichkeit.     In der Helligkeit badet mein Gefühl, während die Einladung
auf dem Frühlingskonzert verschickt wird. Von mir zu dir.

Von der Wunsch zur Wirklichkeit nur ein Schritt
in die richtige Richtung,
wenn die Richtung eine Richtigkeit haben kann.

Die Zeit fragt auch nicht, wann die Zeit gekommen ist,
weil die Zeit sich mit unsinnigen Zeitfragen nicht beschäftigt.
Die Zeit  schlendert mal wieder
auf den verlassenen Straßen der Vernunft.
Federleicht, ohne das alltägliche Gewicht mit sich tragend.

In der Vergangenheit ging der Zeit für das Heranwachsen.
Heute lagert man Zeit, für die Zukunft
und beraubt die Gegenwart ein Stück von der Spontaneität.
Mein Gefühl badet in der Helligkeit, verschmilzt mit dem Frühling. Kein Weg ist zu weit, wenn der Wunsch stark ist.

Die Hürde der Zeit ist überwunden,
wenn man auf dem Enthusiasmus Lauf nur teilnimmt.
Keine Frage der Zeitbewertung oder der Schnelligkeit.
Es geht mehr um die Intensität.
Um die Liebe zum Detail.

Wenn du… 
Wenn du geredet hättest Desdemona, wärst du noch perfekter,
aber du bist doch Nonkonform das wegen ruinierst du selber
mit jedem Spachtelstrich, mit jeder Schweigeminute deines Lebens  deine Perfektion.

Bröselig bist du, deine Büste aus weichen gut formbaren Ton, dem Wetter überlassen.
Dein Gesicht, immer auf neue von viele Tränen überrollt
wirkt ruhig und verlassen.

Das Leben zu sehr liebend, nie kannst du jemand hassen.
Auch nicht derjenigen, der dir das Leben nimmt.
Deine Perfektion, in den Fluss der Tränen
gegen die Richtung schwimmt.


Einsicht
Die Dunkelheit verschwindet mühelos.
Aus dem Grau des Nebels kriecht Feuchtigkeit,
durchnässt die fiebrige Szenerie.
Weinerlich hebt Gott die Organza - Gardinen,
verschafft sich Übersicht vom Stand der Dinge.
In Erwartung vertieft, schimmert die Hoffnung.

Irgendwann wiederholen sich die Ereignisse,
das gleiche Gefühl bangt um seine eigene Rückkehr.
Sie kommt.

Die Gleise laufen endlos,
verfügen über die Linearität der Geraden,
ihre Ziele nicht aus den Augen.
Schlaf hemmt ununterbrochen und störrisch die Kontinuität.
Die Realitäten vermischen sich weiter.

Am Pult der Zeit vermischt das Chaos Klassic mit Rap,
Bushido brüllt kompromisslos rassistische Sprüche.
Irgendwo in Amerika leiden wieder unterdrückte Farbige.
Immer das gleiche Denken, 
Gut und Böse dürfen sich nicht vermischen. 
Hinter Gardinen ersinnen Bosse ihre Machtspiele
und zocken mit Immobilien.

Das Klavier im Pariser Bahnhof wartet
auf die Wiedergeburt eines Genies.
Die alte Dame legt ihre Einkauftüten zur Seite und spielt.
Die Nostagie ihres Lebens fühlen die leere Glashalle aus.

Eine Unterwelt erwacht, nimmt die Rolltreppen.
Dort wo die Eitelkeit noch genehm kokettierte,
explodiert die Wahrheit mit obszöner Wortwahl,
nimmt keinen Umweg, springt riskant über die Gleise.
Züge fahren weiter. 

Tabula Rasa
Mein Ort, dein Ort, Orte der Begegnung.
Auf der Ebene des Verstandes klettert immer die geistige Kraft.
Auf die Karriereleiter streiten sich die Fähigkeiten.

Das Können schürft sich die Knie wund,
wenn zu sehr das geistige Feuer verbrennt.
Das Leben, eine Wüste aus Bedürfnisse.

Tabula Rasa stimmt zu, nickt mit dem Kopf,
milde gibt mir eine flüchtige Umarmung, mir den Weg weist.
In der Fantasiewelt gelten Ausnahmeregelungen.
Überall Piktogramme weisen den Weg dorthin.
Transparenz überflutet verläuft die Route
besser als die Google Maps des Verstandes.

Der Mensch aber klammert an die Realitäten. 
Wichtig ist das Korsett aus den Prinzipien gewebt,
sicher ist die gerade Haltung Stütze.
Brechen ohne Biegen.
Dankend verbeugt sich die Kunst in ihrer Artistik,
die Elastizität ihres Umbruchs,
die Schlussfolgerung der Definitionsbruch ist.

Das Wort klammert sich aus, 
aus der Begriffsumklammerung flüchtet,
die entstandene Impulse
transportiert,
Distanz in Nähe umwandelt.

Bewertung
In Anbetracht der Lage des Wagnisses
die zahlreichen Möglichkeiten sich vor der Jury anreihen.
Geduldig in der Wartestellung ihrer langen Schleppe ziehen,
ihre angebliche Schönheit zur Bewertung stellen.

Die Jury überfordert, ermüdet, die Entscheidung
dem Zufall überlassen, wo bleiben die Kenntnisse?
Das Können, in den Hintergrund verdrängt,
wartet schüchtern auf den Zeigefinger des Schicksals.

Du hättest besser machen können, sagt der Vater.
Die Mutter schweigt, durch ihr Schweigen
bestätigt sie die ungesagte Gleichgültigkeit.

Man kehrt das Äußere nach innen,
außen bleibt die metallische Montur schützend,
der Soldat aus Oz eingerostet, weiter geschubst, der Rost knirscht.

Trotzdem will er weiter machen, jeder wird gebraucht,
wenn es um den Aufbau geht.
Die Welt braucht jede schützende Hand,
jeden Geist, der mental arbeitet, jeden Handwerker,
der mit den Werkzeugen umgehen kann.

Schiffe müssen gebaut werden, die Tinte verbraucht.
Die Spitze der Feder immer in der Feuchtigkeit schwimmt.
Die Verse treiben in dem flüssigen Gang das Gesagte weiter
an den fragenden Mensch, die Antworten summieren sich.
Begeisterte Zuschauer klatschen, im Kopf,
die Antennen bereit zu kommunizieren.


Prismenbrille 
Langsam arbeitet sich der Tag voran
in die wöchentliche Alltagsroutine.
Die Sonne scheint am Horizont,
betäubt die Spuren der vergangenen Nacht.
Die langen Gespräche am Ufer des Flusses stumm ausharren,
auf den Verarbeitungsprozess warten.

Kunst ist nicht lehrbar. Gewollte Bilder - nicht greifbar.
Als nicht geschehende Erweiterung der Horizontale bricht das Licht, Funken sprühen auf die längst ausgebleichten Muster des Alltags.  Immer wieder, im Sommer verschwand das Grün der Wiesen,       bis der potenzielle Regen kam,
neue Farbe auftrug,
neues Leben einhauchte.
Nur mit der Prismenbrille erkennbar die Spaltung,
das Zerlegen des Persönlichkeitsbildes.
Immer wieder, im Leben, verschwand die Kraft  des Willens
bis die potenzielle Möglichkeit Impulse auftrug, neuen Mut erzeugte. 

Der Künstler, aus seiner Garage von dem eigenen Wunsch,
die Welt zu entdecken, vertrieben, kehrt in seiner Garage zurück.
Erkenntnisse lagert, seine zeitlich begrenze Berührung mit der Welt in der Isolation auskuriert.
Automatisches Tor, von innen getrieben, klemmt, schützt,
ohne Ausnahme die Wiederkehr in einer Welt der Normalität.
Eine Welt der ungewollten Bilder lädt sich von selbst
aus der Überlegungs-Strategie aus.

Instinktiv karren schon die Impulse die immer wiederkehrende menschliche Masche. Der Verstand pausiert.
Schwäche und Stärke zugleich parodieren, testen abwechselnd,
ob das Sicherheitsnetz das aushält, was es verspricht. 
Sprünge entstehen.
Auf dem Gratwanderung-Draht testet der Artist
seine Widerstandskräfte, seine Obsessionen zu steuern versucht.
Die Welt bleibt so
wie sie ist,
in ihrer Abwehr gegen Anderssein geschlosse
n.

Euphoria
Nach dem Regen und der Kälte kommt doch wieder Helligkeit.
Sonnengruß scheint einzuladen im Herbst Feste froh zu feiern.
Der Beginn des Winters, weit.
Spuren von dem wilden Sommer hängen in den alten Bäumen.

Aus tiefschürfenden Gedanken wachsen wieder neue Träume.
Rosen schütteln ab die Blätter, sanft im Flug schwingt das Pastell.
Rot und Ocker Duette tanzen.

Schwarz ist tief, aber auch hell.

Begegnung 
Manchmal ist die Welt zu klein um so viele Inhalte in sich zu tragen. Platzt.Trotzt in ihrer Leiblichkeit wie eine Skulptur von Peter Lenk. Lacht skurrile Töne.
Manchmal ist die Welt zu großflächig, macht mich unsicher,
weiß nicht wie und wo.
Wozu gibt es heute noch auf dem vergilbten Papier längst vergessene Landkarten mit nicht mehr gültigen Koordinaten? Manchmal sind die Menschen dürr, wie der Hungerkünstler
auf einem Berg der Bedürfnisse sitzend. Jeder Biss, ein Gedanke.
Der folgende Biss, ein Biss in die eigene Körperlichkeit.
Ein Mensch wie ein gebissener Apfel, ein Befund,
der die Existenz geistigen Nahrungsbedarfs bestätigt und potenziert. Ein Mensch, der wenig atmet, weigert sich auseinander zu gehen, lässt den anderen seine Brotscheibe verteilen, strichelt.
Oder lebt seine eigene Ästhetik
ohne sich überhaupt wahrzunehmen.
Ein Mensch, der nur aus einem Geflecht aus Emotionen besteht,
aus empirischen Daten.
Aber auch jemand, der sich auf den Weg macht,
um Peter Lenk zu treffen.
Jeder soll einen Schritt zu den anderen machen
und von dem eigenen Einmauern sich befreien.
Ein Weg zu teilen ermöglicht die Begegnung.
Auch die Begegnung mit dir selbst.

Valentinstag
Sonne, Gold und Arabesken auf dem blauen Himmelston,
ganz dezente rosa Fetzen, mal ein Klecks von rotem Mohn.
Malerei am Morgenhimmel.
Kreaturen auf Anhieb, Modeschöpfer, Architekten,
Kunst und Maler sind aktiv.

Worte springen, Worte tanzen.
Genitiv ist gleich Dativ.
Kopf und Hand sind symbiotisch, hochgeladen, kreativ.
Eng umschlungen ins Gedicht, in Pastellfarben gekleidet,
fließt das morgendliche Licht.

Die Ideen springen wie die Flummis ganz nach oben
bis zum Himmelstor.
Barrieren überwinden, keine Grenze mehr im Kopf.
Farben schöpfen aus dem großen Himmelstopf.

Rahmen halten, Rahmen sprengen,
mit den Gefühlen zärtlich den Azur berühren.
Küssen müssen.
Nur die Götter, noch verschlafen, schenken meiner Kunst Gehör.

Meer aus Liebe
Federleichtigkeit, leichter als die Leichtigkeit
eines gesprochenen Wortes,
berührt mich mit dem Flügelschlag,
zieht mich sanft zu neuen Horizonten mit.

Schatten springen wie ein Kind Seil springt,
der Welt entgegenlacht, und dabei badet
in der Fröhlichkeit des Seins.
Fantasie übergossen.

An den Flügeln hängt die unendliche Weite der Erlösung.
Wann und dann fallen sie sich in die Arme,
umschlingen den Wunsch nach mehr.

Liebesmeer tritt über die Ufer, schäumt und flüstert süßen Gesang.
Panflöten Musik.
Die Hand, Heimat des Gefühls, ist für die Empfindung Landeplatz.    

Der Akrobat blickt in den Himmel, die Angst geht,
nimmt andere Wege der Verlorenheit,
springt in das Netz der Befangenheit.

Der Verstand funkelt, findet Wege aus dem Labyrinth.

Im Sommer
Der Wind schaukelt das Verlangen,
keinen Widerstand leistet,
die Hitze des Sommers weiter trägt.
Möwen kreischen im Rundflug.

Am Atlantik, laut schlagen die Wellen,
schaumig, der Gang des Wassers überspringt.
Der Himmel, die Wassermaßen als Schleppe trägt.

Die Sirenen pfeifen schrille Töne,
Notenblätter liegen auf dem Wassergrund,
bedecken die Erwartungshaltung.

Augenblicklich havarierte ein Traumschiff
mit den Bedürfnissen belagert.

Gedanken von Bord gehen, ins Ungewisse reisen.


Bühnenleben
Am Anfang des Wollens gehen die Alternativen zuerst
auf eine Schau der Möglichkeiten. Strahlen zuversichtlich, selbstsicher betreten sie den Laufsteg. Reihe nach Reihe füllt sich der Zuschauerraum, pumpt in die Luft Erwartungsdruck.
Windkanonen föhnen die Hochsteckfrisuren,  Windgitarren rocken den medialen Bereich.
Der Flattermann jagt das Lampenfieber weg,
von der Bühne das letzte Staubkorn fegt.
Das letzte Blatt findet den Weg in den Papierkorb,
die letzte optische Störung kontert launisch.
Die Starrallüren müssen, bevor alles vorbei ist,
auch ausgelebt werden.
Der Topflorist bekommt endlich eine Bestellung, dafür dürfen weiße Lilien das Rampenlicht erhellen, strahlen dürfen sie aber nicht. Der Glanz ist im Voraus für die erste Reihe reserviert. Klassifizierung der Möglichkeiten, beim Eingang vorgestreckt. Der letzte Hoffnungsschimmer entkommt, es spottet die Steifheit, schneidet unbemerkt Grimassen. Sinnvoll die Satire, obwohl keiner sie wahrnimmt. In der Benebelung die Wahrnehmung ein Quantum Schärfe verliert. Die Möglichkeiten sind ein Vorwand, eine Verlockung. Die Rolle ist längst vergeben. Selektieren erzeugt Gedankenstürme, existenzielle Ohnmacht breitet sich aus. Der Flattermann zweimal klingelt. Die Ruhe bricht, die Töne in sinnlicher Klarheit wie Scherben klingen. Eine Träne macht sich selbständig, rollt in schwarze Mascara verkleidet, schlägt Rinnen in die Zeit. Aus der silbernen Dose ein Meer aus weißen Taschentüchern herausragt, sie schlagen wellige Schatten. Eine Origami Möwe flattert. Die Alternativen spielen hinter ihrem eigenen Schatten Versteckspiele. Die Möglichkeiten gehen ein und aus.